Ein Plädoyer für das Lesen

In meiner Filterblase geht es vor allem um folgende Fragen: Lesen die Menschen noch? Warum lesen die Menschen nicht mehr?

Was tun die Menschen stattdessen? Stirbt der Buchhandel aus? Wen können wir dafür verantwortlich machen? 3,7 Bücher, hieß es in der Zeit im Bild im November, habe der Österreicher/die Österreicherin in den letzten 12 Monaten gelesen. Jetzt ist das für ein Lesefresserchen wie mich erschreckend wenig, aber die konkrete Zahl ist nicht so wichtig, sondern vielmehr die Überlegung: Brauchen wir das Lesen noch? Und wenn ja, wozu?

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Um bessere Menschen zu werden und zu bleiben, sage ich. Um weltoffener und toleranter zu sein, um fremde Kulturen, die wir nicht bereisen können, wenigstens auf diese Weise kennenzulernen. Um etwas über Geschichte zu erfahren – unsere eigene und die der anderen. Um zu reflektieren und zu lernen, um zum Nachdenken angeregt zu werden und das Erstarrte, Abgestumpfte in uns aufzubrechen.

Lesen bildet, Lesen macht klug, Lesen ist Wissen. Und es ist, entschuldigen Sie das Goscherl, eine verschissene Unverschämtheit unsererseits, die wir Zugang zu dieser Bildung und diesem Wissen haben, dass wir es nicht nutzen. Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie viele Menschen auf der Welt sich danach sehnen, lesen und schreiben zu können, für wie viele Menschen es einen Unterschied machen würde, wären ihnen Bücher zugänglich, wie sehr das ihr Leben verändern würde?

Wir gehen stiefmütterlich mit dem Lesen um, wir vernachlässigen es. Aber Lesen ist ein Privileg. Und ich bin nicht, wie viele andere, der Meinung, dass es durch das Digitale verlorengeht, im Gegenteil: Das kann sich sehr gut ergänzen. Ich blogge seit 2009 online über Bücher, ich bin auf Instagram Teil von #bookstagram, und wenn Sie sehen, was für eine Lesebegeisterung dort herrscht, in welchem Ausmaß Menschen sich täglich über Bücher austauschen, dann klingt der Abgesang auf das geschriebene Wort deutlich leiser.

Auch viele Aktionen wie das Bücher-Battle in der Buchhandlung Stierle im November, das so gut besucht war, die Woche unabhängiger Buchhandlungen, der hochmoderne und durchdachte Umbau von Hugendubel am Stachus München und die Reaktionen darauf zeigen: Die Menschen interessieren sich sehr wohl noch für Bücher. Man muss sie ihnen nur auf neue Art näherbringen, und das ist völlig in Ordnung.

Deshalb ist das hier ein Aufruf: Wenn Sie mit der Zeitung fertig sind, lesen Sie mal wieder ein Buch. Falls Sie nicht wissen, welches, fragen Sie den Buchhändler vor Ort. Oder mich.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at