Sie sind Waisen, aber nicht allein

Kuchlerin hilft Kindern in Thailand. Sie errichtete ein Waisenhaus. Eine Salzburger Bastelgruppe unterstützt sie.

Die Kinder in Baan Doi, dem „Kinderhaus am schönen Berg“ in der nördlichsten Provinz Thailands, haben viele große und kleine Wünsche. Die einen möchten später Tierarzt werden, die anderen Lehrer oder Koch. Das unterscheidet sie nicht von anderen Kindern. Und doch ist ihr Schicksal ungleich schwerer.

In dem Heim leben Waisen, die ihre Eltern an das HI-Virus (Aids) verloren haben und zudem staatenlos sind. Das heißt, die Kinder wurden bei der Geburt nicht registriert, weil den Eltern das Wissen über ihre Rechten und Pflichten fehlte. Sie gehören oft ethnischen Minderheiten an und sprechen kein Thailändisch.

„Staatenlos zu sein bedeutet praktisch ein ,Niemand’ zu sein, man ist ohne Rechte, illegal. Für diese Kinder ist der Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung nicht gegeben. Auch die Ausbildungschancen sind gemindert“, sagt Barbara Meisl. Die aus Kuchl stammende Sozialpädagogin wurde bei einer Thailand-Reise auf diese Missstände aufmerksam.

Sie wollte die Waisen nicht tatenlos ihrem Schicksal überlassen und eröffnete mit der Schweizerin Graziella Ramponi Najai 2009 das Kinderhaus Baan Doi. Heute leben dort zehn Mädchen und acht Buben im Alter von acht bis 17 Jahren. Der Trägerverein Baan Doi ist als Nichtregierungsorganisation (NGO) anerkannt.

Barbara Meisl (Bildmitte hinten) inmitten ihrer Schützlinge. Bild: Baan Doi

HIV-Infektionen steigen, Verein klärt in Schulen auf

Doch damit nicht genug: Meisl baute mit Baan Doi ein Familienförderprogramm für Waisenkinder auf, die bei Verwandten wohnen. Denn ins Kinderhaus werden nur jene aufgenommen, die absolut niemanden mehr haben, der für sie sorgen kann. 43 Familien unterstützen Meisl und ihr 16-köpfiges Team aktuell.

Die Kuchlerin versucht nicht nur die gegenwärtige Not zu lindern, sondern das Übel an der Wurzel zu packen. Geschätzt 300.000 Kinder sind in Thailand von Aids betroffen. „Leider steigen vor allem bei Jugendlichen die HIV-Neuinfektionen an“, weiß Meisl. Um diesen und ungewollten Schwangerschaften vorzubeugen, macht Baan Doi Sexualerziehung in Schulen und arbeitet eng mit Krankenhäusern zusammen. Damit erreiche man Tausende Jugendliche, so Meisl.

Damit die Kinder im Waisenhaus in eine möglichst gute Zukunft starten können, fördert Baan Doi ihre praktischen Fähigkeiten. Die Jugendlichen können in der Projektarbeit, etwa bei der Organisation von Seminaren, mitwirken, im Büro, in der Landwirtschaft oder auch Handarbeiten gestalten, die vor Ort verkauft werden. Dadurch entwickelten sie Ausdauer und Verantwortungsgefühl.

Auch eine Salzburger Bastelrunde hilft mit

Auch wenn Barbara Meisl gern in Thailand ist, so vermisst sie ihre Eltern, Geschwister und Freunde in Österreich – und die Direktheit der Menschen hierzulande. Aber: „Die Kinder sind es mir wert, weiterhin meine Zeit und Energie hier in Nordthailand zu investieren.“

An dem asiatischen Land gefallen ihr die Schönheit der Natur, die Sprache, die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen und deren Gelassenheit. In den Wintermonaten sei es bei 25 Grad und täglichem Sonnenschein sehr schön, im Sommer bei 40 Grad plus heiß und stickig. Waldbrände verursachten zudem starke Luftverschmutzung, der Monsun mache dann wieder alles frisch und grün.

Natur und Nachhaltigkeit sind Meisl auch bei Baan Doi ein Anliegen. So habe sie ein Reisfeld gekauft, dass nun Schritt für Schritt in eine biologische Landwirtschaft umgewandelt werde, erzählt sie. „Unser Ziel ist es, die Kinder und Mitarbeiter mit frischem Obst und Gemüse, Fisch und Geflügel zu versorgen.“

Den Draht zu ihrer Heimat hat Meisl nicht verloren, im Gegenteil. In Salzburg unterstützt sie der Bastelclub des Vereins Baan Doi Österreich seit vielen Jahren. „Da werden schöne Handarbeiten, Glücksbringer und wertvolle thailändische Artikel verkauft.“

Erwerben kann man diese demnächst beim Weihnachtsmarkt am Egelsee in Golling (16. Dezember) und am Verkaufsstand beim Leiner in Salzburg-Süd (28., 29., 31. Dezember). „Wer sich im Verein engagieren möchte, ist herzlich willkommen“, betont Meisl.

Infos zur Vereinsmitarbeit per E-Mail: austria@baandoi.org; Mehr zu Baan Doi auf: https://baandoi.org

Von Petra Suchanek

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