Von der Seife lernen: Kinder erforschen die Welt

Gute Nachrichten aus Salzburger Kindergärten: Spürnasenecken bringen Talente hervor und freuen die Wirtschaft.

Vesa nimmt ein Stück Seife aus einer Schale und taucht sie in das Wasserbecken ein, an dem sie steht. Sie dreht das nasse Seifenstück in ihren Händen, befeuchtet es wieder und sagt mit großen Augen: „Schau, das macht ja Blasen!“ Pritscheln hat im Kindergarten Itzling 2 ungeahnte Bedeutung. „Am Wasserbecken erforschen die Kinder heute die physikalischen Eigenschaften von Seife“, beschreibt Kindergartenpädagogin Eva Stiegler-Obermoser. Sie erkundet gerade mit Vesa, Sarah und Luka, wie sich feste Seife verändert, wenn man sie mit Wasser mischt, wie rutschig das Seifenwasser ist und was man damit machen kann.

Das Mikroskop steht heute in der Spürnasenecke im Regal. Michi stellt am Forschertisch „Itzlinger Zaubersalz“ her. Bilder 2): Sabine Tschalyj

Michi aus der Nachbargruppe hat sich  für Salz entschieden. Behutsam lässt er grobe Salzkörner in eine Kräutermühle rieseln.  Er zerreibt Kräuter zwischen seinen Händen und kippt sie dazu, um Kräutersalz zu kreieren. Nach dem ersten Mahlgang schaut es noch grob aus. „Hm, da müssen wir noch mehr mahlen“, meint Michi und schaltet die Mühle noch einmal ein. Er kostet, ob es schmeckt und schon leert er   das grüne Pulver stolz in ein Schraubglas. Wenn ihn später seine Mutter abholt, wird er sie zu dem kleinen Tisch führen, wo die Eltern das „Zaubersalz“ ihrer Kinder kaufen können. Ein Kindergarten braucht immer Geld.

Die Kinder konstruieren sogar Stromkreise

Dank Sponsoren und Geld von der Stadt Salzburg haben  die Itzlinger Kinder seit  2015 eine „Spürnasenecke“ in ihrem Kindergarten. Hier machen sie je nach Interesse Experimente mit Technik, Natur, Physik, Chemie und Biologie, von Wasserspielen bis zu einfacher Roboterprogrammierung. Silvia Ster ist begeistert. „Die Kinder probieren Sachen aus und verlieren Berührungsängste zu Naturwissenschaften und Technik“, sagt die Kindergartenleiterin.

Unlängst haben sie aus Milchkübeln einen Turm gebaut. Im Teamwork kamen die Kinder auf die Idee, ein Podest zu bauen und den Größten unter ihnen mit Baumaterial hinauf zu schicken. Dann bauten sie einen Flaschenzug, doch der „war nichts“. Die Pädagoginnen halten sich bewusst zurück, helfen den Kindern nur dabei, eigene Lösungen zu finden. „Der Turm war der Hit“, erzählt die Leiterin.

Prominent platziert: Die Spürnasenecke steht im Kindergarten Itzling 2 mitten in der Halle. Kinder erforschen, was sie interessiert.

Am neu eingetroffenen Elektrobaukasten lernen interessierte Kinder seit wenigen Wochen, was ein Stromkreis ist – die Jüngsten sind vier Jahre alt. Insgesamt 80 Experimente bietet die Spürnasenecke. In Itzling sind die Pädagoginnen mit so viel Herzblut dabei, dass sie heuer  eine Auszeichnung bekommen haben: Das MINT-Gütesiegel, mit dem das Bildungsministerium besonderes Engagement in  Naturwissenschaft und Technik würdigt.

Das Projekt Spürnasenecken soll Kinder für Natur und Technik begeistern. Kindergartenleiterin Ster ist überzeugt: „Beim Experimentieren erleben die Kinder Versuch und Irrtum, das bringt ganz viel. Am besten merkt man sich ja die Dinge, auf die man selbst draufkommt.“ Im besten Fall merken die Kinder, was sie mögen und auch gut können.

„Begabungsförderung“ nennt  Bernadette Unger, was die Spürnasenecken den Kindern brächten. Immer wieder würden besonders begabte Kinder „übersehen“ werden. „Die Talente soll man aufgreifen und fördern“, meint die Salzburgerin. Vom Forschen würden alle Kinder profitieren. „Sie durchschauen dann eher unsere hochtechnisierte Welt“, so die studierte Genetikerin und Kindergartenpädagogin. Sie hat die Spürnasenecken  gemeinsam mit Konrad  Steiner gegründet. Die beiden Lehrer für Naturwissenschaften haben sich an der HBLA Ursprung kennengelernt. Beide wollten mehr Natur und Technik in den Elementarbereich, also den Kindergarten, bringen.  Doch Kindergärten haben für technische Geräte kaum Geld. „Konrad meinte, wir  suchen einfach Sponsoren. Ich war anfangs skeptisch“, erinnert sich Unger.

Die Idee ist aufgegangen, weil sich die Wirtschaft künftige Techniker von Projekten wie diesem verspricht. Bis Vesa und Michi  ihren Ausbildungsweg wählen, dauert es noch Jahre. Doch man glaubt an den langfristigen Erfolg. Das Land Salzburg zahlt seit zwei Jahren, die Wirtschaftskammer sorgt für Sponsoren und der neue Hauptsponsor, das W+H Dentalwerk in Bürmoos, greift dem Projekt tatkräftig unter die Arme. Jüngst bekamen die inzwischen 40 Spürnasen-Kindergärten in Stadt und Land eigene Roboter und Elektrobaukästen. Für die Pädagoginnen gibt es regelmäßig Fortbildungen.

Eltern erfahren, welches Talent ihr Kind hat

Aus dem Projekt ist ein Einzelunternehmen unter Ungers Führung geworden. Elf Leute sind im Team. Alle nebenberuflich,   auch Unger, die jetzt an der  Bildungsanstalt für  Elementarpädagogik unterrichtet. Leben könnte sie von dem kleinen Unternehmen nicht, meint Unger. Expandiert wird weiter. Im Moment laufen Gespräche mit Kindergärten in Bayern und Oberösterreich. Im Kindergarten Itzling versuchen inzwischen die Pädagoginnen, die Eltern ins Boot zu holen. Man sagt ihnen, wofür ihr Kind Talent hat und stellt die Experimente mitten in der Halle aus.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben:

„Das macht ja eine Blase“, entdeckt Vesa (mit Sarah und Aitha) die physikalischen Eigenschaften der Seife.

Bild: Sabine Tschalyj