Endlich ist eine gute Landung in Sicht

Stadttauben gehören nicht auf die Straße. Aber keiner will sie. Nun ist ein Haus im Salzburger Stadtteil Nonntal in Planung.

Jahrhundertelang hat der Mensch die Taube als Nutztier gehalten. Dann brauchte er sie nicht mehr. Die Taube, immerhin Friedenssymbol, fiel in Ungnade, sie wurde ausgesetzt, sich selbst überlassen. Die Nachkommen der domestizierten Vögel (nicht zu verwechseln mit den Wildtauben) suchen die Nähe des Menschen.

In den Städten will man sie aber partout nicht haben, verunreinigen sie mit ihrem Kot doch Fassaden und Plätze. Dazu kommt ihr schlechtes Image. Dieses fuße vor allem auf Unwissenheit, sagt Hans Lutsch, Obmann des Vereins ARGE Stadttauben Salzburg. „Die Angst vor Krankheitserregern im Kot ist übertrieben, wie neue Studien von renommierten Instituten wie dem Robert-Koch-Institut zeigen.“ Der Kot sei sogar fruchtbar und Hauptbestandteil des Guanodüngers, mit dem wir unsere Beete düngen. In Ägypten gebe es ganze Tauben-Plantagen zur Gewinnung des Kots.

Taubenschützer Hans Lutsch vom Verein ARGE Stadttauben Salzburg weiß: „Stadttauben sind verwilderte Haustiere.“ Foto: sw/kabö

Am Areal der Berchtoldvilla soll Taubenhaus entstehen

Klar ist, dass keiner von Tauben verunreinigte Fassaden will. Taubenschläge, wie der Verein ARGE Stadttauben seit Jahren fordert, wären eine Lösung. Doch die Stadtpolitik zierte sich bislang, man fürchtete den Unmut der Anrainer.

Tatsächlich heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Harry Preuner (ÖVP) auf SF-Anfrage, man suche nach weniger kontroversen Orten wie jenen, die Lutsch vorgeschlagen habe. Da Tauben ortsgebunden sind, sollten diese nach Ansicht des Taubenschützers nämlich an den „Hotspots“ der Stadt errichtet werden, wie Staatsbrücke, Lehener Brücke, Linzergasse etc.

Nun ist eine Lösung in Sicht. Die Vizebürgermeister Anja Hagenauer und Bernhard Auinger, beide SPÖ, haben im Bereich der Berchtoldvilla im Nonntal einen Platz für ein Taubenhaus angeboten. Lutsch: „Wir hatten schon eine Begehung, es gibt Budget, ich habe bereits einen Planungsentwurf gemacht. Der Standort ist nicht ganz ideal, weil wir die Tauben von der Staatsbrücke und der Altstadt umsiedeln müssen, aber das schaffen wir.“ Es sei ein wichtiger Anfang, andere Stadtteile müssten aber folgen.

Durch Fütterungsverbot brüten Tauben mehr

Was ist denn nun der Vorteil eines Taubenschlags? „Tauben sind verwilderte Haustiere, sie verbringen 80 Prozent ihrer Zeit im Taubenschlag mit Fressen und Brüten“, erklärt Lutsch. Die Plätze in der Stadt wären somit praktisch tauben- und damit kotfrei. Das habe auch der temporäre Taubenschlag beim Umbau des Hauptbahnhofs 2010 gezeigt, so Lutsch. Und er verweist auf Augsburg, das seit 25 Jahren mit großem Erfolg am Konzept des Taubenschlags festhält.

Ein weiterer Vorteil des Taubenschlags: Es lässt sich die Vermehrung der Vögel kontrollieren. Die Eier in den Nestern werden durch Gipseier ausgetauscht. Denn auch die Taubenschützer wollen keine wilde, ungezügelte Vermehrung, sondern einen gesunden Bestand.

Dass das Fütterungsverbot, das in der Stadt Salzburg seit 1994 existiert, die Zahl der Tauben reduziere, sei ein Irrglaube, weiß Lutsch: „Hungrige Tauben brüten noch mehr, weil sie ihre Art erhalten wollen.“ Anstelle des Verbots will Lutsch ein Fütterungsrecht für ausgewiesene Personen. Das würde auch das Image der Tiere bessern. „Kranke, hungrige Tauben wirken natürlich abstoßend.“

Im Taubenschlag würden die Tiere artgerecht gefüttert. Somit wären sie auch gesünder und schöner – eine Win-Win-Situation für Mensch und Tier.

Von Petra Suchanek