Was Faszienrollen und Hauben gemeinsam haben

Sie gehören zum Sortiment des Fachl in Salzburg. Dessen Konzept ist gefragt: Innerhalb von drei Jahren eröffneten 16 Standorte in Österreich.

Viele der Passanten, die zum ersten Mal das Fachl in Salzburg betreten, sind beim Anblick von 300 Obstkisten zunächst verwundert. Salzburger Fachlmeister Roland Huber: „So ein Konzept kennen viele bisher nicht, schließlich sind wir kein gewöhnlicher Einzelhandel.“  Vor drei Jahren startete das erste Fachl in Wien, mittlerweile gibt einen Laden in nahezu jeder größeren österreichischen Stadt. Fast von Beginn an dabei ist der Laden in der Kaigasse und bietet jungen Salzburger Unternehmen eine Plattform  für ihre Ideen. Täglich bekommt Huber Anfragen von potenziellen Mietern – alle wollen sie in einer Obstkiste ihre Waren ausstellen. Welche der Unternehmen davon schließlich in den Laden einziehen dürfen, entscheide der Fachlmeister vor allem mit Bauchgefühl: „Wichtig ist mir ein breit gefächertes Sortiment. Dabei achte ich auf regionale und nachhaltig produzierte Produkte.“ Das ziehe vor allem Einheimische an, vom Studenten bis zum Lehrer. Bei jedem Besuch gebe es immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Ein Fachl als Sprungbrett über Kleinunternehmen

Einige Salzburger Unternehmen und Künstler haben ihre ersten Produkte im Fachl verkauft. Eine davon ist Ute Frommater. Sie bastelt Bilder aus Kieselsteinen, das Fachl war vor zwei Jahren ihr Sprungbrett in die Selbstständigkeit.  „Ich kann mich noch gut erinnern, als ich zum ersten Mal ein Kunstwerk verkauft habe und mein Herz vor Freude einen Sprung gemacht hat.“ Jeder Verkäufer erhalte eine automatisierte E-Mail, sobald Huber oder seine Mitarbeiter deren Produkte an der Kassa scannen. Inzwischen verkaufe Frommater auch zeitweise bei den Salzachgalerien.

Die Haubentaucher von Ivi Peham haben sich in Salzburg bereits einen Namen gemacht. Vom Verkauf der handgefertigten Mützen und Stirnbänder kann die dreifache Mutter mittlerweile leben. Auch sie startete mit einer Obstkiste: „Viele Leute, die mich sonst nie entdeckt hätten, sind  durch das Fachl auf mich aufmerksam geworden.“ Vor allem junge Menschen, die auf regionale Produkte achten, gehören zu ihrem Kundenstamm. „Das Schöne am Fachl ist, dass man meist kleine Unternehmen unterstützt und dabei aber eine extrem große Auswahl hat.“ Jede Kopfbedeckung fertigt Peham begrenzter Stückzahl, „denn so läuft nicht jeder Zweite mit derselben Mütze durch Salzburg.“

S‘ Fachl expandiert auch nach Deutschland und in die Schweiz

Neben den Haubentauchern und Steinbildern haben unter anderem auch die kleinste Faszienrolle der Welt (Selbstmassagegerät), Naturkosmetik aus der Region und Kaffeebecher aus Bambus Einzug in eine Obstkiste gefunden. Die Vielfalt an Produkten kommt an: 16 Standorte hat das Fachl bereits in Österreich, einen Weitern seit zwei Wochen in Hamburg. Weitere Fachl seien derzeit in Bremen, Schwerin, Winterthur und Konstanz im Gespräch. Das Konzept schreie nach Expansion, sagt der Salzburger Fachlmeister. „Das steht und fällt jedoch mit dem Standort des Ladens und demjenigen, der ihn betreut. Ohne Leidenschaft wird aus dem Fachl sonst ein Ramschladen.“

Fachlmeister Roland Huber und Tochter Marie leiten zusammen s‘ Fachl Salzburg. Foto: Anna Boschner

Anna Boschner