Niemand ist perfekt, zum Glück

Es könnte ja sein, dass Sie vielleicht denken: Das Zuckergoscherl ist schon irgendwie cool. Die ist immer lustig.

Die geht total entspannt mit ihren Kindern um. Die findet es nicht schlimm, wenn jemand sie nicht mag, mag sich selber dafür gern, ist schlagfertig – und was ich Ihnen halt in letzter Zeit noch alles so erzählt hab. Achja, dass wir uns dem Schönheitsideal verweigern sollen und dem ewigen Wettkampf, dass wir selbstbewusst sein und an uns glauben sollen.

Keine Sorge, das wird jetzt hier keine Beichte, dass ich diese Kolumne nur zum Tarnen und Täuschen nutze. Ich meine das alles so und ich setze das auch alles um. Wenn ich es denn schaffe. Weil: Ich krieg das nicht immer hin, und manchmal kommt’s mir so vor, als hätt ich eigentlich überhaupt nix im Griff.

Ich bin permanent übermüdet, meistens am Ende meiner Kapazitäten, ich jongliere wie verrückt und scheitere grandios dabei, allen gerecht werden zu wollen. Der Punkt aber ist: Das ist okay. Sagen Sie sich das bitte mal laut vor: Es ist okay, wenn ich nicht perfekt bin. Niemand ist das, und es wäre auch ganz und gar unmöglich.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Niemand sollte diesen überzogenen Anspruch an sich selbst stellen. Sondern lieber mal nachsichtiger mit sich sein. Manchmal bin ich saugrantig und unfair und giftig, und nett ist das nicht, aber: Ich weiß das. Ich stehe dazu. Ich entschuldige mich. Auch bei meinen Kindern, und das ist mir sehr wichtig: Ihnen zu zeigen, dass jeder Fehler macht, auch die Mama – und dass das völlig in Ordnung ist.

Wenn mein Sohn bei der Hausübung fast ausflippt, weil er was falsch geschrieben hat, sage ich ihm: „Beruhig dich, dafür haben die Menschen den Radiergummi erfunden.“ Es ist kein Problem, wenn man etwas nicht beim ersten Mal kann. Es ist kein Problem, wenn man es nochmal macht. Ein Problem hat man nur, wenn man verbissen ist, sich selbst keinen Spielraum zugestehen kann und sich viel zu sehr unter Druck setzt.

Wir sind alle nur Menschen, und manchmal sind wir alle ein bisserl blöd. Gestresst. Gereizt. Wir denken nicht nach, wir reagieren über. Wir sind verletzt, weil uns jemand nicht mag, wir fallen auf die Schönheitsversprechen der Werbeindustrie rein, wir wünschen uns, anders zu sein, wir kommen nicht klar, fallen in alte Muster, die wir längst ablegen wollten. So what! Das ist nicht schlimm.

Wir haben immer die Chance, um Verzeihung zu bitten. Zu sagen: Ich bin nicht perfekt. Ich hab hier eine Ecke und da eine Kante, ich kann manches nicht so gut, wie ich gern würde. Und das ist okay so.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at