Lasst uns mal das Thema wechseln

„Deiner ist jetzt eineinhalb, oder?“ „Nein, nein, er ist neunzehn Monate!“ Was, frag ich mich in solchen Momenten, hab ich eigentlich angestellt?

Was hab ich getan, dass ich solchen Dialogen zuhören muss? „Aber er ist total weit für sein Alter. Er kann schon x und y und xyz.“ So sagt das natürlich niemand, aber in meinen Ohren klingt es danach. Weil, Leute, seid mal ehrlich: Mamatalk ist nicht unbedingt spannend.

Ich verstehe das Redebedürfnis, die Kinder stellen ab dem Zeitpunkt, da sie in unser Leben treten, selbiges auf den Kopf, sie sind unser größtes und wichtigstes Thema. Sie beherrschen unseren Alltag.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Und grade am Anfang, mit diesem frischen Baby, für das man plötzlich verantwortlich ist, tut es gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, jemanden fragen zu können: Ist das bei euch auch so? Ist das normal?

Natürlich rede ich über meine Kinder, aber es kommt halt drauf an, mit wem: mit den Opas und Omas, mit Freunden. Äußerst ungern mit fremden Leuten, mit denen ich zufällig zusammengewürfelt werde auf einem Schulfest oder einem Kindergeburtstag, und dann auch bloß, wenn ich gefragt werde und nicht auskomme. Auch dass die Mamas halt einfach stolz sind, versteh ich, ich bin das ja genauso!

Aber Gespräche, die stundenlang um das Eine kreisen, sind sowas von ermüdend: wunde Brustwarzen, cremiger oder senffarbener Windelinhalt, die eine Phase, das Zahnen, die andere Phase, und zum Thema Schlafen wurden ganze Bücher geschrieben. Nach ein paar Stunden denke ich nur noch: Hhhhhhhhh.

Es ist, seien wir nochmal ehrlich, kein Wunder, dass kinderlose Menschen uns meiden. Dass sie der Meinung sind, man könne nicht normal reden mit uns – etwa über Kinofilme („Ich weiß gar nicht mehr, was da überhaupt läuft“), über Stylingtrends („Diese Schwangerschaftshosen sind sooo bequem, am liebsten würd’ ich sie nie mehr ausziehen“), über Bücher („Ich kann nicht mehr lesen, mit meiner Stilldemenz vergess ich nach 20 Seiten, was am Anfang passiert ist“) oder über Politik („Hauptsache, sie kürzen nicht das Kindergeld“).

Jetzt bin ich gar nicht kinderlos, doch dass sich viele Mamas in ihrer Themenwahl selbst so einschränken, stört mich trotzdem. Wo bist denn du, möchte ich sie fragen, wo unter all dem Mamatalk ist deine eigene Meinung, deine Persönlichkeit, wo sind deine Interessen?

Darüber zu reden, wär doch viel spannender als das ewige Vergleichen von Nachwuchs A mit Nachwuchs B. Weil ob ein Kind was mit eineinhalb Jahren lernt oder mit neunzehn Monaten ist doch, mit Verlaub, einfach nur wurscht.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at