Nicht nur Männer lieben Hanteln

Der neue Fitnesstrend besagt, dass Stark das neue Sexy ist. Zwei Salzburger Fitnessbloggerinnen erklären warum.

Statt im Zumba-Kurs, sind  die Fitnessbloggerinnen Lea Moderegger (24) und Tanja  Kollbauer (20) wohl eher in der Hantelecke im Fitnessstudio zu finden. Obwohl sie damit im Trend liegen, haben die Salzburgerinnen oft das Gefühl, dass bei vielen Frauen Angst vor zu viel Muskeltraining herrsche. Im Interview sprechen sie von Vorurteilen, Zielen und warum sie dennoch  nicht auf Süßigkeiten verzichten wollen.

SF: Warum haltet ihr nichts von dem bei Frauen beliebten Bauch-Beine-Po-Training?

Lea:  Ich bin kein Fan von typischem Frauentraining. Nur Cardiotraining und Übungen für bestimmte Körperregionen führen längerfristig zu Haltungsproblemen.
Tanja: Es ist wichtig, dass man nicht nur diejenigen Körperbereiche trainiert, an denen man seine Makel sieht. Cardiotraining ist gut, ersetzt aber keineswegs ein Ganzkörper-Krafttraining.

Sportstudentin Lea Moderegger (24) macht fünf Mal pro Woche Krafttraining. Foto: privat

SF: Warum gibt es dann immer noch so viele Frauen, die Angst vor Muskelbergen haben?

Lea: Weil es diesen Irrglauben gibt, dass man nach ein paar Mal an der Hantelbank wie Hulk aussieht. Das  ist Schwachsinn, da gehört viel mehr dazu.
Tanja: Frauen können auf natürlichem Weg nicht so viele Muskeln aufbauen wie Männer. Dafür muss man wirklich hart arbeiten.

SF: Wie schafft ihr  es trotz Studium und Vollzeitjob fünf bis sechs Mal pro Woche zu trainieren?

Lea: Indem ich mir die Zeit bewusst nehme. Gerade im Winter, wenn ich erst um acht aus der Arbeit oder der Uni komme, muss ich mich oft überwinden. Mein Freund und ich motivieren uns dann aber zum Glück immer gegenseitig.
Tanja: Das ist immer eine Sache der Organisation. Wenn ich Spätschicht habe, gehe ich der Früh ins Training und koche mein Essen vor. Wenn ich Frühschicht habe, andersherum.  Ich liebe das Gefühl nach dem Training, vor allem wenn ich mich zunächst überwinden musste.

SF: Greift ihr trotz striktem Ernährungs- und Trainingsplan auch zu Süßigkeiten?

Lea: Klar. Meistens Schokolade oder Eis. Das kann ich mir erlauben, weil ich einen ziemlich hohen Grundumsatz habe. Zum Beispiel fahre ich jeden Tag mit dem Rad die elf Kilometer in die Sport-Uni nach Salzburg-Rif.
Tanja: Mir ist Balance wichtig. Wenn man sich alles verbietet, dann dreht man irgendwann durch.  Im Moment kann ich mir ab und zu noch was Süßes  erlauben, bald geht jedoch die Wettkampfdiät los.

SF: Tanja, du nimmst im Frühjahr an deinen ersten Bodybuilding-Wettkämpfen teil.  Was kommt da auf dich zu?

Tanja: Auf die Wettkämpfe bereitet mich Ercan Demir vor, dass ist derjenige, der auch Sophie Thiel trainiert. Er sagt mir genau, wie ich mich am besten vorbereite. Da geht es vor allem um die Ernährung. Ich muss sehr diszipliniert sein, um den eigenen Körperfettanteil so stark zu senken. Von Freunden, die schon an Wettkämpfen teilgenommen haben, weiß ich, dass es da auch zu Schlafmangel und Stimmungsschwankungen kommen kann. Ich werde auf jeden Fall alles festhalten und YouTube-Videos aufnehmen, um den Verlauf später nochmal reflektieren zu können.

Foto: Instagram

SF: Ihr habt beide eine große  Reichweite in den sozialen Netzwerken und postet regelmäßig Figurbilder. Blogger stehen immer wieder in der Kritik nur ein Scheinbild zu teilen. Wie seht ihr das?

Tanja: Durch perfekt dargestellte Bilder bekommt man schnell Zweifel an der Form des eigenen Körpers. Auch mir ging es lange Zeit so. Von vielen Instagramern kennt man nur die perfekte Seite, wie zum Beispiel einen durchtrainierten Bauch. Mir gefällt es, wenn diejenigen, auch Bilder posten, auf denen ein aufgeblähter Bauch oder Speckröllchen zu sehen sind. Das mache ich auch so. Sonst führt das zu einer komplett verzerrten Wahrnehmung der Frau.
Lea: Niemand sollte sich vom Fitnesswahn beeinflussen lassen, nur  um anderen zu gefallen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass in manchen Bereichen diese Bodylove-Bewegung ausartet.  Fitnessbloggern wird häufig vorgeworfen ihre Bilder zu bearbeiten. Das ist sicherlich bei manchen der Fall, bei vielen jedoch nicht.

Anna Boschner