Auf die Zukunft programmiert

Zu seinem achten Geburtstag hat mein Sohn einen kleinen Roboter bekommen. Den muss man erst einmal zusammenbauen …

… und kann ihn dann über das Handy oder das Tablet mit Befehlen steuern. Ein befreundeter Buchhändler hat mir erzählt, dass auch kindergerechte Bücher über das Programmierenlernen der Renner sind. Und obwohl eine altvaterische Stimme in meinem Kopf gleich stammelt „Ohmeingotteinroboterdasistunserende“, finde ich das gut, denn ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Das ist die Zukunft.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Und wir sollten unsere Kinder dafür rüsten. Damit sie später eine Programmiersprache beherrschen und nicht nur Schönschrift mit der Füllfeder, damit sie sich auskennen mit Grids und Benchmarks und Leadgenerierung und Metatags. Sie haben keine Ahnung, was das alles ist?

Nicht so schlimm, für Sie ist es eh schon zu spät. Für unsere Kinder aber nicht. Und das gilt für Mädchen genauso wie für Buben: Berufe in der Informationstechnik und mit Bezug zur virtuellen Welt sind logischerweise jene mit den besten Zukunftsaussichten. Das sag ich jetzt so locker und großspurig, und dabei haben meine Kinder gar kein Handy.

Weder besitzen sie ein eigenes, noch dürfen sie eins von uns haben zum Spielen oder Videoschauen, also nie. Einen Computer auch nicht, und so musste der Sohn in der ersten Klasse bei der Hausübung auf die Frage „Was ich am liebsten am Computer mache“ schreiben „gar nichts, ich hab keinen“.

Komischerweise hat man ja tief in sich den Glauben verankert, dass es so, wie man es selbst erlebt hat, am besten ist: Ich war als Kind viel draußen, in seliger Handylosigkeit. Roboter hat es nur im Fernsehen gegeben, und die Vorstellung, man könnte sich am Samstagabend was anderes anschauen als „Wetten, dass…?“, also sich was AUSSUCHEN, das gar nicht im regulären Fernsehen ist, wär einem ja geradezu blasphemisch vorgekommen. Teufelswerk!

Das bedeutet allerdings nicht, dass früher alles besser war. Und: Wir selbst nutzen Handys, Computer, Tablets ja auch, warum also wollen wir nicht, dass unsere Kinder es tun? Wieso sperren wir uns so gegen die Technologien von morgen?

Ich glaub nicht, dass wir uns wirklich nach Faxgeräten und dem Brockhaus zurücksehnen und mit damals tauschen wollen. Ich möchte deshalb versuchen, meine veralteten Ansichten aufzubrechen.

Wenn ich dann nämlich später mal gebrechlich bin und meine Kinder keine Lust haben, mir den Hintern abzuwischen, wird das sicher ein Roboter tun. Und ich alter Trottel werde keine Ahnung haben, wie man den programmiert.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. E-Mail: interaktiv@svh.at

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