„Nur“ 2000 Schweine im Stall

Wie lebt ein Schwein? Schulvideos klären auf. Ziel ist, den Wert heimischer Lebensmittel bewusst zu machen.

In keinem anderen EU-Land wird pro Kopf so viel Schweinefleisch gegessen wie in Österreich. Darauf weist der 2016 gegründete Verein „Land Schafft Leben“ hin. Wie  die  jährlich verspeiste Menge von rund 37 Kilo Schweinefleisch hergestellt wird, darüber weiß ein durchschnittlicher Bürger wenig.   Muss man denn alles wissen? „Ja!“, meint Hannes Royer, Obmann von „Land schafft Leben“, nur so werde einem der Wert von heimischem Fleisch bewusst. Mit aufwendig hergestellten Info-Videos hat es der Verein jetzt in die österreichischen Schulen geschafft.

Lehrer an Neuen Mittelschulen und Gymnasien zeigen die Videos im Biologieunterricht oder in Hauswirtschaft. Die Schüler sehen, was  Massentierhaltung konkret bedeutet: 2000 Tiere in einem Stall, wie Ferkel zur Welt kommen und die Muttersäue sie im Kastenstand liegend säugen.

Schonungslos wird alles gezeigt

Schonungslos wird gezeigt, wie den Ferkeln wenige Tage nach der Geburt die Schwänze gekürzt werden und männliche Ferkel ohne Betäubung kastriert werden. Kann man das 15-Jährigen zumuten? Auf alle Fälle, ist Hannes Royer sicher – und ebenso das Bildungsministerium. Immerhin sind Jugendliche die Konsumenten von morgen. Vielleicht lassen sie sich leichter als Erwachsene dazu bewegen, bewusster einzukaufen und zu konsumieren.
Erste positive Erfahrungen gibt es bereits. In einer steirischen Schule  sah man die Schweinevideos an. „Die Schülerinnen haben festgestellt, dass sie ihre Schnitzel oft nicht zusammenessen und die Schulköchin um kleinere Schnitzel gefragt“, schildert Royer. Der Effekt: Die Schülerinnen essen mittlerweile auf, kein Fleisch landet mehr im Müll. Royers elfköpfiges Team freuen solche kleinen Erfolge.

Hannes Royer „Land schafft Leben“): „Unsere Website und Videos zeigen, wie österreichische Lebensmittel hergestellt werden.“ Bild: Tschalyj

Beim Schwein wird offensichtlich, was Massenproduktion bedeutet. 2000 Tiere in einem Stall, das kommt Österreichern schon riesig vor. Doch mit  Tierbeständen in dieser Größe sind die heimischen Schweinebauern  vergleichsweise winzig. Momentan explodieren die Größen geradezu.  In Deutschland entstehen Ställe mit 180.000 und in China welche mit 400.000 Schweinen. China will  2030 weltgrößter Schweinefleischexporteur sein. Der Schladminger Bergbauer Hannes Royer meint: „Ich verwette meinen Hof darauf, wir essen dann Pizza mit Schinken aus China.“

Den Wert heimischer Produkte bewusst machen

Doch österreichischen Konsumenten den Wert heimischer Lebensmittel klarzumachen, ist schwer. Während Schüler noch empfänglich sind, kauft der Durchschnittsösterreicher hauptsächlich über den Preis ein. Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander. Das beste Beispiel dafür sind Bioprodukte. In Supermärkten fragten „Land schafft Leben“-Mitarbeiter 100 Kunden, ob sie Bio- oder konventionelles Schweinefleisch kaufen: 95 Prozent sagten prompt „Bio“. Als man sie mit Kamera noch einmal befragte, sagten plötzlich 95 Prozent, sie kauften konventionell erzeugtes Fleisch.

Bioschwein hat am Schweinefleischmarkt  erst 1,8 Prozent Marktanteil. „Die Nachfrage ist so gering“, betont  Royer. Die Bauern stünden mit dem Rücken zur Wand. In den vergangenen 17 Jahren hat jeder zweite Schweinebauer das Handtuch geschmissen. Die verbleibenden Bauern halten  drei Mal so viele Schweine wie damals, damit sich das Geschäft noch lohnt. Und doch ist ausländisches Schweinefleisch noch billiger zu haben. In der  Gastronomie lande 50 Prozent ausländisches Schweinefleisch auf den Tellern, kritisiert Hannes Royer. Er habe  den Preisunterschied ausgerechnet, so der Vereinsobmann:  „Für den Wirt ist das österreichische Schnitzel  pro Teller um sieben Cent teurer.“

Von Sabine Tschalyj

Der Preis bestimmt: Ukraine-Eier im Schmarrn

Der Wert heimischer Lebensmittel ist den meisten Konsumenten nicht bewusst, so der Verein „Land schafft Leben“.
Der Preis ist es, auf den Privatpersonen und Gastronomen beim Einkauf eher schauen.
Heimische Produkte sind wegen strenger Produktionsnormen oft teurer als ausländische.
Beispiel Pute:  In Österreich dürfen auf einem Quadratmeter Stallfläche   zwei Puten stehen, im Ausland vier. Das heimische Putenfleisch kostet pro Kilo 10,99,-, jenes mit ausländischer Herkunft nur 5,99 Euro.
Beispiel Huhn: Die billige, grausame Käfighaltung ist in Österreich verboten. Ein Kilo österreichisches Flüssig-Vollei kostet 1,70,-, ausländisches nur 1,20 Euro. Diese Käfigeier verschwinden zuhauf in der Gastronomie.   Beim Frühstück löffelt der Hotelgast noch das regionale Bio-Ei. Im Kuchen  oder im Schmarrn auf der Hütte stecken in der Regel  Käfigeier, besonders oft aus der Ukraine.

Der Verein  „Land schafft Leben“  informiert detailliert über die Herstellung heimischer Lebensmittel.
www.landschafftleben.at

Bild oben:

Wenige Tiere im Stall: Den Preis dafür zahlt kaum jemand. Bild: Heinz Bayer