Der Garten als Winterquartier

Im Herbst kommt die Natur zur Ruhe. Die sollte man ihr auch lassen. Die tierischen Mitbewohner werden es uns danken.

Ordnung muss sein, das hören Kinder von klein auf. Die Natur hat es mit dem Aufräumen allerdings nicht so: „Der typische Gartenputz im Herbst ist kontraproduktiv. Sinnvoller ist es, diesen im Frühjahr zu machen“, sagt Johannes Reitsamer, Schutzgebietsbetreuer im Haus der Natur.

Als solcher ist er ständig in Wald und Wiese unterwegs. Er weiß: Ein naturnah gehaltener Garten ist für die Überwinterung unserer Wildtiere förderlich. „Wenn jeder ein paar Refugien bereitstellt, ist ihnen schon geholfen.“ Was kann man im Konkreten tun? Reitsamer gibt folgende Tipps:

Altgras stehen- und Laub liegenlassen. Blumenbeete nicht niederschneiden.

Im Laub unter Hecken und Sträuchern überwintern gern Insekten, im Winter scharren Vögel darin nach Futter. Deshalb sollte man nicht alles penibel ausrechen.

In abgestorbenen, markhaltigen Pflanzenstängeln nisten sich gern Insekten ein. Gerade in Blumenbeeten finden sich oft passende Gelegenheiten für sie. Der Samen der Blumen – Distel, Karde, etc. – ist Vögeln und Kleintieren Futter.

Schmetterlingsraupen graben sich oft in die obersten Pflanzenschichten ein – wer diese entfernt und den Rasen noch einmal ordentlich stutzt, putzt damit auch Tagfalter-Puppen und -Raupen weg. Rasenroboter sind ohnehin der Tod jeglicher Vielfalt. Reitsamer: „Da darf man sich nicht wundern, wenn dann nur Spatzen zum Futterhaus kommen.“

Amphibien wie Kröten und Molche suchen gern unter Steinplatten Schutz vorm Winter. Aufräumen sollte man daher erst im Frühjahr. Foto: Pixabay

Etwas Fallobst liegenlassen, Beerensträucher nicht vollständig abernten.

Kleintiere, Insekten und Vögel stärken sich damit für den Winter. Amseln picken gern Fallobst.

Ast- und Laubhaufen in ruhigen Ecken lassen. Holz- und Bretterstapel sowie Steinplatten im Spätherbst nicht umräumen. Fallen vermeiden.

In den Haufen und Stapeln überwintern die verschiedensten Tierarten. Insekten, Igel, Mäuse und Kleinsäuger nutzen sie als Winterquartier, aber auch Reptilien und Amphibien. Diese (Molche, Kröten, etc.) verstecken sich auch gern unter Steinplatten.

Für Igel kann man auch selbst Unterschlupfe bauen. Dabei achten, dass diese wasserdicht sind.

Leere Blumentöpfe unbedingt auf den Kopf stellen. Sie werden Tieren oft zur Falle. Einmal hineingefallen, kommen sie nicht mehr heraus. Sie verhungern, verdursten oder ertrinken, wenn sich die Töpfe mit Regenwasser füllen.

Igel nisten sich zwecks Winterschlaf gern in Laubhaufen ein – wilde Ecken im Garten helfen ihnen . Foto: Pixabay

Vögel richtig füttern, Nistkästen im Oktober reinigen.

Wer ein Futterhäuschen aufstellt, sollte darauf achten, dass es katzensicher ist und die Vögel nicht reinkoten können. Das Futter sollte qualitativ und abwechslungsreich sein (Fette, Getreide, Obst, Beeren).

Wenn man füttert, sollte man kontinuierlich füttern, weil sich die Vögel darauf einstellen. Ist plötzlich kein Futter da, bedeutet das Stress. Nistkästen sollten im Oktober gereinigt werden, damit die Vögel im Frühjahr ungestört einziehen können. Nähere Infos bzgl. Füttern und Vogelschutz: www.birdlife.at

Der Herbst ist die beste Zeit, um Gehölze zu pflanzen. Dabei Heimisches bevorzugen.

Wenn man Hecken anlegt oder anderswo Sträucher pflanzt, sollte man zu heimischen, beerentragenden Gehölzen greifen, rät Reitsamer: „Man glaubt nicht, was das ausmacht.“ Diese sind in den Gärtnereien oft schwer zu finden.

Reitsamer empfiehlt, beim BFZ (Bäuerliche Forstpflanzenzüchter) zu bestellen, falls man nicht fündig wird. Der Verein aus Oberösterreich führt 42 verschiedene heimische Gehölze aus heimischer Zucht. Geliefert wird nach Seekirchen, es gibt festgelegte Abholtage. Info: www.bfz-gruenbach.at

Von Petra Suchanek