Von Chancen und Wirrnissen

Die Zukunft ist kühl und digital – und manchmal auch komisch. Und eigentlich steht sie erst am Anfang, die digitale Revolution.

Wer hätte gedacht, dass ein Telefon ohne Tasten binnen weniger Jahre zum neuen „Körperteil“ vieler Menschen wird? 2006 erfand Apple das iPhone. Er folgte der Aufstieg zum globalen Giganten.

Ohne Zweifel: Auch die nahe Zukunft wird weitere spannende Geschichten schreiben. Spracherkennung, selbst fahrende Autos oder „Smart Homes“ gelten als Garanten für mehr Lebens- und Wohnqualität. So ein „Smart Home“, ein Bündel an ausgeklügelter Technik, inkludiert Sicherheit und effiziente Energienutzung.

Fakt ist auch: Eigentlich steht sie erst am Anfang, die digitale Revolution, erleichtert uns schon heute das Leben, macht als gefräßiges Daten-Monster aber vielen Menschen Angst.

Sie fühlt sich beim Gedanken an den Pflegeroboter, der statt der Krankenschwester Tee serviert, eiskalt an. Anders liegt der Fall bei AV1, einer Erfindung aus Norwegen. Ist ein Kind lange krank, sitzt der 30 cm kleine Roboter als Vertretung in der Klasse. Dient als Ohr und Auge. Das Kind steuert den AV1 von daheim, per Smartphone oder Tablet und bleibt dadurch mitten im Geschehen.

Am digitalen Pranger

Manchmal liefert die Technik unfreiwillig tragikomische Momente. Die Werbung mit dem Gesicht der in China populären Geschäftsfrau Dong Mingzhu auf einem Linienbus etwa wurde für sie zum Schuss ins digitale Knie. Das Kamerasystem interpretierte trotz modernster Gesichtserkennungs-Software das Konterfei von Frau Dong Mingzhu völlig falsch.

Aufgabe des Systems ist es, Fußgänger, die bei Rot über den Zebrastreifen eilen, zu identifizieren. Umgehend wird dann auf gespeicherte Ausweisdaten zugegriffen, die Polizei erhält blitzschnell Fotos und Namen. Zur maximal abschreckenden Wirkung lässt die Behörde der Stadt Ningbo die Gesichter der „Täter“ auf großen Bildschirmen im Stadtgebiet zeigen. Die „Rotgänger“ landen am digitalen Pranger.
So mittelalterlich stellen wir uns die Zukunft dann aber lieber doch nicht vor . . .

Von Heinz Bayer