„Heute Staatsfeiertag. Sieg Heil!“

NS-Umtriebe am Wallersee: Justiz ermittelt gegen sechs Personen mit FPÖ-Nähe. Handy-Chats bringen sie in Bedrängnis.

Die obskure Neigungsgruppe am Wallersee steht offenbar schon länger im Visier der Justiz. Das Wunschkennzeichen  „SL 88“ –  es gilt unter Neonazis als Code für „Heil Hitler“  – löste  überaus ernsthafte Ermittlungen aus. Man führte eine Hausdurchsuchung durch, ließ Handy-Chats öffnen.
Nun wird gegen sechs Personen wegen des  Verdachts der verbotenen Wiederbetätigung und der Falschaussage ermittelt, unter ihnen  zwei  Zwillingsbrüder (26),   der  Onkel, die Mutter, eine Lebensgefährtin.  Pikant dabei: Einige der Personen  haben oder hatten ein Nahverhältnis zu den Freiheitlichen. So sollten die Brüder die zerstrittene Ortspartei in die Gemeinderatswahlen führen. Während der eine als Ortsparteichef  schon wieder  zum Rückzug gedrängt wurde, ist der andere laut FPÖ-Homepage   noch Mitglied der Ortsparteileitung. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Nazipornos und andere „Späße“

Das Biotop am See war für viele ein offenes Geheimnis, schilderten Gesprächspartner dem SF. Zumal der Freundeskreis vom Campingplatz auch dem Alkohol nicht abgeneigt sei. Auch ein langjähriger FPÖ-Gemeindepolitiker kennt „die braune Suppe da unten“. Die Jungen würden von den Älteren hineingezogen. Beschrieben wird ein unbedarftes geistiges Milieu, in dem man Autos liebt, Strache und Hofer wählt und sich auf Facebook empört, dass man in Österreich wegen „einer Zahl“ auf dem Nummernschild „wie ein schwer verbrecher (sic!)“ behandelt werde. Und während man sich als Unschuld vom Land präsentiert, reißt man rassistische Witze über dunkelhäutige Frauen. „Nicht mein Geschmack, für mich zulang im feuer (sic!)“, schreibt einer der Brüder unter ein Foto, das eine hübsche junge Kellnerin zeigt, die ihn und den Onkel  im Urlaub auf einem anderen Kontinent bedient.

Svazek schweigt

FPÖ-Landessekretär Andreas Hochwimmer: Seine Kanzlei verteidigt den Flachgauer. Der 26-Jährige ist „nicht mehr Mitglied der FPÖ“.

Zur derben Spaßkultur gehört offenbar auch, dass man Hitlers Geburtstag am 20. April feiert, wie eine Anzeige und Zeugenaussagen nahelegen. „Noch im April 2017 schickte man sich Grüße: Heute Staatsfeiertag. Sieg Heil! Es gibt unzählige Bilder, auch Zeug von Naziporno-Seiten.“
Der 26-jährige Flachgauer beteuert indes seine Unschuld. „Ich schreibe keine Hitler-Grüße, ich habe die Fotos nur zugesendet bekommen. Ich habe nichts getan.“ Die Feiern seien „einige  Jahre her“, er war nie dabei. Sein Kennzeichen sei ein Liebes-Code – seine Freundin  ersuchte er freilich, das Kennenlern-Datum 8.8. zu bestätigen, weil er sonst ins Gefängnis komme. „Unser Mandant ist nicht mehr Mitglied der FPÖ“, erklärt Landesparteisekretär  Andreas Hochwimmer, dessen Kanzlei den Mann verteidigt.  Zu den Ermittlungen wolle er  sich nicht äußern. FPÖ-Chefin Marlene Svazek reagierte auf  die SF-Anfrage nicht.

Mailto: sonja.wenger@svh.at