Konditoren: Die Frauen kommen

Belohnungen in Seekirchen – Wunderbare Hollercreme auf gebackenem Topfen. Der Vorkoster naschte bei Martina Moser in Seekirchen.

Am sichersten gründet man sein Geschäft auf ein Bedürfnis. Das Fundament der hundert Konditoren im Land Salzburg kennt Martina Moser aus Seekirchen: „Ohne Süßes geht es nicht!“ Da mag es noch so viel Druck geben auf die bella figura, die jeder zu machen hat, anderes ist wirksamer: „Wir Menschen brauchen Belohnungen“, und geben sie uns in Form von Cremeschnitte und Co. Und dieses Bedürfnis trägt so fest wie Beton.
Nun gibt es in diesem Berufsstand ein groteskes Missverhältnis. Denn wer backt den Kuchen? Die Frauen, schon immer. Mancher Mann mag daheim kochen, aber ein Mann an der Rührschüssel ist ein Exot, seltener als vierblättriger Klee. Aber wer sind die Stars bei den Profis? Die Herren Konditoren. Martin Studeny, der Weltmeister, oder Gerd Braun aus Hallein. Männer also, noch. Herbert Wagenleitner, der Tortenmacher, sieht eine Wende durch den Nachwuchs: „Anders als früher ist der Beruf heute eher von Frauen dominiert.“ Und wer stieg schon zum weiblichen Star auf? Heidi Ratzka ging in Pension. Bleibt Martina Moser in Seekirchen. Sie hat es zu Salzburgs Innungsmeisterin gebracht, eine junge, zupackende Frau als „Chefin“ vieler Männer.
Wer den Konditor für einen Allerweltsberuf hält, dem heizt sie ein: „Jeder auf der Welt kennt neben Niki Lauda und Hermann Maier noch die Sachertorte und den Apfelstrudel“. So ist’s richtig: Mehlspeisen als Denkmäler des Nationalbewusstseins, Zuckerbäcker als die wahren Botschafter Österreichs. Wobei der Zuckerpreis die Branche kalt lässt, Aufregung verursachten heuer die extrem steigenden Kosten für Butter. Womit wir lernen, dass so eine Belohnung sich durchaus auf die Hüften schlagen kann.
Die Konditorei Moser liegt zentral in Seekirchen. Helle Räume, davor eine sonnenbeschienene Terrasse, viel Betrieb, Familien kehren ein, junge Frauen treffen sich. Nun mag man den Tag nicht gleich mit einer Torte beginnen. Also gibt es hier Frühstück, ein Dutzend Varianten. Schon beim Lesen beginnt man zu tauschen: „Ich nehme moser’s special (€ 15,40) und du kriegst von mir Brioche, Marmelade und Honig, auch die Eierspeis und gibst mir von deinem Körndlfrühstück (€ 13,10) die Eier im Glas.“ Wobei genau diese wachsweichen Eier, kombiniert mit der Fruchtsäure der Tomaten und dem topfigen Hüttenkäse, erstklassig schmeckten. Richtig gut der Schinken, außergewöhnlich der Marmelade-Mix mit Holler. Das Müsli war nicht nur hübsch dekoriert, auch gut durchzogen. Im Preis inkludiert ist auch Kaffee oder Tee – absolut empfehlenswert.
Dann Torten gekauft, 3,20 Euro das normal große Stück, da gibt’s in Salzburg teurere Adressen. Daheim die Probe. Wobei aufkam, dass Moser nicht nur mit Butter und Zucker bäckt, auch mit einem Stoff, der nix kostet: Luft. Alle Modelle waren ausgesprochen luftig-leicht geraten.
Eine wunderbare Hollercreme auf gebackenem Topfen, feinstes Mousse aus Milchschokolade mit Profiterols, fruchtige Maracuja kombiniert mit sanften Bananen, intensive Himbeeren auf einem schokodurchzogenen Teig, fluffig allesamt. Und die Damen  katapultierten sich mit einem Punschkrapferl zurück in die Schulzeit, pickig und alkohöllisch, wie sich das gehört. Menschen brauchen Süßes? Martina Moser führt eine empfehlenswerte Belohnungsanstalt.

Konditorei Moser,
Hauptstraße 50,
5201 Seekirchen,
www.konditorei-moser.at