Essen mit sozialem Aroma

Drei Cafés mit dem geheimnisvollen Namen Kowalski.

Ein schöner Begriff: „Essen mit sozialem Aroma.“ Geprägt hat ihn Michael König, Geschäftsführer der evangelischen Diakonie, die erstaunlich erfolgreich in der Salzburger Gastronomie mitspielt. Länger gibt es ihr Kulinarium, ein Catering-Unternehmen, das wegen zu vieler Aufträge leider ständig Kunden ablehnen muss. Dazu jetzt eine Café-Kette an drei Standorten, alle auf den Namen Kowalski hörend, die behinderten Menschen Arbeit und Lebensmut gibt. Eine besinnliche Geschichte.
In der Riedenburg, im neuesten Wohnquartier Salzburgs, ist von den 340 Wohnungen schon die Hälfte bezogen. Mittendrin das neueste Café-Bistro Kowalski. Ein großer heller Raum, lustige Lampen, jeder Stuhl anders gestaltet und gefärbt, eine sehr freundliche Atmosphäre. Vier Menschen bedienen, zwei mit Beeinträchtigung. Das ist das Prinzip der Diakonie, immer arbeiten Profis gemeinsam mit Behinderten. Geboten wird, was die hauseigene Küche produziert.
Eine Zucchinicremesuppe auf Basis einer sämigen Kartoffelsuppe, gut gewürzt. Krautfleckerl, süß angelegt mit karamellisiertem Kraut, samt einem sauber angemachten Salat. Solide Hausmannskost. Aber nicht zufällig steht mitten im Raum eine Glasvitrine mit Kuchen und Torten. Hier auf Mehlspeisen zu verzichten, ist eine Dummheit. Der Millirahmstrudel: locker, topfig, umgeben von Vanillesauce, alles aromatisch, nichts zu süß, erstklassig. Ebenso die Punschschnitte, dünne Glasur, typischer Geschmack ohne klebrig zu sein. Dazu bester Kaffee mit warmer Milch.
Fast gleiches Bild in der Neuen Mitte Lehen, oben im spektakulären Panoramacafé. Lasagne als Tagesgericht war schon aus, aber der Tomaten-Mozzarella-Salat geriet tadellos. Und dann: ein Liebesknochen aus luftigstem Brandteig samt feiner Glasur und Marmelade, gefüllt mit Schlagobers-Kaffee-Creme, vorzüglich. Ebenso die Mohnschnitte, schön aromatisch und wenig süß. Garniert mit schönsten Rundblick.
Den Grund dieser erstaunlichen Torten-Qualität erfuhr der Vorkoster, als er einmal ein Catering essen konnte. Auch dort waren die Happen tadellos geraten. Nun ja, wenn ein Aufstrich etwas fad schmeckte, so nahm man halt kein zweites Stück. Auch da erwiesen sich die Mehlspeisen als hochprofessionell. Michael König verriet, dass die Diakonie dem Café Fürst eine Konditorin abwerben konnte.
In den zwei Küchen des Kulinariums ist das Arbeitstempo nicht allzu hoch. Leiter Georg Maringer: „Behinderten muss man die Arbeitsschritte halt acht, neun Mal erklären, und manchmal vergessen sie die dennoch. Aber wenn etwas gelingt, dann kommen sie zu dir und umarmen dich. Das ist herzerwärmend.“ Die Behinderten erhalten eine Beschäftigungsprämie und sind krankenversichert. Manche schaffen es, selbständig zu wohnen, andere sogar den Sprung in reguläre Betriebe.
Eine kräftige Finanzspritze hat dem Café-Bistro Kowalski in der Riedenburg samt der neuen Küche auf die Beine geholfen. Eine halbe Million Euro, die Hälfte vom Land, die andere aus Spenden, mit 200.000 Euro der größte Einzelposten, den die Aktion Licht ins Dunkel vergab. So kann jeder Spender genüsslich schauen, wie sein Geld angelegt wurde.
Und der Name Kowalski? Für den gibt es keine wirkliche Erklärung. Der entstand in der Diakonie in Linz bei einem Ideenwettbewerb. Auf alle Fälle ist er einzigartig – so wie das ganze Projekt.

3x Kowalski in Salzburg:
Moosstraße 1D
Schumacherstraße 14
Guggenbichlerstraße 20c
Öffnungszeiten:
www.cafe-kowalski.at