Pendler sehen pink

Plakataktion weist Weg zur Landesausstellung. Was dahinter steckt. Und warum mancher (k)eine Freude damit hat.

Wer in die Umlandgemeinden der Stadt Salzburg oder noch weiter raus in die Bezirke fährt, dessen Blick fällt unweigerlich auf großformatige pinke Plakatständer mit kryptischer Aufschrift. Da steht im Flachgau etwa „Mariapfarr“ und im Lungau „Arnsdorf“. Fährt man nach Anthering heißt es „pssst!“ und „Still sein!“.

Hinter dieser Plakataktion steckt die Stille Nacht GmbH, die damit den Weg zur Landesausstellung weisen will. Diese verfolgt in ihrem Konzept bekanntlich eine dezentrale Ausrichtung: Sie ist auf neun Standorte aufgeteilt. „Wir hatten die Aufgabe klarzumachen, welche neun Orte das sind“, erklärt Paul Estrela von der Stille Nacht GmbH.

So sei man auf die Idee mit der Plakataktion an den Pendlerzufahrten und an den Landesstraßen, die zu den teilnehmenden Museen führen, gekommen. „Das Konzept der Landesausstellung setzt Mobilität voraus. Die Pendler sind daher eine wichtige Zielgruppe, auch, weil sie oft mit der ganzen Familie unterwegs sind.“

Plakate ohne Daten wollen neugierig machen

Damit sich die Landesausstellung in ihrer Fülle erschließe, sollte man mindestens drei Museen besuchen. Das geht auch ohne Auto. Beim Gesamtticket für die Museen ist ein Verkehrsverbundsticket inkludiert (18 Euro).

Die Plakate sorgten auch schon für Unmut und Verwirrung: So habe sich ein Feuerwehrkommandant beschwert, weil in seinem Ort Werbung für eine andere Gemeinde gemacht wurde. Manche dachten auch, die Tafeln seien irrtümlich falsch plakatiert worden, sagt Estrela.

Man habe bewusst auf diese „Desinformation“, die nicht falsch sei, gesetzt, um die Leute neugierig zu machen und Diskussionen anzuregen. „Es ist keine klassische Werbung, weil weder Daten noch Absender enthalten sind, sondern eine Landart-Kampagne“, sagt Estrela, weshalb man auch den laut StVO vorgegebenen 100-Meter-Abstand zur Straße nicht einhalten musste. „Die Verknüpfung findet im Kopf der Leute statt.“

Zwei Tafeln korrespondieren jeweils miteinander: zu „psssst!“ heißt der Partner „Still sein!“. Foto: Suchanek

Um die Landschaft nicht zu stark zu beeinträchtigen, beschränkte man sich auf rund 50 Plakate an 20 Standorten. Jeweils zwei Tafeln korrespondieren miteinander. Aufgestellt wurden sie auf Privatgrund. „Ich hielt nach geeigneten Orten Ausschau und ging dann von Bauer zu Bauer. Ich wurde von diesen ganz im Sinne der Stille-Nacht-Botschaft sehr freundlich aufgenommen.“

Dass in Lamprechtshausen „Mariapfarr“ steht, hat einen Grund, erzählt Estrela eine Anekdote: Der Maler Reinhardt Sampl erklärte sich mit der Aktion nur einverstanden, wenn er vom Fenster seines Flachgauer Ateliers auf einen Ort seiner Lungauer Heimat schauen könne – was nun der Fall ist.

Von Petra Suchanek

Am Bild: Paul Estrela steckt hinter der Plakatkampagne zum Stille-Nacht-Jubiläumsjahr. Bild: Suchanek

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