Die neuen, sexy E-Autos

Warum der saubere Antrieb die Zukunft ist. Und die deutsche Automobilindustrie von Google & Co geschluckt werden könnte.

Es scheint die Zeit der brüderlichen Kraft zu sein und die Zeit der jungen Männer, die Neues wagen.
Christian und David Gruber aus Hallein haben ein Unternehmen gegründet, das die Mobilitätswende vorantreibt. G-Electric, so der Firmenname, berät rund um Elektrofahrzeuge und importiert sie – man expandiert bereits. Die Brüder sowie Geschäftsführer Gregor Scheurecker haben dafür sogar ihre erlernten Berufe – Musiker, Psychologe, Militärpilot – an den Nagel gehängt oder zum Nebenjob gemacht. Vor Kurzem haben die Brüder mit dem jüngsten Tesla Model 3 auch einen neuen Weltrekord aufgestellt: Sie legten in 24 Stunden 2644 Kilometer am Stück zurück, bretterten mit 180 km/h über deutsche Autobahnen, luden die Batterie dabei 22 Mal  auf. „Wir werden ja ständig  gefragt: Wie weit kommst du denn mit deiner Batterie?“, beschreibt David Gruber eine der viel diskutierten Kinderkrankheiten der neuen Technik. Sie würden verschwinden, sind die Jungunternehmer überzeugt. „Am Dieselmotor hat man 100 Jahre geforscht, beim  E-Motor stehen wir erst am Anfang.“

Innovationsexperte Mario Herger: „Ein Achtzylindermotor hat 2000 Teile, ein Elektromotor 20. Das ist die Sensation.“

Der Verbrennungsmotor ist bereits tot

Noch machen die Stromer im Meer der fossilen Verbrenner keine großen Zahlen her. Ende 2017 fuhren in Österreich laut Statistik Austria 14.606 Elektroautos und 8161 Hybrid-Pkw. Doch der Markt springt an, hat sich zuletzt „jedes Jahr verdoppelt“ (Gregor Scheurecker). Der Punkt, an dem eine kritische Masse überschritten wird und die Entwicklung explosionsartig vonstatten geht, könnte schneller kommen als gedacht.
So dauerte es gerade einmal 13 Jahre, als von 1900 bis 1913 in New York die Pferdekutschen vollständig durch Automobile aus dem Straßenbild verdrängt waren, weiß der deutsche Technologieblogger und Autor Mario Herger (www.derletztefuehrerscheinneuling.com). Herger, der im Silicon Valley lebt, als Innovationsguru gilt und im Jänner in  Linz einen Vortrag halten wird, sagt den Niedergang des Verbrennungsmotors und im Speziellen der deutschen Automobilindustrie voraus  – beide seien, überspitzt formuliert, bereits tot.

„Niedergang bis 2030“

Sie würden dem Phänomen der „Disruptive Innovation“ zum Opfer fallen, womit gemeint ist, dass eine neue Technologie ein Produkt ersetzt. Der Kollaps verlaufe in bereits beobachtbaren Phasen: Deutschlands Autokonzerne haben an den Börsen eben der Reihe nach Gewinnwarnungen ausgegeben; in den USA sind die Absätze dramatisch eingebrochen, sitzen Ex-Manager in Haft. Fahrverbote in Innenstädten stehen an.  Ab 2020/2022 seien die großen Drei, Volkswagen, BMW und Daimler, „gezwungen Tafelsilber zu verkaufen, um noch die Umstellung auf E-Antrieb und autonomes Fahren zu finanzieren und zu beschleunigen“. Ab 2025/2030 sei „der Gebrauchtwagenmarkt für Verbrenner tot“ und einer oder zwei deutsche Konzerne „von einem US-Digitalriesen  verschluckt“, so Herger. Deutschlands Leitindustrie baue mit zu großen Belegschaften zu komplizierte Autos: „Ein Achtzylindermotor besteht mit Getriebe, Abgas- und Tankanlage aus 2000 Teilen, die jemand entwickeln  und zusammenbauen muss. Ein Elektromotor kommt auf gerade mal 20 Teile.“ Das sei die eigentliche Sensation: E-Autos sind günstiger und einfacher herzustellen und zu warten.

Zwei Superbrüder aus Wels

Bis zur großen Massentauglichkeit fehlt freilich noch einiges. Da wäre das Batterieproblem. Der schicke E-Zwerg namens Smart fährt immer noch nicht weiter als 100 Kilometer. Volkswagen verspricht beim e-Golf 270 Kilometer Reichweite – „real sind es im Winter  200, im Sommer 230“, versichert eine Benutzerin dem SF.
In Wels, OÖ, versucht ein so experimentierfreudiges wie erfolgreiches Brüderpaar die Dinge zu verbessern. Die Firma Kreisel hat gerade einen High Power Schnellader mit integrierter Speicherbatterie vorgestellt, die aus Windkraft und Photovoltaik gespeist wird. Dies ermöglicht eine mobile Aufstellung.

Wohnprojekt Rauchmühle: Ladestationen in Tiefgarage mitgeplant

Ein weiteres Hindernis sind die stolzen Preise und die noch magere Infrastruktur. Es dominiert ein luxuriöses Premiumsegment, wo ästhetisch ansprechende Fahrzeuge 70.000 Euro und mehr kosten. Die günstigeren  Kleinen bestechen durch ein abturnendes Aussehen. „In fünf Jahren wird  man schöne E-Autos um 20-, 30.000 Euro kriegen“,  hofft David Gruber. Verschlafen hat die Politik den Ausbau der Lademöglichkeiten im städtischen Wohnungsbau. Obwohl seit 2013  ab 50  Stellplätzen Leerverrohrungen in Tiefgaragen vorgesehen werden müssen, brachte man das beim Großprojekt Riedenburg nicht zustande. Bei der Wohnanlage Rauchmühle wird die Salzburg Wohnbau mit der Salzburg AG zwei allgemein nutzbare Ladestationen im Außenteil errichten. „Bei 140 Stellplätzen in der Tiefgarage sind Durchbrüche für die Stromleitungen mitgeplant, wo man ohne Stemmen ganz einfach für  Wandboxen nachrüsten kann“, so Baumanager Thomas Maierhofer.

Von Sonja Wenger

 

Österreich: Platz zwei bei Neuanmeldungen

Österreich hat europaweit die zweitmeisten Neuanmeldungen von Elektrofahrzeugen: 1,7 Prozent im ersten Halbjahr 2018. Ende 2017 fuhren 14.608 reine E-Autos in Österreich. Mit den 8161 Hybrid-Pkw (Strom/Benzin, Gas) haben vier Prozent der Pkw-Neuzulassungen alternative Antriebstechniken. 77 Millionen Euro betrugen die staatlichen Fördermaßnahmen des Bundes für Elektrofahrzeuge im Vorjahr.