Handyverbot: So lebt es sich gut damit

Gymnasium Hallein öffnete Turnsäle und schaffte „Wuzzler“ an. Die Handys bleiben weggesperrt.

Frankreich verbietet seit September an Grund- und Mittelschulen Schülern die Handy-nutzung.  Eine Option für Salzburger Schulen? Das „Fenster“ hat sich eine Schule angeschaut, die solch eine Regelung schon 2014/15 eingeführt hat – und  immer wieder Anfragen aus anderen interessierten Schulen bekommt. Es geht um das BG/BRG Hallein, in dem sogar die Maturanten ihr Handy im Spind abzulegen haben.

Am Gang ist es wieder laut

9.40 Uhr am Gymnasium Hallein. Rund 700 Schüler haben große Pause. Betritt man als schulfremder Mensch die Aula, ist man erst mal überwältigt vom Lärm. Hier ist es richtig laut. Im Erdgeschoß sitzen und stehen  Schüler vor dem Schulbuffet. Sie jausnen, reden, lachen. Erstklassler wuseln rund um ihr „Plastiksparen“-Projekt und rufen einander begeistert zu, wenn aus dem ersten Stock  Einweg-Plastikflaschen  herunterklatschen – in eine  Plane, die man fürs Projekt über die halbe Aula gespannt hat. Vom zweiten Stock dröhnt Siegesgeschrei über die Gänge. An den zehn Wuzzel-Tischen probieren Buben und Mädchen  ihr Tischfußball-Können aus. Dazwischen hechten dutzende Kinder in Richtung der beiden Turnsäle. Sie wollen sich austoben. Die „bewegte Pause“ mit zwei Lehrern ermöglicht  ihnen das. Heute entscheidet man sich für Merkball. „Die Kleinen freuen sich richtig, wenn sie sich miteinander auspowern können“, sagt Sportlehrer Christian Aigner und schießt den Ball zurück ins Feld. „Hier dürfen wir uns bewegen. Das ist besser als Handyspielen“, grinst Felix aus der 1E-Klasse.

Die Handy-Regelung des Halleiner Gymnasiums hat sich  offenbar bewährt. Laut Schuldirektor Matthias Meisl stehen 90 Prozent der Eltern dahinter, die Lehrer profitieren und die Schüler auch. So gut wie Felix finden klarerweise nicht alle Schüler, dass ihr Handy im Spind bleiben muss. Manche mögen es gar nicht. „Das Verbot ist ganz schlecht“, beschwert sich Almedin aus der 1D beim Lokalaugenschein. Die ideale Pause stellt sich Almedin so vor: „Ich würde am Handy Fortnite-Videos schauen!“

Direktor wollte keine Debatten mehr

Mit dem  unter Kindern derzeit populärsten Online-Computerspiel hat ein am Gang schlenderndes Mädchen-Quartett aus der Oberstufe nichts mehr am Hut. Trotzdem hätten die Mädchen  gerne ihr Handy in der großen Pause. Cindy aus der 7R: „Das Handyverbot ist in Ordnung. Es sollte aber nur für die Kleinen gelten.“ Paula aus der 6AB fügt hinzu: „Die Unterstufler sollen den Umgang ohne Handy lernen. Wir brauchen das nicht mehr.“ Im Unterricht findet sie das Verbot gut.  Paula: „Ich würde sonst sicher mein Handy rausholen.“

Viele spielten in den Pausen nur noch Handy

Paula beschreibt damit einen von drei Gründen, die 2014 zum Handyverbot geführt haben. Die typische Situation, wenn Lehrer im Unterricht Schüler  mit Handy in der Hand erwischen und die doch „nur auf die Uhrzeit“ geschaut haben, war auch im BG Hallein allgegenwärtig. „Diese Debatten wollte ich nicht mehr“, sagt Direktor Matthias Meisl. Der zweite Grund betraf das Pausenverhalten der Jugendlichen. Meisl: „Viele Schüler sind nur noch auf den Sofas in den Klassen gehängt und haben Handy gespielt.“ Diese Umstände hätten nicht dafür gereicht, Handys aus dem Schulbetrieb zu verbannen. Die Rutsche fand man, indem der  Schulgemeinschaftsausschuss feststellte, dass Handys den Schulbetrieb stören. Vor allem das Spielen mit Handys, hieß es, störe massiv die Konzentration der Schüler und gehe bei manchen bis hin zu suchtähnlichem Verhalten. So etwas kann keine Schule wollen und dulden.

Einfach war der Start des Handyverbotes nicht. Skeptisch waren in der ersten Phase besonders die Schüler, aber auch etliche Eltern. Ein Vater, Jurist von Beruf, stand gleich in der Direktion, als seinem Sohn das Handy abgenommen worden war. Direktor Meisl, der in der Kuchler Gemeindevertretung und im Landtag Abgeordneter war, tangierte das wenig. „Ich habe  dem Vater daraufhin klargemacht, dass die Regelung auch vor  einem Gericht halten würde.“

Ein kassiertes Handy pro Tag

Fast jeden Tag bekomme er ein Handy auf den Tisch. Es landet dort eingeschlagen in ein Blatt Papier, auf dem  Name und Klasse des Besitzers notiert sind. Aufgeschrieben vom Gangdienst,  jener Lehrperson, die das Handy am Gang aus Schülerhänden einkassiert hat. Die Schüler wissen genau, wo sie aufpassen müssen. Beim Buffet geht immer wer vom Gangdienst vorbei. Wobei man auch „Glück“ haben kann. Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer sind beim Gangdienst gleich scharf. In manche Ecken kommt selten jemand hin.

Terrasse und Turnsäle werden wieder genutzt

Das weiß der Schuldirektor. „Ich bin nicht so blauäugig zu glauben, dass hier niemand sein Handy nutzt“, gesteht Meisl ein. Um das gehe es auch nicht. Man habe wieder einen normalen Schulbetrieb erreichen wollen. Dass dazu so viel Lärm gehört, hat die Lehrerschaft überrascht. Dafür kann sie ihren Unterricht wieder halten, ohne dass Schüler angespannt noch schnell eine Runde eines Spiels fertigspielen – sobald der Lehrer vorübergegangen ist. Die Schüler legen ihr Handy in den Spind und freuen sich über die 2014/15 eingeführten Bewegten Pausen und die zehn  neuen Wuzzeltische. Ist es draußen warm, gehen sie miteinander wieder jausnend hinaus auf die wunderschön gelegene  Schulterrasse. Die werde jetzt wieder viel mehr genutzt,  sagt Matthias Meisl.

Beim dritten Mal müssen die Eltern kommen

Debattieren muss er nur noch, wenn ein Schüler mehrmals mit dem Handy erwischt wird. Beim ersten Mal bekommt man das Handy nach Unterrichtsschluss zurück, beim zweiten Mal werden die Eltern informiert und beim dritten Mal müssen diese das Handy  abholen. Meisl: „Da kommen die Schüler mit allen Schmähs. Die Eltern seien auf Urlaub oder krank.“ Da der Direktor keinen Millimeter Spielraum gibt, hat sich eingebürgert: „Nach einer Stunde sind die Eltern da.“

Von Sabine Tschalyj