Nur Mut! Es ist Zeit für Heldinnen

Wenn ich mit den Kindern wo bin, wo sie leicht verlorengehen können, zum Beispiel am Rupertikirtag, hänge ich ihnen diese Geldbörseln um.

Mit Klarsichtseite und Kordel, da stehen ihre Namen und meine Handynummer drin. Und ich schärfe ihnen Folgendes ein: „Wenn ihr mich nicht mehr findet, macht ihr was?“ Die Kinder: „Wir sprechen jemanden an und fragen um Hilfe.“ Ich: „Und wen sprecht ihr an?“ Die Kinder: „Eine Frau.“ Ich: „Was für eine Frau?“ Die Kinder: „Eine Frau, die Kinder hat.“

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Jetzt wundern Sie sich vielleicht. Aber das ist schnell erklärt: Abgesehen davon, dass ich relativ sicher bin, dass eine andere Mutter meine Kinder nicht entführt – was soll sie mit noch mehr – und Frauen generell weniger zu Gewalt neigen, ist einfach klar, dass Mütter – pauschal gesagt, gilt sicher nicht für alle – gut organisiert sind und in Notfällen sehr kompetent.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will damit nicht ausdrücken, dass Männer ratlose, gewalttätige Perverse sind, ich will etwas ganz anderes sagen: Es muss endlich aufhören, dass Frauen als unfähig hingestellt werden. Die Frau, das schwache Geschlecht. Die Frau, die auf den rettenden Prinzen wartet. Die Frau, die nichts allein kann. Das ist realitätsfremder Bullshit, der uns so lange schon ins Gehirn gehämmert wird.

Dazu gibt es eine wirklich gute Rede von Reese Witherspoon, die bei den Women of the Year Awards 2015 über ihre meistgehasste Line in einem Film gesprochen hat: Wenn eine Frau sich zu einem Mann dreht und verängstigt fragt: „Was sollen wir jetzt tun?“ „Do you know any woman in any crisis situation“, fragt Witherspoon, „that has no idea what to do? It’s ridiculous!“

Das Publikum lacht an dieser Stelle, und Reese erzählt, wie sie ihre eigene Produktionsfirma gegründet hat, um Frauen in Hauptrollen zu besetzen, weil niemand sonst es tun will, mutige, kluge, talentierte Frauen, die nie mit aufgerissenen Augen einen Mann fragen würden, was sie bitte tun sollen.

Das ist ein Anfang, aber bei Weitem noch nicht genug. Wir alle müssen dafür sorgen, dass dieses Narrativ endlich auserzählt ist. Frauen brauchen keine Retter und keine Helden. Frauen sind selbst Heldinnen. Jede Einzelne von uns!

Lebt das euren Kindern vor. Lest mit ihnen Bücher wie „Good Night Stories for Rebel Girls“, schaut mit ihnen Filme, in denen die weiblichen Charaktere genauso heldenhaft kämpfen wie die männlichen (beispielsweise den zweiten Teil von „Die Unglaublichen“, in denen Elastigirl die Welt rettet, während Mr. Incredible die Kinder hütet). Weil sie wissen, was zu tun ist.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at