Die Zukunft heißt Wasser statt Limo

Zucker und Plastik ade: Ein Salzburger Brüderpaar will mit Microdrinks den Getränkemarkt revolutionieren.

Ein kleiner, wasserlöslicher Würfel soll die Welt verändern, so die Vision der Brüder Martin Murray und Henry Wieser. Gemeinsam mit dem Designer Christoph Hermann gründeten sie das Start-Up Waterdrop mit Sitz in Wien, nach zweijähriger Planung ging es 2017 in Salzburg auf den Markt. Seither lukrierten sie über 100.000 Kunden – im Onlineshop, über den Rewe-Konzern und in Shops an sechs Standorten (in Salzburg in der Sigmund-Haffner-Gasse).

Was hat es nun mit dem Würfel auf sich? Er besteht aus Frucht- und Pflanzenextrakten wie Açaí, Ginseng oder Moringa, ist frei von Zucker, Konservierungsstoffen und künstlichen Aromen und verwandelt Leitungswasser in ein Getränk mit Geschmack. Bislang gibt es die Würfel in sechs Geschmacksrichtungen, weitere werden folgen. Waterdrop will „die“ gesunde und nachhaltige Alternative zu Limos und Energydrinks werden.

„In den reichen Ländern hast du überall gutes Wasser, aber viele wollen etwas mit mehr Geschmack“, sagt Martin Murray (33), ein überzeugter Wassertrinker, der die Idee zu Waterdrop hatte. Deshalb füllten Tonnen von zuckerhältiger Limonade in Plastikflaschen die Regale. Das will Murray ändern. Noch schlimmer als Plastik und Zucker findet er die CO2-Bilanz dieser Getränke: „Die schweren Plastikflaschen werden mit Lkw über weite Strecken gefahren.“

Unternehmerin Dagmar Wöhrl investierte in der Show „Die Höhle der Löwen“ mit 500.000 Euro in „Waterdrop“. Foto: Waterdrop

Der Jury der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ war Waterdrop eine Million Euro wert. Die Hälfte des Geldes lehnte das Trio ab. Unternehmer Ralf Dümmel wollte das Produkt flächendeckend am deutschen Markt einführen, das war ihnen zu riskant. „Wir sind vor allem online tätig und wachsen so rasant, dass wir die 500.000 Euro gar nicht brauchen. Vielleicht greifen wir später auf das Angebot zurück“, so Murray.

CO2-Fußabdruck gering

Die Waterdrop-Würfel haben minimales Gewicht, sie passen durch jeden Flaschenhals und sind auch für unterwegs geeignet. Ein Zwölferpack kostet knapp 7 Euro, ein halber Liter komme auf 50 Cent, rechnet Murray vor. Waterdrop kam zur richtigen Zeit, so Murray: „Wassertrinken, Zuckervermeiden, Nachhaltigkeit sind gerade ein Riesenthema.“

Das Produkt kommt nicht im „Öko-Look“ daher, sondern wirkt erfrischend pfiffig. Design, Ästhetik und Haptik waren Murray von Anfang an wichtig. Zu den Würfeln gibt es auch Glasflaschen in passender Optik. Zielgruppe sind vor allem Frauen, denn: „Sie sind aufgeschlossener für Gesundes und Innovatives.“

Ganz ohne Süße kommt Waterdrop nicht aus, da geht für Murray der Geschmack vor. Anstelle von Zucker setzt das Trio auf Sucralose, das aus Zucker gewonnen wird, kalorienfrei und für Diabetiker geeignet ist. Aktuell habe man die asiatische Monk-Fruit im Blick, ein natürlicher Süßstoff, der in der EU noch auf die Zulassung wartet.

Nicht so in den USA. Dort will Murray in zwei Jahren starten. „Wenn man schon denkt, soll man groß denken. Wir wollen mit den Microdrinks eine neue Kategorie schaffen und in zehn Jahren flächendeckend in Europa sein, mit Präsenz in Amerika und Asien.“ Österreich sei ja bekannt für seine Getränkehersteller, spielt er schelmisch auf die geflügelte Konkurrenz an.

Von Petra Suchanek

Bildtext: Henry Wieser, Martin Murray und  Christoph Hermann (v. re.) punkteten bei „Die Höhle der Löwen“. Foto: HöhlederLöwen_VOX_MG RTL D Bernd M. Maurer