Eine graue Maus ist bunt geworden

Essen gehen am Waagplatz? War 30 Jahre kein Thema. Doch jetzt verändert ein malaysischer Koch diese Ur-Salzburger Gastronomie.

Nein, das K+K ist dem Vorkoster nie eingefallen. Dabei wird er oft gefragt, wo man denn in der Salzburger Altstadt gut essen könne. Aber wem kommt eine graue Maus in den Sinn? Eben. Und genau dieses Image baut das Haus gerade ab.

Dabei gibt es den Betrieb schon seit 1974. Aufgebaut von zwei Brüdern, deshalb der Name Koller und Koller, altösterreichisch abgekürzt zu K+K. Als Zentrale einer kleinen Hotelkette: ihr „George“ in London hat der Vorkoster urlaubend genützt, solide ist es inmitten der unverschämt teuren und mies ausgestatteten englischen Konkurrenz. Aber essen gehen am Waagplatz? Kein einziges Mal in 30 Jahren. Er war zu Pressekonferenzen eingeladen, wobei ihm manch gereichter Happen nicht recht schmeckte. Wie die meisten Salzburger überließ er das Haus den Touristen.

Nun ist eine junge Generation am Ruder: Claudia und Norbert Koller. Im Spätsommer öffneten sie das Tagescafé im Erdgeschoss mit ganztätig warmen Speisen. Die Ausstattung ist mutig: Kacheln verdecken die Gewölbe aus dem 12. Jahrhundert, man wähnt sich in den Markthallen von Paris. Und doch war es eine andere Nachricht, die den Vorkoster lockte: Diese Ur-Salzburger Gastronomie beschäftigt einen Malaien als Chefkoch: Saravanan Gurusamy. Solch Anstellung ist vermutlich noch einmal mutiger.

Das Praktische an diesem Tagescafé ist: wir mussten bei einem Stadtbummel nicht auf die Uhr schauen, ob wir auch ja zur Mittagszeit einkehren, und es wurde wie meist erst der Nachmittag. Auch zu der Zeit erfreut das Angebot. Eine Kokos-Suppe (€ 5,50) kam, das typische Aroma asiatisch aufgepeppt, Frühlingszwiebeln als Kontrast und Hühnerstückchen als Inhalt. Die Cannelloni (€ 12,50) waren zart im Teig und mit säuerlichem Ricotta gefüllt, auch wieder gut abgeschmeckt. Die Entenbrust (€ 14,50) hatte den richtigen Rosa-Ton, zum süßlichen Kürbis-Mus mit Haselnüssen kam gebratener, also bitterer Chicorée samt Dattel. Attraktive Kombinationen, wir beschlossen, auf ein Essen oben im Restaurant wieder zu kommen.

Andertags in den Stuben: Hier hat sich nichts geändert, das Alter des Hauses bleibt spürbar mit Tramdecken, großen Holztischen und niederen Bänken. So ganz ist auch der neue Schwung nicht angekommen. Uns hatte unten im Tagescafé die selbstgemachte Limonade geschmeckt, ob wir die noch einmal bekommen könnten? „Nein“, sagte der Kellner, „geht nicht“. Als Gedeck kamen ein paar Scheiben Brot plus drei Schälchen fader Aufstrich – was sich mit Euro 3.50 pro Person auf der Rechnung niederschlug. Ärgerlich.

Immerhin fand sich in der Karte jenes Gericht, das es zum Stadtgespräch gebracht hat: Zitronen Capellini (€ 18,50), feine Nudeln also, tatsächlich leicht zitronen-säuerlich, samt knackigen Garnelen, Avocado und Forellen-Kaviar, der lustig im Mund platzte. Eine gute Kombi. Das gebratene Zanderfilet (€ 23) hatte ein würziges Kernöl-Risotto als Beilage und interessant süß-säuerlich angelegten Fenchel. Die Topfenknödel (€ 8,50) waren schön locker geraten, wenn auch etwas süß.

Danke nach Malaysia. Die Speisen wirken modern, sind gut gewürzt. Über manchem Teller glänzte die Haube. Die graue Maus ist bunt geworden. Bei der nächsten Frage nach einer Einkehr in der Altstadt wird dem Vorkoster auch das K+K einfallen.

K+K, Waagplatz 2, 5020 Salzburg, Tel. 0662/842156, www.kollerkoller.com

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