1360 Euro für zwei Zimmer im Wohnblock

Bauboom: Jährlich entstehen im Schnitt 700 neue Wohnungen in der Stadt. Aber die freien Mietpreise  steigen immer weiter.

In Europas Städten ist eine Entwicklung  im Gang, die im Lauf der Geschichte stets zu gesellschaftlichen Verwerfungen geführt hat: Die Wohnkosten explodieren. In London hausen   Geringverdiener in Wohnwagen, in Paris werden 1000 Euro für schäbige Kammern verlangt. In München, wo die Mieten in Richtung 20 Euro „warm“ je Quadratmeter gehen, gingen jetzt zehntausend Menschen wegen der bedrückenden Lebenssituation auf die Straße. In Salzburg sind 15, 16 Euro inklusive Betriebskosten auf dem freien Markt Gang und Gäbe, die Internetplattform Immobilienscout24 gibt aktuell sogar 18 Euro je Quadratmeter an. Und es geht noch mehr.

880 Mrd. Euro in Immobilien

In der neuen Großsiedlung in der Riedenburg wurde ein Teil der 300 Wohneinheiten von einem privaten Bauträger errichtet. Dort werden  Mieten von 20, 21, ja über 23 Euro veranschlagt: Dann kosten zwei Zimmer (64 qm) 1358 Euro mit Betriebskosten, drei Zimmer (76 qm) 1515 Euro und vier Zimmer (109 qm) 2560 Euro. Etliche  dieser Luxusmietwohnungen sind laut Makler-Website bereits vermietet – sie liegen in Wurfweite der nahen Blocks mit den Sozialwohnungen, die nur halb so viel kosten und ebenfalls nicht schlecht ausgestattet sind.

Preisexplosion seit 1980ern

Die Mietpreise steigen seit den 1980er-Jahren, als die Politik den Immobilienmarkt von der Leine ließ. Die rot regierte Stadt dezimierte ihre 5000 billigen Gemeindewohnungen auf nunmehr ganze 1800; gleichzeitig entstanden jährlich im Schnitt 700 Wohnungen neu, 17.000 Wohnungen von 1992 bis 2016 laut Planungsabteilung der Stadt, die Hälfte davon geförderte Mietwohnungen. Und es erfolgte ein dramatischer Wandel der Städte hin zu Ballungszentren mit dynamischer  Migration, rarem Bauland, Spekulation, Luxussanierungen,

15.000 Zweitwohnungen

So werden laut  Statistik Austria 15.000 Wohnungen in der Stadt Salzburg nicht als Hauptwohnsitz genutzt. Das bundesweite Immobilienvermögen von 880 Mrd.  Euro konzentriert sich zudem in den Händen weniger: 530 Mrd. Euro halten laut einer Studie der österreichischen Armutskonferenz die obersten zehn Prozent der Einkommensklassen. Die Normalbevölkerung kommt dabei unter die Räder.

Ungesicherte Mittelschicht

Junge Salzburger   ziehen nach Freilassing oder  noch weiter weg, um günstiger zu wohnen. Beim Mieterschutzverband sind Überprüfungen der Betriebskosten „ein Dauerbrenner“, zudem würden Kautionen zunehmend nicht mehr zurückgezahlt, schildert Jurist  Andreas Freilinger. Die unteren 20 bis 50 Prozent der Bevölkerung führten einen ständigen Kampf mit den teuren Wohnverhältnissen, sagt ein Experte einer großen Sozialorganisation. „Da arbeiten beide, es gibt Kinder, da darf nichts passieren. Die strampeln sich ab, um mit den Zahlungen zurecht zu kommen, die übertauchen Krisen.  Das ist die ungesicherte Mittelschicht. Daraus  entsteht auch die aggressive Stimmung, die wir spüren.“

Sonja Wenger

 Stadt stieß 3000 billige Gemeindewohnungen ab

1989 gab es in Salzburg noch 5040 Gemeindewohnungen, heute sind es 1850. Die Stadt hat ihre Immobilien an die Gswb abgetreten, teilweise  verkauft. Es ist der billigste Wohnraum, mit Nettomieten von 5,40 Euro  (Richtwertzins  7,71 Euro minus 30 Prozent Abschlag). 18.850 geförderte Wohnungen oder 21 Prozent der  insgesamt 87.950 Wohneinheiten in der Stadt gehören gemeinnützigen Bauträgern. In älteren Genossenschaftswohnungen steigen die Mieten sprunghaft an, oft bis zu 12 Euro mit Betriebskosten.