Wo man anpacken kann: Die Mitmachkompanie

Die neue „Mitmachkompanie“ vernetzt Freiwillige und Vereine. Die einen erfahren, wo man sie braucht, die anderen finden Leute.

„Biete Vorlesen für Kinder“, „Suchen Freiwillige für Essensausgabe“ oder „Suche jemanden zum Rasenmähen“. Solche Inserate werden demnächst auf der neuen Website www.mitmachkompanie.at zu finden sein. Hintergrund für deren Gründung ist: Wenn es um Ehrenamt geht, kommen Angebot und Nachfrage häufig  nicht zusammen. „Studien zeigen, dass viele Leute etwas machen wollen. Sie wissen aber nicht, wo“, beschreibt Roland Neuhofer das Dilemma. Der lange im Gastgewerbe tätige Salzburger und Firmengründer von „Digital 50+“ (bietet Smartphonekurse für Senioren) will das ändern. Gemeinsam mit der Schwarzacher Erwachsenenbildnerin Erika Pleikner – sie lernten sich bei einer Ausbildung zum Berufs- und Sozialpädagogen kennen – hat Neuhofer  die „Mitmachkompanie“ gegründet.

Auf der Online-Plattform sollen Menschen, die etwas Sinnvolles tun wollen, und Vereine oder Organisationen, die Freiwillige, Praktikanten oder Mitarbeiter brauchen, zueinanderfinden. Das Angebot ist kostenlos und niederschwellig.  Sogar Einzelpersonen, die für kleine Nachbarschaftsdienste jemanden suchen, können ihre Einträge schalten. Die ersten Einträge findet man bereits.  „Jetzt hoffen wir, dass sich möglichst viele Einrichtungen auf der Plattform präsentieren, dann kommen auch die Freiwilligen“, meint Erika Pleikner. Das junge Start-Up hat einen idealen Sitz gefunden. Vor vier Wochen zogen Pleikner und Neuhofer im neuen Coworking-Space der Salzburger Erzdiözese mitten am Mirabellplatz ein. Dort werken die beiden  in einem gemütlichen Großraumbüro mit  Mönchsbergblick.

Die Fäden der Mitmachkompanie laufen hier zusammen: Im gemütlichen Großraumbüro des Coworking-Space am Mirabellplatz. Bild: Tschalyj

 

Dominik Elmer vom Seelsorgeamt freut der Neuzugang.  Er organisiert den Coworking-Space, den Start-Ups kostenlos nutzen können. „Solche Leute haben wir gesucht“, sagt er. Zwar entstünden in unserer Gesellschaft  ständig neue Gruppierungen, aber keiner bemühe sich um ein gemeinsames Ganzes. Das mache die Mitmachkompanie, so Elmer: „Die zeigen, was es alles gibt.“ So ein Angebot sei dringend nötig, habe sich doch die Einstellung zu ehrenamtlicher Tätigkeit spürbar verändert. „Bisher hat man jeden Montag im Kirchenchor gesungen und nach 25 Jahren eine Ehrung gekriegt. Das bricht uns derzeit weg“, schildert Elmer. Immer weniger Menschen wollten sich  fix an ein Ehrenamt binden.

Essen ausgeben, einsame Menschen besuchen Wie sehen zeitgemäßere Angebote aus? Zum Beispiel, indem man Freiwillige für einmalige Aktionen sucht, meint Dominik Elmer. Das könne sein: Im Sozialmarkt Regale mit Konsumartikeln befüllen, in der Pfarre Maxglan Lebensmittel an arme Salzburger ausgeben oder Brote  für Obdachlose streichen. Parallel dazu braucht es immer mehr Freiwillige, um der wachsenden Vereinsamung zu begegnen. Über Einrichtungen wie Diakonie oder Caritas besuchen sie  alte Menschen, zu denen  keiner mehr kommt. „Das ist das Thema der Zukunft“, meint Elmer. Auch solche langfristigen Engagements könnten von der neuen Plattform befördert werden, hofft er.

Es ist ein Geben und Nehmen, was sich bei der Mitmachkompanie abspielen soll. Das Wichtigste sei, welche Wertschätzung Einrichtungen, Vereine und Politik Ehrenamtlichen entgegenbringen würden. Wie man Freiwillige wertschätzt und deren Einsätze gut organisiert, darüber sollen künftig Referenten interessierte Organisationen informieren. „Diesen Bereich bauen wir gerade auf“, sagt Roland Neuhofer. Sollte sich die Mitmachkompanie in den kommenden zwei Jahren nach ihren Vorstellungen entwickeln, wollen Neuhofer und Pleikner sie auf Österreich ausdehnen. Erst einmal stellen die beiden ihre Kompanie emsig vor, wo immer es geht. Kennenlernen kann man die Mitmachkompanie beispielsweise auf der Berufs-Informations-Messe (22. bis 24.11.).

Von Sabine Tschalyj

www.mitmachkompanie.at

Coworking-Space: dominik.elmer@seelsorge.kirchen.net

Foto oben: Mitmachkompanie-Gründer Roland Neuhofer und Erika Pleikner mit Dominik Elmer (M.). Bild: Tschalyj