Wohnen auf kleinstem Raum

Mikrohäuser, Wohnwürfel und Generationen-WGs sind derzeit noch Randerscheinungen. Das werde sich in Zukunft bald ändern.

Jeder zweite Salzburger wohnt allein und verbraucht dabei zu viel Wohnraum. Derzeit sind es durchschnittlich 45 Quadratmeter pro Person. Doch das wird und muss sich ändern, sagen die Experten. Aber wie soll das Wohnen in Zukunft dann aussehen? Welche Wohnformen wird es geben? Franz Huemer, Mitarbeiter der Baudirektion und Salzburgs Smart-City-Koordinator: „In Zukunft werden mehr sehr kleine Wohnungen gebaut werden. Es reichen 25 Quadratmeter für eine Person.“

Huemer gefällt außerdem  die Idee von Wohnwürfeln. Das sind kleine und flexible Einheiten, die sich nach Bedarf erweitern ließen. „Zieht ein Familienmitglied aus, kann die Wohnfläche wiederum minimiert werden, indem einer der Würfel entfernt wird. Das spart Miet- und Heizkosten.“
Obwohl Wohnwürfel ein Extrembeispiel seien, ließen sie zwei Tendenzen erkennen: Zum einen würden Städter in Zukunft auf wesentlich kleinerem Raum wohnen und sie müssten sich außerdem flexibel an die Lebenssituation anpassen.
„Auch Wohngemeinschaften wird es in Zukunft mit Garantie vermehrt geben, um Kosten und Platz zu sparen. Bisher ist es in Österreich jedoch noch sehr unbeliebt den Besitz zu teilen.  Das liegt wohl an der Mentalität der Einwohner“, sagt Huemer. Das müsse sich ändern.

In Zukunft werde es mehr solcher Mikrohäuser geben. Foto: Robert Ratzer

Smart City heißt nicht gleich viel Technik

Als Smart-City-Koordinator setzt sich Huemer dafür ein, dass die Stadt „smarter“, also „intelligenter“ werde. „Entgegen der Auffassung vieler Unternehmen gehört zu einer intelligenten Gestaltung keine möglichst technikreiche Einrichtung.“ Ein Ofen, der sich automatisch ein- und ausschalte, oder Fenster, die sich von alleine schließen, seien nicht nötig. Statt technischen Hilfsmitteln trage die Energieversorgung der Häuser zu einer fortschrittlichen Stadt bei, erklärt Huemer. „Viel Technik ist nicht smart, sondern verursacht hohe Wartungskosten.“ Eben diese müssen in Zukunft stärker vermieden werden, um bezahlbares Wohnen zu gewährleisten. „Es ist ein Irrglaube, dass billiges Bauen zu niedrigen Wohnkosten führt. Vielmehr entstehen dadurch hohe Nebenkosten, welche durch energieeffizientes Bauen verhindert werden könnten.“

Ein Positivbeispiel hierfür sei die Sporthalle im Stadtteil Liefering. Sie ist ein Plusenergiegebäude, denn dessen Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeuge mehr Energie, als für die Halle selbst benötigt werde.
„In Zukunft werden auch Wohnhäuser nach diesem Vorbild autark sein“, sagt Huemer. Neben der Energieversorgung werde auch  die Nähe zu Infrastruktur in Zukunft wichtiger. Huemer: „Obwohl die Grundkosten in der Stadt höher als auf dem Land sind, ist die Anbindung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ausschlaggebend.“

Wer täglich Bus, Bahn oder Rad fahre, spare auf lange Sicht Geld und Zeit. Das werde sich in den nächsten Jahren noch verstärken. „Ein Stellplatz für Fahrräder vor dem eigenen Haus ist zwar eine Kleinigkeit, aber sehr viel wert.“
Doris Banner, Mitarbeiterin der Umweltberatung Wien, sieht eine weitere Möglichkeit für intelligentes Wohnen in Passivhäusern. Dessen Wände würden  so gut gedämmt, dass in der Regel kein zusätzliches Heizen nötig ist. „Im Sonnwendviertel in Wien stehen bereits einige solche Passivhäuser.“

Aus welchen Materialien werden die Häuser der Zukunft gebaut?

Banner: „Vor allem aus nachwachsenden Rohstoffen, wie beispielsweise Holz, Flachs, Hanf und Stroh.“
Lehm eigne sich zudem als Putz für Innenräume. Häuser, die vollständig mit Stroh gedämmt werden,  gäbe es in Österreich bereits. Auch Leichtbauten aus Holz würden immer beliebter. „Aber noch sind nachwachsende Materialien vergleichsweise selten in Gebrauch.“ Die Umweltberaterin betont jedoch: „Viel wichtiger als die verwendeten Materialien ist es, energiesparend zu bauen und im Anschluss zu wohnen.“

Der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen sei vorbei. Diesen Luxus würden sich nur noch sehr wenige leisten können. In der Zukunft werde vermehrt in der Stadt, in kleinen Wohnungen oder  Gemeinschaften gewohnt.

Mieten in Salzburg sind wegen leer stehender Wohnungen hoch

Auch Heinz Plöderl stellt sich in der Zukunft ein gemeinschaftlicheres Wohnen vor. Der Vorsitzende Architekt der Ziviltechnikerkammer in Oberösterreich und Salzburg sieht damit außerdem die Möglichkeit, dass ältere Personen besser in der Gesellschaft integriert bleiben. „Nur durch alternative Wohnformen wird in Zukunft das Wohnen wieder bezahlbar werden.“
In Salzburg sehe er die Ursache von hohen Mieten derzeit  in der Masse an leer stehenden Wohnungen. „Gerade die Stadt- und Ortskerne sind betroffen. Die Altstadt steht größtenteils leer, obwohl in ihr viel Potenzial steckt.“
Deshalb ist sich Plöderl sicher: „In Zukunft werden wir die Stadtkerne wieder entdecken, die alten Gebäude renovieren und neue hinzubauen. Und auf diese Weise werden wir dort gesellschaftliches und soziales Leben zurückgewinnen.“

Anna Boschner