Essen als Glücksversprechen

Wenn die Suppe entgiftet, wärmt und auch noch schmeckt. Zu Gast im Didilicous, dem Restaurant von Ditmar „Didi“ Maier im Europark.

Früher reichte es, wenn Essen den Magen füllte und im Idealfall schmeckte. Heute wächst die Zahl der Lokale, bei denen muss ein Mahl mehr können: den Körper entgiften, Herzinfarkt vermeiden, Krebs verhindern, das Leben verlängern. Wer will das nicht? Also lockt solch Glücksversprechen die Gäste an. Gut sichtbar bei Didilicous, dem Restaurant von Ditmar „Didi“ Maier im Europark: viel Konkurrenz unter einem Dach und doch war sein Betrieb am besten ausgelastet, wie ein Rundblick zeigte.
Nun lässt sich solch segensreiche Wirkung leichter behaupten als beweisen. Und wenn geht es ja um Entwicklungen über Jahre. Weshalb wir im Bereich des Glaubens angekommen sind, der sich ohnehin stark Richtung Gesundheit ausbreitet, nachdem die Kraft der Religionen so abgenommen hat. Ein weiteres Versprechen Maiers aber lässt sich sofort überprüfen: „Haubenküche für Jedermann“, sehr gut und leistbar also soll das Essen sein, wir fuhren in den Europark.
Ein sehr offenes Lokal: Plätze innen mit freiem Blick auf die werkenden Köche, das schafft Vertrauen. Und außen auf dem breiten Gang weitere Tische im Trubel des Einkauftempels.
Die Namen der Gerichte auf der  Speisenkarte und der Schiefertafel setzen Wissen voraus: Taboulé, Quesadilla und Chatschapuri. Internationale Renner aus Arabien, Mexiko und Georgien für eine junge und jung gebliebenen Szene von Gesundessern. Die wissen, dass Galanga für Thai-Ingwer steht. Und diese Fachsprache reguliert, dass nur die richtigen Gäste ins Didilicious kommen.
Wir nahmen die Galanga-Suppe in klein (€ 4,90), immer noch ein ordentlicher Topf, in Groß muss das eine ganze Mahlzeit sein. Ein attraktiver Geschmack, man biss auf feinst geschnittene Pilze, Thai Spinat und Huhn (und leider auch unbekannt Strohiges). Versprochen wurde ein „wärmende, entgiftende Wirkung“. Nun, warm wurde dem Vorkoster, aber welches Gift anschließend den Körper verließ, kann er nicht sagen. Immerhin hat er versucht, den Vorgang zu verstärken, weil er als Getränk „Detox“ bestellte: Grapefruit, Ananas, Ingwer, was die „Verdauungssäfte aktiviert“. Den arabischen Salat Taboulé nahmen wir nicht mit Lachs, zu dessen Zucht reichlich ungesundes Futter eingesetzt wird, sondern mit Ente (€ 10,90). Die kam in vier rosig-saftig gebratenen Scheiben, gelagert um einen grün-bunten Berg aus allerlei Blättern, Sprossen und rohem Gemüse, frisch und gut angemacht, sogar aufgepeppt mit Granatapfelkernen und kandiertem Ingwer.
Das gelbe Curry mit Huhn (€ 9,90) erwies sich als mittelscharf, saubere Aromen, gutes Fleisch. Der Weizenfladen Quesadilla (€ 11,90) war als „tasty und gesund!“ angepriesen, enthaltend gegrilltes Huhn mit Paprika, Avocadocreme zum Dippen, die Damen waren angetan. Wobei die Freude mit den Desserts noch anstieg: Geeister Kaiserschmarrn (€ 5,60), ein kühler Mix aus Teig und Eis samt Beeren-Röster, sehr gut und doch getoppt vom Topfenknödel, feinst Mohn-umbröselt (€ 6,40) in einem erstklassigen Vanille-Sabayon. Sehr bunt jede Speise gemixt, man spürt den Aufwand und man ist erfreut. Haubenküche für Jedermann? Darf man sagen.
Und Gesund? Nun ja, selbst wer nicht dran glaubt, kann ja den alten Spruch hervorholen: Hilft’s nix, schad’s nix.

Didilicious,
Europark Europastraße 1,
5020 Salzburg, Tel. 0662-265657, www.didimaier.com