Erbin verschweigt Polizei das Testament

Die Schwester des toten Millionärs Roland Krenn findet das Dokument in seiner Villa. Sie und ihr Partner sagen den Ermittlern davon kein Wort.

Der erbitterte Streit um das Erbe des ermordeten Salzburger Millionärs Roland Krenn († 63) wird immer undurchsichtiger. Bekanntlich gibt es zwei Testamente: Seine letzte Freundin Ursula P., 43, wurde von Krenn 2015 beim Notar als Universalerbin eingesetzt. Nach seinem Verschwinden tauchte jedoch ein Testament auf, das Krenns 57-jährige Schwester begünstigt.

Testament am Badeplatz unterschrieben

Es entstand „vor Ostern 2016“ bei Krenns Badehaus am Fuschlsee, wo der Privatier den zufällig im Garten der Schwester arbeitenden Lebensgefährten und eine Freundin der Schwester bat, das Schriftstück zu unterschreiben. Die Schwester war währenddessen in ihrem Seehaus beschäftigt. Trotz der dürr und nahezu wortident erzählten Geschichte ergab sich sofort ein Widerspruch: Laut einem Gerichtssachverständigen wurden mehrere und nicht nur ein Kugelschreiber verwendet – worauf der Lebenspartner der Begünstigten seine Aussage  anpasste. Der dritte Zeuge ist unbekannt, heißt es lapidar  im Abschlussbericht des Kriminalbeamten an den Staatsanwalt. Der stellte alle Verfahren ein. Die Frage, ob die Behörden mit der gebotenen Sorgfalt und Objektivität ermitteln, liegt nahe. Neue Zeugenaussagen und Gerichtsdokumente bestätigen das.

„Krenn wollte nicht, dass sein Schwestern erben“

Ab November 2016 hat Krenns Schwester Zugriff auf Roland Krenns Buchhaltung. Erst im Mai 2017 findet sie das Testament, das sie begünstigt. BILD: POLIZEI

 

Im September 2016 erfährt Krenns Schwester von ihrem Schwiegersohn und dem Sohn des Lebensgefährten, beide sind Polizisten, dass ihr Bruder abgängig ist. Das Verhältnis zu seinen Schwestern war laut Krenns Ex-Freundinnen zerrüttet. Karoline H. und die langjährige Partnerin Claudia K.  beschreiben „hässliche Szenen“. Der kinderlose Krenn habe „nicht gewollt,  dass die gesetzliche Erbfolge eintritt und seine Schwestern  erben.“ Laut Krenns älterer Schwester haben Erbstreitigkeiten in der wohlhabenden Familie zum Zerwürfnis geführt (Zeugenvernehmung, LKA 29.11.2016). Krenn setzte fortan seine  jeweilige Partnerin als Erbin ein. Die Testamente habe  er in einem Bauernschrank   in seiner Villa verwahrt.

Polizeibeamter informiert über Testament

Dort erfolgt am 17. September  2016 eine Hausöffnung durch die Polizei. Der Schwiegersohn und zwei Beamte des Stadtpolizeikommandos steigen durch ein gekipptes Badezimmerfenster ein, auf den Tatortfotos deutlich zu sehen: der sperrangelweit geöffnete Bauernkasten (Aktenvermerk, 17.9.2016). Vom damals ermittelnden Beamten erfährt  die Schwester laut ihrer Aussage, dass „Ursula P. angeblich die Universalerbin des Vermögens meines Bruders sein soll“, was sie allerdings bezweifle, so die 57-Jährige gegenüber den jetzt tätigen Mordermittlern (ZV, 24.11.2016).

Erinnerungslücken

Auch mit dem späteren Hauptbeschuldigten haben die  Schwester und ihr Lebensgefährte Kontakt. Man telefoniert, schickt einander  SMS.  Das Paar kennt den Pongauer seit 2014. Der 25-Jährige erzählt eine Lügengeschichte über Krenns Abwesenheit (er sei segeln) und sagt zur Schwester einen Satz, der sie „schon sehr verwundert hat: Glaubst du wirklich, dass dem jemand den Schädel eingeschlagen hat?“ Auch die Schwester geht inzwischen von einem Unfall oder Verbrechen aus. Am 15. November hat sie bei Gericht die Bestellung zur Abwesenheitskuratorin beantragt. Vom späteren Haupttäter hat sie den Schlüssel zur Villa erhalten, wann genau, weiß sie nicht mehr (Anlassbericht, 13.3.2017).

„Ohne Passwort in Krenns Laptop einsteigen“

Jedenfalls sind Krenns Schwester und ihr Lebensgefährte „sehr oft im Haus von Roland in der Eschenbachgasse“, berichtet der 51-jährige Medizintechniker der Polizei   (ZV, 2.5.2017).  Die Schwester erstellt ein Vermögensverzeichnis, öffnet Konten, tätigt Zahlungen, regelt Immobilienangelegenheiten des Bruders. Man kann „ohne Passwort in den Laptop des Bruders einsteigen“ (ZV, 24.11.2016). Erst im Dezember bringt der Schwiegersohn vier Laptops und ein Netbook  Krenns zur Auswertung in das LKA  (Aktenvermerk, 1.12.2016).

Lebensgefährte verschweigt Testament beim LKA,
am Tag darauf bringt es Krenns Schwester zum Notar

Anfang Mai 2017, der 25-jährige Pongauer wurde kurz vorher unter Mordverdacht verhaftet, wird der Lebensgefährte der Schwester befragt. Hier schildert er wortreich und detailliert,  wie man den 25-Jährigen kennengelernt, sich angefreundet hat (ZV, 2.5.2017). Auch zum Seehaus der Schwester nahm man ihn mit – wo jenes Testament entstand, das der aussagende Zeuge selbst unterschrieb. Doch er erwähnt das nicht. Und einen Tag später bringt die Schwester das Testament zum Notar. Sie hat es trotz umfassender Einsicht in Krenns Buchhaltung erst jetzt „in einer schwarzen Mappe“  in der Villa  gefunden (ZV, 7.12.2017). Auch sie verschweigt den Fund der Polizei.
Das SF wollte das Paar um Stellungnahme bitten. Der Lebensgefährte blockte ab. „Keine Frage-Antwortspiele. Das ist alles sehr emotional.“  Man mache vorerst Urlaub in Italien. Danach könne das SF ja noch einmal anfragen.

Von sonja.wenger@svh.at