Indisches Essen gegen den Rat des Unterbewusstseins

Ein Joghurt-Getränk als Löschwasser in einem akuten Notfall.

Kann der Mensch etwas für sein Unterbewusstsein? Da war eine schreckliche Erinnerung eingebrannt. Wir hatten in London bei einem Inder gespeist und dem Vorkoster wurde todelendsübel. Der Magen schickte alles Essen hinauf und hörte nicht auf zu schicken, selbst als nichts mehr da war. Eine grausame Nacht. Das ist zwar 20 Jahre her, aber seitdem meidet der Vorkoster indische Restaurants. Die Vorkosterin schalt ihn einen Feigling, die Tochter schwärmte vom sensationellen Chicken Tikka, da ließ er sich erweichen. Gegen den Rat seines Unterbewusstseins.
So saßen wir in einem Restaurant in Bad Reichenhall namens Masala, das sich der Vorkoster niemals ausgesucht hätte. Wenig attraktiv die Lage gegenüber vom Bahnhof – vor allem die Speisenkarte: 125 Gerichte! Das konnte nicht gut gehen.
Doch die bedienenden Inder nahmen uns freundlich auf. Die Muligatany Suppe (€ 4,10) aus roten Linsen samt Hühnerfleisch zeigte guten Geschmack, die Samosa-Pastetchen (€ 4,50) waren nicht nur mit Gemüse, auch mit reichlich Schärfe gefüllt. Da half Lassi, das Joghurt-Getränk, als Löschwasser. Erst kam der Reis, luftige, feine Körner. Dann folgten Schüsseln: Gutes Hühnchen in einer Butter-Tomaten-Sauce hieß passend Butter Chicken (€ 14,30). Hühnchen auch als Tikka (€ 15,70), verschieden mariniert, mal scharf, mal süßlich, durchaus attraktiv. Das Beste war Mutton Nilgiri (€ 14), bot zartes und sanft-aromatisches Lamm in einer Sauce aus Kokosmilch, gewürzt mit Koriander, Chili und vor allem Minze, leicht säuerlich-scharf mit einer fruchtigen Spitze, wirklich gut. Das Restaurant Masala zeigt, dass aus einer Monster-Karte gutes Essen entstehen kann.
Man muss doch auch in der Stadt Salzburg einen guten Inder finden! Wir zogen aufs Geratewohl los – ein Fehler. Das Essen in einem der bekannteren Restaurants war schlecht. Schwamm drüber. Es gibt eine Gruppe von Freunden indischer Küche. Von denen bekamen wir ein Lokal genannt, zu dem wir wieder nicht allein hingefunden hätten.
Das Everest liegt in Salzburg-Süd mitten im Wohngebiet. Am Eingang grüßt ein Gott in Gold, innen zwei saubere Stuben, hübsch dekoriert. Wir zogen den Gastgarten vor.
Die Speisenkarte umfasst sogar 150 Positionen! Hat der höchste Berg der Welt Anspruch auf die meiste Auswahl? Allerdings lässt sich ein Baukasten-System erkennen. Die Basis der fruchtig-scharfen Suppe mit Garnelen (€ 4,50) wird wohl auch mit Huhn serviert. Samosa (€ 2,60) war eine prall mit Gemüse gefüllte Teigtasche, schönes Aroma, hübsche Salatgarnitur. Optisch erinnerte das Lamm Tarkari (€ 13,50) an ein Gulasch, allerdings hatte sich zu den Fleischstücken auch Gemüse gesellt und die Schärfe war feiner als jene aus Ungarn. Das Huhn Chicken Tikka Masala (€ 13) lag in einer süßen Sauce aus Rahm und Cashew-Nüssen. Zum Schluss gab’s Mango (€ 3,50), halbgefroren und schön mit Schokolade verziert. Die Aromen wirkten sauber, das Service war freundlich und flott, die Fans indischer Küche haben die Wahl.
Einwohnermäßig ist Indien zweimal Europa. Wer die regionalen Unterschiede unserer Küchen kennt, kann erahnen, wie vielfältig indische Kost ist. Vielleicht hat sich der Inder damals in London der englischen Kost angepasst, im Land des schlechten Essens. Dem Vorkoster ging es diesmal magenmäßig glänzend.

Masala
Bahnhofsplatz 14,
83435 Bad Reichenhall,
Tel. 0049/8651/763200,
www.restaurant-masala.com
Everest
Karl-Emminger-Straße 17,
5020 Salzburg,
Tel. 0662/632872
www.restaurant-everest.at