Anziehungskraft des Knödels

Wie ein SN-Bericht zum Signal für den Vorkoster wurde. Und ihn zum Aufbruch ins Salzburger Seenland animierte.

Die Erde ist ein Knödel – diese Volksweisheit ist geologisch gar nicht so verkehrt und kulinarisch von tiefer Wahrheit, gilt doch der Knödel zu Recht als Welt-Essen. Man merkt, der Vorkoster ist Verehrer und Verzehrer zugleich. Als die SN jüngst eine Knödelmacherin in Mattsee über den grünen Spinat lobten, war das für ihn ein Aufbruchssignal in die Flachgauer Einschicht.
Einschicht? Ja, der Knödel ist kein Bewohner von New York oder Paris, er wächst in der tiefsten Provinz. Wobei als engste Heimat das Innviertel gilt, eine metropolenfreie Landschaft, der ist Mattsee räumlich zugewandt. Es ist jetzt auch die richtige Jahreszeit. Der Knödel ist ein Wintertier. Grammelfülle im Kartoffelteig in der Augusthitze auf der Sonnenterrasse? Ein Gedanke zum Schaudern. Erst wenn der Wind eisig bläst, dann wirkt seine runde Kraft wohlig wärmend.
Von Obertrum kommend geht die Fahrt in Ausserhof schmalspurig rechts weg, am Naturschutzgebiet Buchberg vorbei, immer den Hinweisschildern nach bis in den Weiler Untermayrhof. Da steht der Gasthof als eines aus einem halben Dutzend Häuser. Die Aufschrift „Kaswirt“ erinnert an die Vergangenheit: Hier stand bis 1970 eine Käserei. Innen die Gaststube in typischer Gestalt des vergangenen Jahrhunderts: Fliesenboden, dunkle Tramdecke, dazwischen die Schank und der Kachelofen, Holzbänke die Wände entlang, aber weiß gedeckte Tische.
Nun mag hier niemand einen florierenden Betrieb vermuten, der ja von Frequenz lebt. Es war der Einfall von Wirtin Gabriele Dürager, sich auf Knödel zu spezialisieren, der lebenserhaltend wirkte: „Ohne diese Idee gäbe es den Gasthof gar nicht mehr.“ Wie die große Erde entwickelte auch der formverwandte Knödel seine Anziehungskraft. Wobei etwas mehr Streuung erwünscht wäre: Zur Zeit drängen sich die Gäste vor allem am Sonntag um den Mittagstisch.
Wenn Wirt Franz Dürager lederhosengewandet die Karte reicht, heißt es erstmal Abschied nehmen. Es wird ein gutes Dutzend verschiedener Knödel angeboten und so viele schafft niemand bei einem Mahl. Da hilft die Knödelplatte (€ 8,90) mit drei Stück nach Wahl. Auf was verzichten? Nicht auf die Vegetarischen: mit Spinat durchwirkte oder mit Pilzen – tadellos. Denen stahl der Tomatenrundling die Schau, innen ein Kügelchen Gorgonzola, vorzüglich. Die klassisch Gefüllten, umgeben vom Erdäpfelteig – das wurden die Lieblinge der Runde. Knödelesser sind halt konservativ. Das milde Haschee, sehr angenehm, ebenso die kräftigen Grammeln, ungewöhnlich die Fülle aus leicht scharfen Debrezinern, da brauste der Beifall stärker. Und ganz stark bei den Blunzn-Knödeln: feinste Farce, mild und süß zugleich. Man lasse sich Platz für Desserts, natürlich auch rund geformt, klarerweise aus Topfenteig. Da erfreute ein weihnachtlich-punschiger Kern zu Zwetschgenröster (€ 7,60) und ein Hollerkompott begleitete zwei Knödel mit Mohnfülle (€ 7,20), wunderbar würzig, gar nicht süß – allein die sind jeden Umweg wert.
Wer gute Knödel haben will, muss in die Einschicht. Das ist der Triumph der Provinz über die Metropole.
PS: Der SN-Bericht erschien unter dem Titel: „Die letzten ihrer Art“. Das ist arg pessimistisch. Es leben weitere gute Knödelmacher.

Gasthaus Mayrhof
Untermayrhof 4, 5163 Mattsee
Tel. 0664/5793556
Do bis So geöffnet
https://gasthaus-mayrhof-kaswirt.stadtausstellung.at