Scharf: Asiatisches Streetfood

So nah wie erträglich am Original, findet der Vorkoster Yaoyao Hus neues Lokal. Und alles in Rot. Was für eine Farbe! 

Rot sind die Rosen echter Liebe und die Salons, wo Liebe käuflich ist. Rot leuchten die Verkehrsschilder, wenn sie verbieten oder warnen sollen. Sieht der Stier rot, will er Blut sehen. Eine Farbe als Signal für Aufregendes.

Yaoyao Hu, Salzburger mit chinesischen Wurzeln, tauchte sein neues Lokal Maneki Neko (zu deutsch Winkekatze) ganz in Rot, selbst die Toiletten. In Asien steht die Farbe Rot für Glück, ein Versprechen. Wobei den Vorkoster aber die Küchenlinie lockte: authentisches Streetfood.

Da steigen Bilder im Kopf auf: Gassen mit Garküchen, dampfende Woks, duftender Reis. Der Mann führt schon zwei Restaurants. Das Bangkok in Schallmoos (Thai-Küche) und das Yaoyao im Europark (Asien querbeet). Ein erfolgreicher Vermittler zwischen den Kulturen also. Und damit geeignet einzuschätzen, wieviel Original ein Salzburger verträgt und wieviel Anpassung sein muss. Und das Rot im Lokal an der Kaigasse?

Im Ton kräftig, in der Menge überwältigend. Natürlich tragen auch die Burschen und Mädchen rot, die hinter der Theke auf die Bestellungen warten. Zu jedem Gericht gibt’s ein Foto, was bei schwer aussprechbaren Speisen praktisch ist, man zeigt hin. Und holt sich das Tablett, wenn das Küchenteam fertig ist. Keine Bedienung, die kostet nur. Passend kann man das Street Food auf roten Bänken an roten Tischen auf der Gasse essen, vorne die Autos, hinten drängt der Touristenstrom.

Interior Design Award

Eine Vorspeise hört auf den Namen Yaki Gyosa (6 Stück um 5 Euro): das sind gebratene Teigtaschen, gefüllt mit Soja samt Gurkenstücken in würziger Sauce. Das kam richtig gut an.

Korean fried Chicken (€ 9,90) – das waren Hühnerstücke in Backteig, sehr saftig das Fleisch, zu tauchen in süßsaure Chilisauce, angenehm. Allerdings konnte man zuvor einem vierschrötigen Asiaten dabei zuschauen, wie er mit einem schweren Messer das Huhn zerhackte und nicht europäisch an den Gelenken teilte. Da entstehen Knochensplitter, die muss man beim Essen aus dem Mund fischen. Anlass für Ärger bei Kommentaren im Netz.

Deshalb steht groß unter dem Speisenamen „mit Knochen“. Szechuan Pfeffer Ramen (€ 12,90) erhielt einen Warnhinweis: „sehr scharf“. Die Brühe war schön dicht, das Rindfleisch mürbe und aromatisch, auch die Nudeln konvenierten. Dennoch hörte der Vorkoster aus Gründen der Schmerzvermeidung nach ein paar Bissen auf. Selbst die schärfeliebenden Damen stießen heftig die Luft aus.

Hier ist scharf wirklich scharf. Dabei ließe sich das Ganze noch auf höllenheiß steigern, man müsste nur die herumschwimmenden Chilischoten mitessen.  Nun ist in allen Asia-Restaurants die Ente der beliebteste Vogel. Die Canton Grillente (€ 12,90) lag mitnichten trocken in einer Schüssel mit Reis und Pak Choi, auch gelungen.

Desserts? Einem Schoko-Chili-Mousse (€ 5,80) war erst am Boden des Glases ein wenig Schärfe anzumerken. Richtig witzig eine Mochi-Eiscreme (€ 6,80): Da umschloss ein weißer Reisteig einen gelben Eiskern, das schaute also aus wie ein weich gekochtes Ei, schmeckte aber schön exotisch.

Billig ist hier nichts. Dafür überzeugt die Qualität der Zutaten. Und kulinarisch ist das jene Art von Essen, das asiatischem Streetfood in Salzburg am nächsten kommt – so nahe, wie Yaoyao Hu das für verträglich hält. Und die rote Einrichtung bekam den „Austrian Interior Design Award“.

Maneki Neko, Kaigasse 34, 5020 Salzburg, Tel. 0662/840 898, Sonntag Ruhetag, www.manekineko.at