Essen mit dem 1000-Schilling-Blick

Der Weiherwirt am Leopoldskroner Weiher hat eine harte Zeit hinter sich. Jetzt brummt er wieder.

Es gibt eine ganze Schar von Freunden, die den Vorkoster mit kulinarischen Erfahrungen versorgt. Ein buntes Volk, vom Fleischtiger bis zur Veganerin, quasi seine Seismographen, die jede Bewegung in der Szene getreulich vermerken. Und aus diesem Kreis kam jüngst die Aufforderung, einem Restaurant eine zweite Chance zu geben, dem Weiherwirt. Es sei dort nicht nur toll sitzen, auch wieder gut zu essen.

Der Betrieb hat eine harte Zeit hinter sich. Im Jänner 2016 war der Pächter in den Konkurs geschlittert, 236.000 Euro Überschuldung laut Gläubigerschutzverband. Zwei Jahre lang mussten die Miesen abgestottert werden, heuer ist die Pleite überstanden. Das Haus erlebte auch kulinarisch ein Auf und Ab.

2013 hatte Wirt Murat Caliskan einen Könner am Herd engagiert: Michael Pratter, da regnete es Lob und Hauben. Nachdem Pratter wechselte, um das Sternbräu vorbildlich aufzustellen, führte Caliskan selber die Küche, was nicht von allen Gästen goutiert wurde. Offenbar kehrte nun Zufriedenheit zurück.

Der Weiherwirt punktet auch mit seinem wunderschönen Ausblick auf Schloss Leopoldskron und den Weiher. Foto: privat

Die Lage hat etwas Besonderes: direkt am Leopoldskroner Weiher, der bekanntlich so wunderschön ist, dass er samt Schloss und Festung die letzte 1000-Schilling-Note zieren durfte. Und gegenüber der Weiherwirt, ein luftig daliegendes Haus, ein Nebengebäude des Schlosses, auch über 200 Jahre alt. Dieses Theater zu bespielen scheint nicht so einfach. Da gab es mal eine von Italienern geführte Pizzeria, dann jahrelang Leerstand bis wieder Leben einzog.

Wir waren zeitig gekommen, die Küche liefert Speisen schon ab 18 Uhr. Natürlich wollten wir an diesem milden Abend im Garten sitzen und später kann es frisch werden. Diese Idee hatten wir nicht allein, eine Familie feierte, drei Generationen am langen Tisch, zwei Paare prosteten sich mit Rotwein zu, dazwischen hatten sich drei Chinesen gesetzt, Überbleibsel des Festspielsommers. Gutes Publikum.

Wobei man ohnehin stets den Blick schweifen lässt: auf die Fassade vom Schloss Leopoldskron, leuchtend im Abendlicht, die Angler am Teich, die großen alten Bäume am Ufer, flanierende Spaziergänger, ruhige Läufer, eine herzerwärmende Szenerie.

Was kocht man an solch einem Ort? Viel Fisch, antwortet Murat Caliskan. Da der nicht aus dem Wasser nebenan stammt, ist es auch egal, wenn dann zu See- auch Meeresgetier findet. Die safranbestreuselte Fischsuppe (€ 7,80) war curry-fruchtig angelegt, ein leichter Süßestich, die Fischstückchen waren saftig geblieben, angenehm.

Die pikanten Garnelen (€ 12,80) erlebten im Tomaten-Ragout tatsächlich eine gewisse Schärfe, das Getier selber war festfleischig, auch tadellos. Hausgemacht die Tagliatelle zu Filetstreifen vom Rind (€ 16,90), hübsch zitronig die Sauce, leicht rosig das Fleisch. Als Klassiker gelten die faschierten Laibchen vom Rind (€ 15,90) auf Erdäpfelpüree. Wobei Caliskan zart mit Trüffel würzte, der Vorkoster hält viel Butter für das bessere Dopingmittel.

Die Topfenknödel zum Schluss (€ 8,80) erwiesen sich als artgerecht topfig und flaumig. Die Weinpreise sind moderat, da hat sich jemand die Haube verdient.
Stammgäste kommen und sagen „Wie immer“, der Kellner fragt nur: „Die große oder die kleine Portion?“. Am Wochenende ist jeder Tisch reserviert. Der Weiherwirt brummt wieder.

Weiherwirt, König-Ludwig-Straße 2, 5020 Salzburg, Tel. 0662/829324, www.weiherwirt.at