Verkehr der Zukunft: Fahrerlose Busse und Autos

Die ersten Prototypen fahren schon – in Salzburg und nahe Graz. Noch muss ein Testfahrer am Steuer sitzen.

Im Straßenverkehr sieht man sie noch selten, doch immer mehr von ihnen verlassen derzeit die Labore: autonom fahrende Busse, Autos und Lkw. Wie viele in 20, 30 Jahren im Straßennetz unterwegs sein werden, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Einer, der sich täglich mit dem Thema  befasst, hält den ersten großen Hype für überwunden. „Google und Tesla haben nach etlichen Unfällen eingesehen, dass noch viel mehr Tests nötig sind. Erst dann dürfen völlig  selbstfahrende  Autos auf die Straße“, so Karl Rehrl von Salzburg Research, einem der führenden Forschungsinstitute zu autonomem Fahren in Österreich.

Karl Rehrl (Salzburg Research): Eine Frage ist, ob der Fahrer ständig bereit sein muss.“ Bild: Salzburg Research

Das Institut testet mit 13 Partnern Österreichs ersten „Digibus“. In dem kleinen Elektrobus finden zwölf Fahrgäste Platz. Schon ab 2020 soll der Digibus in Koppl  Pendler vom Ort zur Postbushaltestelle an der Bundesstraße befördern – pünktlich zu den Fahrzeiten des Postbusses. „Solche Beispiele wird es künftig mehrere geben“, meint Karl Rehrl. Was dem Bus noch Probleme macht, sind Schnee, starker Regen und Steigungen. „Jetzt im Winter fährt er in einem Fahrtechnikzentrum in Niederösterreich“, schildert Rehrl. Bei den Probefahrten heuer im Sommer zeigten sich manche Autofahrer genervt, dass der Bus mit nur 15 km/h auf der Landstraße fährt.

Die meisten Leute, so Rehrl, seien aber von dem Zukunftsbus angetan. Digibusse haben das Potenzial, dass mehr Menschen  öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Sie sollen die so genannte  „letzte Meile“ bis zur Öffi-Anschlussstelle schließen. Wie im Digibus müssen auch in den ersten selbstfahrenden Autos in Österreich geschulte Fahrer an Bord sein. „Man darf das Lenkrad nie auslassen“, beschreibt Gerhard Greiner von Alp.Lab.  Die Firma  testet  auf der A9 bei Graz drei selbstständig  fahrende Autos. Alles musste vom Verkehrsministerium erst bewilligt werden. Wie sich die Autos im Verkehr machen, wird nicht nur vom Auto aus, sondern auch mit Radar  auf Überkopfwegweisern ständig überwacht. „Diese Daten fusionieren wir“, so Greiner. Autohersteller warten schon darauf.

Das dritte Testgebiet neben Salzburg und Graz ist Linz. Dort gehen selbstfahrende Lkw an den Start. Sie sollen in einigen Jahren automatisiert in Verbänden über die Autobahn rollen. Autonome Autos mitten in den  Städten würden  noch  Jahrzehnte auf sich warten lassen, meint Karl Rehrl: „Da müsste sich das Fahrzeug schon sehr wie ein Mensch verhalten und das dauert.“ Eine knifflige Frage bleibt laut Rehrl, ob der Fahrer ständig bereit sein muss, selbst das Lenkrad zu übernehmen. Davon hängt ab, ob der Fahrer oder der Autohersteller bei einem Unfall haftet.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Cornelia Zankl von Salzburg Research beim Testfahren des Digibus in Koppl.Bild: Salzburg Research