Auch Kinder brauchen Profis

Für schwerkranke Kinder gibt es keine Obsorgepflicht durch die öffentliche Hand. Jetzt atmet die ganze Familie auf.

„Im Vorjahr konnten sogar ein paar Kinder nicht aus dem Spital entlassen werden, weil bei ihnen zu Hause nicht die erforderliche professionelle Pflege sicher gestellt werden konnte“, erzählt die diplomierte Kinderkrankenschwester Maria Haderer. Sie wiederum hatte als Selbstständige keine Möglichkeit, ihre Leistungen beim Land in Rechnung zu stellen: „Deshalb haben wir den Verein gegründet.“

Der neue, private Verein heißt MOKI, Mobile Kinderkrankenpflege. Der Name ist Programm: Pflegefachkräfte gehen in die Familien – und unterstützen die kleinen Patienten und ihre Angehörigen. Die 14-jährige Anna (Name der Red. bekannt) gehört zu ihnen. Sie hat bei einem Verkehrsunfall im Kleinkindalter ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

Ihre Mutter kümmerte sich 13 Jahre lang allein um das Kind in der höchsten Pflegestufe, nämlich 7. „Hatte ich Sorgen, war immer das Krankenhaus unsere Anlaufstelle. Ich war jedes Mal froh, wenn wir dort auf einen Arzt trafen, der uns schon kannte“, sagt sie. Kaum ein Monat verging, in dem die Familie dort nicht vorstellig wurde.

Weil Anna sich kaum bewegt, fehlt ihr sogar die Kraft um Sekret richtig abzuhusten. Das wird dann zum Nährboden für Bakterien und macht das Mädchen anfällig für Lungenentzündungen.

Im Frühjahr war es wieder soweit. „Ich stand völlig neben der Spur, hatte drei Tage lang arge Schwindelanfälle und konnte kaum aufstehen“, erzählt Annas Mutter vom Schwinden ihrer Kräfte. Ein Arzt im Spital habe sie schließlich mit dem Verein MOKI zusammen gebracht, der im Bundesland Salzburg erst wenige Woche vorher seine Tätigkeit aufgenommen hatte.

„Das richtige Personal ist schwer zu finden. Bei uns braucht es ja obendrein die Spezialisierung auf Kinder.“ Maria Haderer, MOKI

Heute verbringt Obfrau Maria Haderer zwei Mal zwei Stunden wöchentlich bei Annas Familie, übernimmt die Pflege, berät bei Hilfsmitteln und Formalitäten. „Es tut so gut, jemanden da zu haben, den man um Rat fragen kann“, sagt die Mutter und spricht von einer Art Backup: „Ich fühle mich psychisch wieder viel stärker.“

Kommt dazu: Die Familie hat ein Stück weit wieder mehr Freiheit erlangt. „Ich kann auch einmal rausgehen und guten Gewissens Zeit mit meinem zweiten Kind verbringen“, sagt die Mutter. Ihr ganzes Familiensystem profitiere von der neuen Situation.

Sieben Euro pro Stunde wird als Satz vom Pflegegeld eingehoben, den Rest auf einen Stundensatz von 45 Euro schießt das Land zu. Beantragt hätte die Familie acht Wochenstunden, die Hälfte wurde vorerst genehmigt. „Angesichts der Tatsache, dass ich 13 Jahre lang auf mich allein gestellt war, ist das eigentlich beschämend“, sagt die Mutter. Ihr Mann und sie versuchen es aktuell ein zweites Mal beim Land.

Der Verein MOKI befindet sich nach wie vor im Aufbau. Elf kleine Patienten werden über das Team aus sieben Fachkräften derzeit im Bundesland betreut. „Der Aufbau der Strukturen gestaltet sich schwierig, die Personalsuche auch, weil bei uns ja obendrein noch die Spezialisierung auf Kinder gefragt ist“, bekennt Haderer, die den Bedarf – samt Frühgeburtenbetreuung – auf 150 bis 200 Familien schätzt.

Die Zahlen hat sie von den Partnervereinen aufs Salzburger Bundesland herunter gerechnet. MOKI-Zweigstellen gibt es nämlich bis auf Tirol und Vorarlberg bereits in allen Ländern. In Wien blickt man sogar auf zehn Jahre Erfahrung zurück.

Von Sigrid Scharf

Zum Bild: Das Pflegebett haben Annas Eltern eigens für sie rosa bemalt. Maria Haderer, Salzburg-Obfrau von MOKI, der Mobilen Kinderkrankenpflege, kommt sie regelmäßig besuchen, um ihre Familie zu entlasten. Bild: Scharf