Was in unserer Nahrung steckt

 EU-Initiative fordert Symbole für Nahrungsmittel, die auf einen Blick zeigen, ob ein Produkt fleischhaltig, vegetarisch oder vegan ist.

Vegetarisch oder vegan ernähren sich neun Prozent der Österreicher. Der Appetit auf  pflanzliche Lebensmittel steigt auch unter Fleischessern, doch der Einkauf ist schwierig.  Auf den meisten Lebensmitteln muss man im Kleingedruckten nachlesen, ob darin Tierprodukte enthalten sind. Eine neue internationale Bürgerinitiative will das  ändern.

Jeder EU-Bürger kann bis November 2019 dafür unterschreiben, dass Lebensmittel künftig mit Symbolen gekennzeichnet werden. Die sollen zeigen, ob ein Produkt fleischhaltig, vegetarisch oder vegan ist. Solche Symbole würde den  30 Millionen Vegetariern mit 24 Sprachen  das Einkaufen in der EU enorm erleichtern, argumentiert man bei der Bürgerinitiative. Kommt eine Million Unterschriften zustande, muss sich die EU-Kommission binnen drei Monaten mit dem Thema beschäftigen.

Rasch wissen, was man kauft

Das „Fenster“ hat sich unter Salzburger Vegetariern und Veganern umgehört, was sie von der Kennzeichnung halten würden. „Ich fände das super und werde das gleich meinen Freunden erzählen“, freut sich Andreas Hirnsperger. Der Mathematik-Lehrer an der HTL Hallein und Hobby-Rennradler  bietet  vegane Ernährungstrainings an und organisiert über seine Facebookgruppe „Vegan Potluck Salzburg“ öffentliche „Potlucks“ (nächster am 5. Dezember um 19 Uhr). Dabei treffen sich bis zu 30 Leute im Freizeitzentrum MARK in Schallmoos, um gemeinsam  mitgebrachte vegane Speisen zu verzehren. Allen gehe es gleich: „Im Supermarkt muss man ewig lesen, was in welchen Produkten steckt.“

Barbara und Tina Lohninger ernähren sich vegan. Sie werden die Petition unterschreiben. Bild: Sabine Tschalyj

Ein Lokalaugenschein zeigt: Müsli, Brot oder auch Tomatensugo ist nicht immer vegan – oft ist Milchpulver drinnen. Es gäbe nur zwei verlässliche Gütesiegel: Das V-Symbol der Vegangesellschaft Österreich und die Vegan-Blume. Eine verpflichtende Kennzeichnung brächte allen Bürgern Klarheit, findet  Barbara Lohninger, Radiologietechnologin an den Salzburger Landeskliniken. Wie Junglehrer Hirnsperger ernährt auch sie sich aus Tierschutzgründen vegan. Sie findet, als Konsument erfahre man viel zu wenig über Nahrungsprodukte: „Wer denkt sich denn, dass im Mehl Schweineborsten enthalten sein können oder Wein  mit Tierlab geklärt wird?“, so die Salzburgerin.

Pflanzliche Ernährung werde sich weiter ausbreiten, glaubt Hirnsperger. „Fundis“, die belehren wollen, trügen dazu nicht bei. Es solle schon jeder selber entscheiden, was er isst.

Von Sabine Tschalyj

Petition auf www.labelveg.eu

Bild oben: Andreas Hirnsperger liest viel Kleingedrucktes: „Fixe Symbole wären super. Milchpulver ist sogar in Müslis.“ Bild: Sabine Tschalyj