Salzburger Adventsingen im Zeichen von „Stille Nacht“

Das Jubiläumsjahr zu „Stille Nacht“ schlägt sich  auch im Adventsingen nieder. „Es wird kein Spektakel“, beruhigt Regisseurin Caroline Richards.

Seit 2012 führt Caroline Richards Regie beim Adventsingen im Großen Festspielhaus. Die gebürtige Engländerin, die in der Freien Szene tätig ist, „rutschte“ zufällig in die Volkskultur – durch einen Autounfall. Da lernte sie Hans Köhl, den langjährigen Leiter des Adventsingens, kennen. Er half ihr, als sich der Unfalllenker davonmachen wollte.

Herzstück des Adventsingens: Tenor Bernhard Teufl als Josef (und Hilfspriester Mohr) und Sopranistin Simone Vierlinger als Maria (und Heilerin). Foto: Salzburger Adventsingen

Ein Akt der Nächstenliebe – passt gut zur Weihnachtsbotschaft und damit zum Adventsingen, für das Köhl sie Jahre später anheuerte. „Am Beginn war es eine große Herausforderung, als Regisseurin die Verantwortung für dieses große Ding zu haben. Jetzt fällt es mir immer leichter, es macht mir sehr viel Spaß“, sagt Caroline Richards.

Heuer steht das Adventsingen im Zeichen des Stille-Nacht-Jahres. Hans Köhl verbindet daher die Entstehungsgeschichte des Liedes 1818 mit dem biblischen Geschehen (Musik: Klemens Vereno).

In Oberndorf will Joseph Mohr mit seinen „Kirchensingern“ Michael Haydns „Deutsche Messe“ aufführen, das Orgelportativ ist verstimmt, man bricht ab und beschließt, stattdessen das Weihnachtsspiel zu proben. Schließlich spielten die Schöffleute damals auch Theater, um sich im Winter finanziell über Wasser zu halten.

Es ist ein Spiel im Spiel, erstmals müssen alle Darsteller zwei Rollen interpretieren. „Die Heilerin spielt die Maria, die Mesnerin wird zur Elisabeth, die Bettlerin zum Engel … Da stellt sich die Frage, inwieweit man sehen soll, dass die Sänger sehr laienhaft Theater spielen. Ich habe mich dagegen entschieden, weil Josef und Maria beim Adventsingen glaubhaft rüberkommen müssen“, so Richards.

„Heuer hat jeder Darsteller zwei Rollen. Es ist ein Spiel im Spiel.“ Foto: Heinz Bayer

Rahmenhandlung spielt bei Schiffern in Oberndorf

Mit wenigen Ausnahmen setzt man auf das bewährte Ensemble der Vorjahre. Eine Herausforderung sei die schmale, lange Bühne des Festspielhauses, auf die Bühnenbildner Dietmar Solt eine historische Ansicht Oberndorfs baut. Da gilt es Auf- und Abgänge gut zu planen.

Zumindest sitze der 80-köpfige Chor, das erleichtere vieles, lacht Richards. Bleiben noch 18 Hirtenkinder und die sechs erwachsenen Darsteller (heuer singen alle, auch der Wirt), die es durch den Bühnenraum zu delegieren gilt. Insgesamt besteht das Team aus 150 Mitwirkenden.

Die Kostüme (Hellmut Hölzl) orientieren sich an historischen Vorbildern. Der rasche Wechsel, bedingt durch die Mehrfachrollen, sei eine Herausforderung, aber: „Wir schaffen das. Die Stimmung bei den Proben ist sehr gut.“

Trotz Stille-Nacht-Jahres werde das Adventsingen nicht zum Spektakel, verspricht Richards. „Das Ursprüngliche ist uns wichtig, wir wollen nicht, dass es abgehoben wirkt. Auch die Hirtenkinder posen nicht, sie spielen im Grunde sich selbst.“

Das Interesse an der Jubiläumsproduktion ist groß, seit Juli sind alle 16 Vorstellungen (36.000 Karten) restlos ausverkauft. Chance auf Restkarten hat man erfahrungsgemäß ab November.

Von Petra Suchanek