„Nein, wir essen noch keine Vanillekipferl“

Es ist Jubiläumsjahr. Muss „Stille Nacht“ schon jetzt Thema sein? Wir sprachen mit jemand, der sich derzeit rund um die Uhr damit beschäftigt.

Die Rede ist von Paul Estrela. Er ist Geschäftsführer der Stille Nacht GmbH. Dabei handelt es sich um eine 100-Prozent-Gesellschaft des Landes. Sie ist mit einem Budget von 1,6 Mill. Euro ausgestattet und wurde 2018 gegründet.

Neben dem Land sind auch die Stille-Nacht-Gemeinden Oberndorf, Arnsdorf, Hallein, Hintersee, Mariapfarr, Wagrain und die Stadt Salzburg mit dabei. Weihnachtsgedanken bei fast sommerlichen Temperaturen? Kommt das nicht zu früh?

SF: Singen Sie im Büro schon Weihnachtslieder und essen Vanillekipferl? Immerhin fand schon die Auftaktveranstaltung für das Jubiläum „200 Jahre Stille Nacht“ statt.
Paul Estrela: Ich muss Sie enttäuschen. Punsch und Gebäck gibt es erst später. Wir sind noch lange nicht bei Weihnachten angelangt. Und in den Museen, die sich mit der Thematik beschäftigen, ist es ja auch nicht so, dass die mit Lametta und Kugeln geschmückt sind. Es besteht der Anspruch, dass sich die Regionalmuseen ganzjährig aus speziellen Blickwinkeln mit „Stille Nacht“ beschäftigen.

SF: Aber ist es bitte nicht trotzdem zu früh?
Ja, das stimmt schon. Dieses Lied ist ein Lied für den Weihnachtsabend. Es hat auch nichts im Advent verloren. Heuer braucht es einen pragmatischen Zugang. Es lohnt sich nicht, eine Landesausstellung, wie sie im Salzburg Museum konzipiert wurde, für einen Zeitraum von unter vier Monaten zu gestalten. Andererseits: Sie über den 2. Februar, also Lichtmess hinaus zu zelebrieren, geht nicht. Sich an diesen Parameter zu halten war eine Devise. Na, ja: Heuer ist der Sommer besonders schön gewesen und hat lang gedauert – dennoch liegen in manchen Geschäften schon Weihnachtsstollen bereit.

SF: Es soll bald Schnee bis in die Täler geben …
(lacht) Mag sein. Ich hab ihn nicht bestellt und hätte dafür auch kein Geld im Budget.

SF: Im Ernst: Ist nicht die Gefahr einer Art Stille-Nacht-Allergie gegeben bei so viel Brimborium?
Ja, die Gefahr besteht. Es ist für uns alle ein persönliches Kulturgut. Doch die Landesausstellung gibt einen sehr würdigen Rahmen. Sie ist Garant für die Reflexion des Themas. Und zwar aus einer respektvollen Position.

SF: Haben Sie einen speziellen Auftrag?
Der Friedensgedanke steht im Zentrum unserer Arbeit. Es gibt viele geförderte Projekte. Ein großer Block rund um die Kultur des Friedens wird gemeinsam von der Plattform für Menschenrechte, dem Friedensbüro und der Robert-Jungk-Bibliothek gestaltet.

Der erstreckt sich in die Zukunft, hat aber auch ganz pragmatische Ansätze wie den friedlichen Umgang in der Schule. Gemeinsam mit Pro Juventute etwa werden im Kollektiv mit Jugendlichen Betten gebaut. Als Symbol für eine stille Nacht, also für guten Schlaf, der sich ja vor allem finden lässt, wenn man in Frieden und in Sicherheit leben kann.

Natürlich wird es zur entsprechenden Zeit all die Hirtenspiele und Feierlichkeiten geben, die rund um Weihnachten ihren Platz haben. Gefördert werden über 100 Projekte. Auf dem Programm stehen 600 Veranstaltungen. Das geht bis zu „The Mass“ von Leonard Bernstein, durch dessen Werk sich ja eine interkonfessionelle Idee zieht.

Von Heinz Bayer