Keuchhusten ist auf dem Vormarsch

 Schon 158 Salzburger sind heuer an Keuchhusten erkrankt. Sie müssen fünf Tage daheim bleiben.

Stakkatoartige Hustenanfälle, die Wochen anhalten – sie sind typische Symptome für den Keuchhusten. An der ansteckenden Infektionskrankheit sind heuer überdurchschnittlich viele Salzburger erkrankt. Bis Mitte Oktober zählte die Landessanitätsdirektion bereits 158 Keuchhustenfälle (davon 41 in der Stadt Salzburg). Pro Monat kommen in der Regel 20 bis 30 dazu. Zum Winter hin steigt die Fallzahl. „Bis Jahresende könnten es 200 Fälle sein“, meint Landessanitätsdirektorin Heidelinde Neumann. Das wären weit mehr als 2017 (141 Fälle) und 2016  (151 Fälle). Zu dem Anstieg haben vor allem zwei Gründe geführt. Zahlreiche Kinder und auch Erwachsene sind  nicht oder nicht ausreichend gegen Keuchhusten geimpft.  Sie erkranken viel leichter an Keuchhusten als geimpfte Menschen.

Oft wird die Infektion nicht erkannt

Oft halten die Erkrankten ihre Hustenanfälle für unbedenklich und gehen nicht zum Arzt. Manchmal denkt auch der Arzt nicht an Keuchhusten. Das hat Folgen: Erkrankte stecken andere mit der bakteriellen Infektion an, ohne es zu wissen.  Ein Huster, ein Händedruck, ein gemeinsam benutztes Glas reicht schon aus. Das kann für angesteckte Menschen zu einem ernsten Problem werden. Vielen Keuchhustenpatienten geht es richtig schlecht. „Die Hustenattacken sind sehr anstrengend. Ältere Menschen können Kreislaufprobleme und Blutungen in Rachen oder Lunge bekommen“, beschreibt Heidelinde Neumann.  Wer sich mit Keuchhusten infiziert, ist außerdem anfälliger für Zweitinfektionen wie Ohren- oder Lungenentzündung. Besonders für Kinder ist Keuchhusten gefährlich, warnt die Medizinerin.

Gefährdet sind Neugeborene. Sie können erst mit drei Monaten gegen Keuchhusten geimpft werden. „Bis zu einem halben Jahr kann ein Atemstillstand drohen“, sagt Neumann. Todesfälle gab es in den vergangenen Jahren in Salzburg keine. Ein Säugling musste heuer in Salzburg aber bereits intensivmedizinisch behandelt werden. Neumann: „Ein älteres Geschwisterkind hat den Keuchhusten nachhause gebracht.“

In Kindergärten und Volksschulen ist man besonders auf der Hut. Stellt ein Arzt bei einem Kind Keuchhusten fest, meldet er dies der Gesundheitsbehörde. Auch der Kindergarten oder die Schule werden informiert. Die wiederum fordern die Eltern zu vermehrter Aufmerksamkeit auf. Die Kinder selbst dürfen erst nach fünf Tagen wieder in Kindergarten oder Schule gehen. Auch Kindergartenpädagoginnen, Kranken- oder Altenpfleger mit Keuchhusten dürfen so lange nicht ihrer Arbeit nachgehen. Und Erwachsene generell? „Die sollten natürlich auch zuhause bleiben“, rät Neumann. Sobald nach einem Rachenabstrich beim Hausarzt die Diagnose Keuchhusten vorliegt, sollte Patienten mit einer speziellen Antibiotikatherapie beginnen. Diese bringt zweierlei: Die Keime werden abgetötet, man ist also nicht mehr ansteckend, und die Hustenanfälle werden leichter.

Wann sollte man zum Arzt gehen, Frau Neumann? „Wenn der Husten immer hartnäckiger wird und über zwei Wochen dauert“, sagt die Medizinerin. Ein unbehandelter Keuchhusten kann weit mehr als sechs Wochen anhalten, bevor er abklingt. Wer sich impfen lassen sollte, ist aus ärztlicher Sicht schnell erklärt: Jeder. Um den so genannten Herdenschutz zu gewährleisten, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation eine Durchimpfrate von 90 Prozent. „Bei den Kindern im Bundesland Salzburg sind wir um rund fünf Prozent darunter“, sagt Neumann. In den Schulen versuche man, noch ungeimpfte Kinder zu erreichen.

Impfung: Nach zehn Jahren auffrischen

Was viele Erwachsene nicht wissen: Einmal geimpft zu sein, schützt nicht lebenslang vor Keuchhusten. Alle zehn Jahre ist eine Auffrischungsimpfung nötig. Den eigenen Impfstatus kann man auch beim Hausarzt abklären lassen. Impfskeptiker haben in einem Punkt recht: Die Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor Keuchhusten. Die Gesundheitsbehörde registriert immer wieder erkrankte Kinder, die ausreichend geimpft sind. Der Vorteil einer Impfung liegt aber auf der Hand: Eine Keuchhustenerkrankung verläuft bei Geimpften leichter als bei Ungeimpften.

Von Sabine Tschalyj