Machen Sie sich doch bitte frei

Wissen Sie, was das Beste ist, das Ihnen passieren kann? Dass jemand Sie nicht mag. Klingt absurd, ist es aber nicht.

Denn wenn Sie mal überlegen, ist es sehr anstrengend, gemocht werden zu wollen. Man tut merkwürdige Dinge, wenn man unbedingt will, dass einen jemand mag. Man sagt nicht Nein, zum Beispiel, obwohl man wirklich gern Nein sagen würde. Man lächelt, obwohl man überhaupt kein Bedürfnis danach verspürt.

Man hält den Mund, obwohl man etwas sagen sollte. Man denkt außerdem ständig nach. Darüber, was derjenige, von dem man gemocht werden will, eventuell wollen KÖNNTE und was man deshalb vielleicht am besten machen SOLLTE. Und jetzt sagen Sie mir, dass das nicht anstrengend ist. Ich bin ja schon erschöpft, wenn ich mir das nur vorstelle.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Die Sache ist die: Wir Menschen mögen es, wenn uns jemand mag. Wir mögen das so sehr, dass wir uns verbiegen – manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Und gut fühlen wir uns dabei nicht, aber wir besitzen ja die Fähigkeit, uns selbst zu belügen, deswegen kommt es uns nicht so schlimm vor. Ich würde aber gern wissen: Warum will man denn von jemandem gemocht werden, für den man sich verbiegen muss? Der einen nicht interessant und liebenswert findet, so, wie man ist – auch wenn man mal Nein sagt, nicht lächelt und nicht den Mund hält?

Was ist denn erstrebenswert daran, sich zu verstellen und jemanden zu beeindrucken, der nicht beeindruckt wäre, wenn man sich nicht verstellt? Sobald jemand Sie nicht mag, sind Sie frei. Und zwar in jeder Hinsicht, weil dann IST ES EH SCHON EGAL. Das ist ein bisschen wie mit dem sinnigen Spruch „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“. Sie können sich verhalten, wie Sie wollen, denn Sie haben nichts zu verlieren – aber viel zu gewinnen.

Es ist nicht wichtig, ob man gemocht wird oder nicht. Es ist aber wichtig, sich nicht zu verbiegen und sich nicht zu verstellen – sondern zu sich selbst zu stehen, no matter what. Sie hören das vielleicht nicht oft, aber Sie sind gut so, wie Sie sind. Interessant. Liebenswert. Und wer das nicht erkennt, der soll bitte einfach weggehen.

Wozu sollten Sie so jemand in Ihrem Leben haben wollen? Und wie unmöglich ist es überhaupt, von jedem gemocht zu werden – Sie mögen doch auch nicht jeden. Wenn Sie das nächste Mal merken, dass jemand Sie nicht mag, dann fangen Sie nicht an nachzudenken, was Sie tun könnten, um sich doch noch beliebt zu machen bei demjenigen. Grinsen Sie lieber erleichtert und denken Sie: einer weniger, dem ich gefallen muss.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at