Outdoor-Sport im Luftraum über Salzburg

Drei Varianten, um das barocke Salzburg bewegt zu erleben. Ganz nach dem Motto: Die Stadt als Sportgerät.

Joggen an den Salzachseen, zum Schloss Hellbrunn radeln, nach Feierabend auf den Gaisberg wandern: Auch ohne Auto bietet Salzburg sporttechnisch so einiges. Damit es nicht langweilig wird, ist jedoch Abwechslung gefragt. Wir haben drei Outdoor-Sportarten getestet, für die keine langen Anfahrtswege nötig sind.

Auf dem Makartsteg: Turnen wie im Zirkus

Fast täglich waren die Hangaround Girls in den letzten Wochen am Markartsteg beim Turnen zu beobachten. Meist verabredeten sie sich spontan in der Mittagspause oder zwischen zwei Vorlesungen in der Uni. Rot und pink leuchten die Jersey-Tücher unterhalb des Steges. Oben drüber strömen die Touristen. In die 16 Meter langen Tücher gewickelt, schweben die Akrobatinnen durch die Luft.

Bald bleiben Schaulustige stehen, einige fragen interessiert nach und versuchen sich selbst an leichteren Techniken. Die Fotografin Doris Wild ist ein Hangaround Girl: „Das Schöne an der Sportart ist, dass man relativ schnell eindrucksvolle Tricks lernen kann. Vor allem wenn Anfänger schon Erfahrung im Turnen oder Poledance gesammelt haben.“

Mariana Pedrozo: „Die Sportart gibt mir das Gefühl von Freiheit, gerade wenn wir draußen trainieren und ich den Wind auf der Haut spüre.“
Bei schlechtem Wetter trainieren die Akrobatinnen im Zirkustrainingszelt im Stadtteil Gnigl.

  • Mariana Pedrozo nutzt das gute Wetter und turnt am Markatsteg. Foto:wildbild
  • Doris Wild Foto: Anna Boschner
  • Doris Wild. Foto: Anna Boschner
  • Mariana Pedrozo. Foto: Anna Boschner

Titelbild: wildbild

Per Himmelsleiter zu den Mönchen

Gurt, Helm, Handschuhe, ein Klettersteig-Set und feste Schuhe. Mehr ist nicht nötig, um die Stadt aus einer anderen Perspektive zu sehen. Klick, Klick. Die Karabiner rasten ein, die ersten Meter sind schnell zurückgelegt.

Der Klettersteig am Kapuzinerberg ist seit Jahren ein Ziel für geübte Kletterer – doch seit drei Jahren gibt es dort auch leichtere Touren. Aus einer Route für Fortgeschrittene mit Überhang bauten die Naturfreunde Salzburg drei Steige. Mit dem Resultat, dass nun zehn Mal so viele Kletterer die 50 Meter hohe City Wall hinaufsteigen wie bisher.

Schon nach wenigen Höhenmetern reicht der Blick bis auf die Dachterrassen der Anwohner. An einem Knotenpunkt können sich die Kletterer entscheiden: Entweder nach links den leichteren Weg (Schwierigkeitsgrad B) oder weiter nach rechts. Letzterer gabelt sich nach wenigen Metern ein weiteres Mal. Über die Himmelsleiter gelangt man über die Route mit dem Schwierigkeitsgrad C an den Ausstieg. Die dritte und schwerere Option beinhaltet einen Übergang der Schwierigkeit E.

Für Helmut Schwarzenberger, Geschäftsführer der Naturfreunde Salzburg, eignet sich der Klettersteig am Kapuzinerberg ideal als Feierabendtour. „Der Steig ist mit dem Fahrrad schnell erreichbar und in 20 Minuten ist man oben.“ Der Weg zurück führt in voller Klettermontour über die Linzer Gasse – ein Hingucker für alle Touristen.

Die Citywall ist das ganze Jahr zugänglich. Nur in der Vogelbrutzeit von März bis Juni ist sie geschlossen. Allen Anfängern raten die Naturfreunde, vor dem ersten Steig einen Kurs zu belegen. Die Ausrüstung dafür können Interessierte auch ausleihen.

 

Parkour-Laufen wie im Film „Ghetto Gangs“

Wie Ninjas springen sie von einem Geländer zum Nächsten. Sie klettern Wände hinauf, springen über Container und von Dach zu Dach. Warum machen sie das? „Parkourlaufen und Freerunning bedeuten für mich Freiheit“, sagt Chris Bacher. Er hat vor sechs Jahren den Verein Onemove gegründet. Er und sein Team geben sechs Mal pro Woche Trainingseinheiten in den Turnhallen der Stadt.

Die Nachfrage ist groß, vor allem unter Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren. Ganz neu geben Bacher und sein siebenköpfiges Team jedoch auch Bewegungstraining für Erwachsene. „Das Movement-Training ist ein ganzheitliches Fitnesstraining mit Elementen aus Parkourlaufen, Yoga, Akrobatik, Ballspielen oder Taekwondo“, sagt Bacher.

  • Der Verein Onemove lehrt seit sechs Jahren Jung und Alt das Parkourlaufen und Freerunning. Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner
  • Foto: Anna Boschner

Er selbst habe vor zwölf Jahren mit dem Training begonnen, nachdem er den Film „Ghetto Gangs“ gesehen hatte. „Wie so viele andere vermutlich, hat mich der Film inspiriert.“ Einer der Trainer von Onemove ist Jonathan Friedl. Das Beste an der Sportart sei die Möglichkeit abzuschalten, sagt Friedl: „Wenn ich auf einer Stange balanciere, dann muss ich mich in diesem Moment konzentrieren und kann nicht an etwas anderes denken.“

Ein beliebter Trainingssort in Salzburg ist der „Snakespot“ im Stadtwerk Lehen. Aber auch am Mirabellplatz und im Lehener Park gebe es geeignete Trainingsplätze. Im Winter übt der Verein ausschließlich in Turnhallen und im Zirkustrainingszelt. Bacher: „Seit langem wünschen wir uns jedoch eine Halle und einen Outdoor-Park, die speziell nach unserem Training ausgerichtet sind. Vorbild ist hier der Parkourpark am Mondsee.“

Von Anna Boschner