Willkommen! Sauerteig als Familienmitglied

An alle Roggensauerteigbrotfreunde: So macht man sich den Sauerteig einfach selber.

Als unsere Mädels ausgezogen sind, haben wir ein neues Familienmitglied aufgenommen: einen Sauerteig. Einmal wär er schon fast abgekratzt, aber Andreas konnte ihn gerade noch retten. Andreas ist auch der Brotbäcker in unserer Familie und beide sind wir begeisterte Roggensauerteigbrotesser.

So ein selbst gezogener Sauerteig ist ja wirklich eine ganz besonders regionale Zubereitung, weil die Bakterien, die sich darin niederlassen, kommen aus dem direkten Umfeld. Die schwirren ständig in der Küche herum und warten nur drauf, dass wir ihnen einen köstlichen Brei aus Roggenmehl herrichten. Dazu mischen wir 3 Esslöffel Roggenmehl und 3 Esslöffel nicht zu kaltes Wasser. Der Brei kommt in ein Drahtbügelglas, das wir ohne Gummi zumachen. So bleibt ein kleiner Spalt, durch den die Bakterien hineinschlüpfen können. Am 2. und 3. Tag rühren wir wieder 3 Esslöffel Roggenmehl und 3 Esslöffel Wasser dazu. Jetzt beginnt unser Teigerl säuerlich zu duften und fängt an, Blasen zu werfen.  So ein Sauerteig ist auch ein altes Hausrezept, das früher sogar auf die Haut aufgelegt wurde, wenn irgendetwas mit ihr nicht gestimmt hat. Wenn sie zum Beispiel zu trocken oder leicht entzündet war. Frisch und geschmeidig hat die Haut nach dem Abwaschen der Auflage wieder gestrahlt.

Wer jetzt nicht gleich Zeit hat zum Brotbacken, kann den Sauerteig einige Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Dabei wird er wie ein Familienmitglied behandelt: Er braucht Aufmerksamkeit und ab und zu ein bisschen Mehl und Wasser als Futter. Besonders wenn er noch so jung ist, muss man ihn sorgfältig pflegen, später wird er stark und kaum noch zum Umbringen sein. Ja, eigentlich könnten wir jetzt gleich Brot backen, aber weil ich keine Zeilen mehr übrig habe, beschreibe ich euch das nächste Mal unser Roggenbrot.

Von Karin Buchart