Krenns Schlüssel ging reihum

Zahllose Personen hatten Zutritt zur Villa des Opfers. Es wurde gestohlen, umgeräumt, ausgemalt. Nur die Polizei stieg über ein Fenster ein.

Der Prozess im Mordfall Roland Krenn dürfte neu aufgerollt werden. Die Generalprokuratur empfiehlt  dem OGH, das Urteil über den Einbruchdiebstahl  aufzuheben. Die Mordurteile seien zu Recht erfolgt, sagt Generalstaatsanwalt Martin Ulrich. „Nicht ausreichend beleuchtet wurde, ob der Schlüssel zum Haus des Opfers widerrechtlich erlangt wurde.“ Auch die Einweisung des 25-jährigen Erstbeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher sei neuerlich zu prüfen.

Schlüssel am Hosenbund

Die Botschaft dürfte bei den Strafbehörden in Salzburg Schaudern   auslösen. Denn die Frage, welche Personen wann  in den Besitz von Krenns Hausschlüssel gelangten, dürfte kaum noch zu klären sein. Fakt ist: Es waren viele. Der 25-jährige Pongauer, der laut Gutachten zu „pathologischem Lügen“ neige, machte  zahllose unschlüssige  und falsche Angaben.
Roland Krenn trug  seinen Schlüsselbund für die Villa an der Eschenbachgasse zusammen mit der Geldtasche am Hosenbund. Im Haus hatte er ein Bord mit beschrifteten Schlüsseln für seine Immobilien. Zuletzt überließ Krenn einem Deutschen einen Schlüssel. Der beschäftigungslose 57-Jährige chauffierte ihn, erledigte Arbeiten – und soll Krenn laut dessen Anzeige am Ende um 70.000 Euro erleichtert haben, indem er sich mit Luxusuhren, Handys, einer Goldkette  nach Fuerteventura absetzte. Der Deutsche wurde in Spanien verhört, er hat mit dem Mord   nichts zu tun.

Gold im Teddybären

Denn zur selben Zeit, im April, Mai 2016, diente sich bereits der junge Pongauer beim wohlhabenden Privatier an, fuhr den 63-Jährigen mit seinem  Geländewagen herum, spielte mit ihm Mühle, nächtigte nach Alkoholexzessen in dessen Haus. Und der Pongauer, der einen intensiven, sich steigernden Kokainkonsum pflegte und Drogen- und Bankschulden hatte, merkte sich eine Andeutung Krenns, wonach in einem alten Teddybären „Gold um 25- bis 30.000 Euro“ eingenäht sei. Einen Schlüssel bekam er nicht. Er musste klopfen, das belegen eine E-Mail von Krenn (24.5.2016) und Aussagen im Prozess. Nach der Tat am 19. Juli 2016 hatte der Pongauer freilich den Schlüssel: Er zog ihn dem Toten von der Hose.
„Ab da glich die Villa von Roland einem Vogelhaus. Es wurde gestohlen, umgestellt und ausgemalt“, sagt Krenns frühere Freundin  Ursula P. Die beschuldigten Männer sowie Krenns Schwester und deren  Freund hatten über Monate hinweg freien Zutritt zu dem Haus, das eigentlich ein Tatort war. Warum die Polizei das zuließ, sei ihr ein Rätsel, so P.

Wurde der Tatort versiegelt?

Der Pongauer will acht Mal im Haus gewesen sein, seine beiden Mitangeklagten, ein 30-jähriger Wirt und die 21-jährige Ex-Freundin des Pongauers, bestreiten alle Tatvorwürfe. Von der Freundin gibt es auch keine DNA am Tatort.

Während eine nicht bekannte Zahl an Personen am Tatort ein und aus marschierte, holte die Polizei zur Hausöffnung die Feuerwehr. Am 17. September 2016 stiegen Beamte des Stadtpolizeikommandos über ein Badezimmerfenster in Krenns  Villa ein, machten Fotos von den Räumlichkeiten, die extrem unaufgeräumt und angefüllt waren (so stand ein Motorrad im Wohnzimmer). Zu der Zeit hatte der Erstbeklagte immer noch Krenns Schlüssel (LKA Bericht, 13.3.2017) – was er Krenns Nachbarn und der Polizei bei seiner ersten Einvernahme am 21. September 2016 so erklärte: Er leere die Post, weil Krenn „mit einem Segelboot den Deutschen jage“. Der Zeuge machte „einen überaus nervösen Eindruck“, notierten die Beamten. Im November 2016 übernahm die Mordgruppe den Fall.

Schwester findet das Testament

Nun hielten sich Krenns Schwester (57) und ihr Partner (51) „sehr oft im Haus von Roland auf“, so der Lebensgefährte (Protokoll 2.5.2017). Die Schwester erhielt laut Ermittlungsakt irgendwann den Schlüssel vom Pongauer; der will ihn auch ihrem Freund gegeben haben: Das Paar ist mit dem 25-Jährigen befreundet. Jedenfalls beantragte die Schwester bei Gericht die Bestellung zur Abwesenheitskuratorin, listete das Vermögen und fehlende Wertgegenstände auf. Und dann fand sie – neun Tage vor der Entdeckung der Leiche – im Haus ihres Bruders ein (strittiges) Testament, das sie zur Alleinerbin macht und das ihr Freund unterschrieben hat. Warum das Paar den Fund der Polizei verschwieg, ist bis heute nicht geklärt.

Sonja Wenger

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