Reiseabenteuer in Kalenderform

Wie eine Salzburger Familie Urlaub macht – und damit hilft. Zuletzt war sie in Benin und Togo dem Voodoo auf der Spur.

Seit Jahren reisen der Salzburger Werbefachmann Clemens Scheidhammer und seine Frau Karin nach Afrika. „Wir sind stets auf der Suche nach Orten und Völkern, die sich fernab der touristischen Routen ihre Ursprünglichkeit und Traditionen bewahrt haben“, sagt Clemens Scheidhammer.

Drei Mal bereisten sie den Sudan, sie waren in der Danakilwüste Äthopiens, im Somaliland, im Tschad und in der Wüste Algeriens. In den vergangenen Weihnachtsferien erkundeten sie mit einer Freundin und Sohn Maxi (8 Jahre) Benin und Togo an der Küste Westafrikas. Letzteres zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Doch Scheidhammer fand dennoch viele Motive, die von der Schönheit der beiden Länder, ihrer Kultur und ihrer Menschen zeugen.

  • Ganvié, Stelzendorf im Lak Noukoué (Benin). Foto: Clemens Scheidhammer
  • Straßenszene. Foto: Clemens Scheidhammer
  • Die Familie Scheidhammer mit Sohn Maxi beim Neujahrsempfang von König Dassagate XII. Foto: Clemens Scheidhammer
  • Künstler Joseph Nnie zeigt stolz seine Arbeiten in die Kamera. Foto: Clemens Scheidhammer
  • Tata-Lehmburg, UNESCO-Welterbe im Tamberma-Land (Togo). Foto: Clemens Scheidhammer
  • Kunstwerke aus angeschwemmten Plastik am Strand "Route de Peche". Foto: Clemens Scheidhammer

 

20 Euro Kalender-Preis wird zur Gänze gespendet

Wie schon die Jahre zuvor, gestaltete das Paar einen Benefiz-Fotokalender, dessen Erlös diesmal an das SOS-Kinderdorf Kara im Togo geht. 2007 starteten die Scheidhammers ihr Kalender-Projekt, damals als persönliche Erinnerung gedacht. Ein Jahr später legten sie den Kalender für Kunden und Freunde neu auf – heute ist die Auflage auf bis zu 300 Stück angewachsen.

Karin und Clemens Scheidhammer besuchten auch einen Pythontempel. Fotos: Scheidhammer

In Benin und Togo galt das Interesse der Scheidhammers vor allem dem Voodoo-Kult und den Tata-Lehmburgen, die UNESCO-Weltkulturerbe sind. Während der Togo touristisch kaum erschlossen ist, haben Individualreisende Benin schon für sich entdeckt, merken die Scheidhammers.

Bald schon wird ihnen auch klar, dass der Westen hier nicht nur in Form des Sklavenhandels seine Spuren hinterlassen hat (Gedenkstätten wie Sklaventore und -quartiere gemahnen an dieses dunkle Kapitel in der afrikanischen Geschichte): Die qualmenden Schrottautos auf den Straßen verraten ihre europäische Herkunft auf Aufklebern.

Und den Strand zieren Kunstwerke aus angeschwemmtem Plastikmüll. Kreativ sind die Menschen hier seit Jahrhunderten, Kunsthandwerk hat eine lange Tradition, weiß Scheidhammer. Allerorts bieten Händler ihre Waren feil.

Schiedsgericht & Zeremonie: Jedem Clan sein König

Auch Ungeplantes ereilte die Salzburger. So wurden sie in Benin von einem Stammeskönig spontan zum Neujahrsempfang geladen, sie durften gar seinen Priestertempel besuchen. Denn jeder König ist zugleich oberster Voodoo-Priester. Auch ist er für Schiedsgerichtsentscheidungen und Zeremonien zuständig.

Der Voodoo-Kult wird aktiv betrieben, lernen die Scheidhammers: „Am Land wird zuerst der Bauplatz mittels Voodoo gewählt, dann wird das Haus eingeweiht, Voodoo-Hausgeister sollen es schützen.“ Neben Fetischen aus Knochen und Federn sind kleine federbestückte Lehmhügel beliebt – dafür müssen die Tiere nicht unbedingt sterben. „Es laufen viele nackte Hendln rum.“

Der Kalender ist zum Preis von 20 Euro bei Motzko-Reisen an der Bahnhofspromenade und im Studio 3, Strubergasse 26, erhältlich. www.studio3.at

Von Petra Suchanek