Motor einfach abgestellt: Der Leerlauf der Männer

Wir Frauen sind oft neidisch auf die Männer. Nein, nicht wegen dem, was Sie jetzt denken. Nein, deswegen auch nicht …

… hören Sie auf zu grinsen. Sondern wegen des Leerlaufs im Hirn. Ha! Jawoll. Was das sein soll, fragen Sie? Innere Ruhe. Die haben wir Frauen nämlich nie. Bei uns rattert es, und es rattert permanent.

Ein Mann kommt nachhause und schaltet ab. Das ist wie mit einem Auto, das den ganzen Tag unterwegs war, manchmal mit Vollgas auf der Überholspur, manchmal eher in der 30er-Zone, und am Abend, nach erreichter Kilometerzahl, wird es geparkt. Der Motor wird abgestellt, das Licht geht aus, und dann steht es da.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

So ist auch der Mann, er stellt sich ab, meistens auf der Couch, das Licht geht aus, und dann hat er es sehr gemütlich. Er macht den Fernseher an, und ab da meditiert er. Besonders gut kann er das zur Stimme eines Sportmoderators oder des Sprechers von „Universum“, der so schön monoton redet. Das lullt den Mann ein, das entspannt ihn. Das hat er sich ja auch verdient, der Gute!

Was noch so um ihn herum passiert oder woran er sich beteiligen könnte, das sieht der Mann nicht, und interessieren tut es ihn auch nicht. Dass ein Korb mit Wäsche neben ihm steht, die zusammengelegt gehört, zum Beispiel, dass noch Geschirr in die Spülmaschine passt, die man dann einschalten könnte, dass jemand die Schultaschen der Kinder checken und die Jause für morgen vorbereiten muss.

Er hat überall dort, wo was zu tun ist, einen blinden Fleck im Gesichtsfeld, wie so ein Schweizer Käse ist seine Sicht, nur in der Mitte sieht er noch ganz gut, da passt genau – so ein Zufall! – die Größe des Fernsehers rein.

Das Wurschtigkeitsgefühl, das den halbblinden, gut geparkten Mann erfüllt, das kennt die Frau nicht. Sie bemerkt die zu erledigenden Dinge alle sehr wohl, und sie erledigt sie auch. Sie ist das Gegenteil von entspannt.

Sie hat einen Motor, den man gar nicht abstellen kann, sie ist wie das Internet, das rennt auch 24 Stunden am Tag, und bei ihr gehen erst die Lichter aus, wenn sie mal durchbrennen.

Eine Frau denkt an zwanzig Dinge gleichzeitig und hat ständig Listen im Kopf. Bevor die abgearbeitet sind, kommen schon wieder neue Punkte drauf, die sind ein perpetuum mobile, diese verdammten Listen.

Die könnten sogar noch auf den Grabsteinen der Frauen stehen: Name/Geburtsdatum/Blumen gießen/Milch kaufen/Auto in die Werkstatt bringen/Couch von zerwutzelten Socken und Bröseln befreien, damit der Mann es schön gemütlich hat/Sterbetag.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at