Im Fall der Fälle: Apfel gerieben

Geriebener Apfel ergibt einen braunen Paaatz – der wunderbar gegen Durchfall hilft. Ein denkbar einfaches Hausmittel.

Den Apfel mag ich ja am liebsten in flüssiger Form: als Apfelsaft. Und zwar selbst gepresst beim Obst- und Gartenbauverein. Die Äpfel werden zuerst von einer Maschine zu einem Mus gehäckselt, dann kommt der dicke Brei in die Presse und schon rinnt der frische Apfelsaft heraus. Beim Anblick von diesem rohen Apfelmus denke ich immer an Durchfall. Weil dagegen gibt es kaum ein besseres Hausmittel. Den Apfel einfach schälen und fein reiben. Wenn sich der Brei schnell braun verfärbt ist das ein gutes Zeichen. Das Enzym Polyphenoloxidase hat sich in dem Fall an die Arbeit gemacht und oxidiert mit Hilfe vom Sauerstoff aus der Luft die Polyphenole. Der Apfel wird sozusagen rostig. Dadurch entsteht zuerst eine gelbe Substanz, das Chinon. Das wehrt für die Pflanze Mikroorganismen ab. In weiterer Folge entsteht braunes Melanin. Das ist das Braun, das auch unsere Haut färbt.

Ausgerechnet der braune Paaatz vom geriebenen Apfel ist nun ein hervorragendes Mittel bei Durchfall. Weil einerseits wirkt er antimikrobiell durch das Chinon und andererseits saugt das freigewordene Pektin viel, viel Wasser auf. So wird der Durchfall gebremst. Pektin ist ein Quellstoff, der die 60-fache Menge Wasser bindet. Deshalb hilft er uns auch beim Dicklegen von Marmelade oder Gelee. Pektin ist zudem ein leicht verdaulicher Ballaststoff, der den Darm nicht zusätzlich belastet. Ganz im Gegenteil, die Darmbakterien freuen sich über die Extra-Mahlzeit. Pektin gilt nämlich als Präbiotikum, also als Futter für die Darmbakterien.

Das Hausmittel gegen Durchfall ist denkbar einfach: den Apfel schälen, fein reiben, eventuell einige Minuten stehen lassen und solang ausschließlich essen, bis sich der Durchfall beruhigt hat. Schmeckt sogar ganz gut.
Der frische Apfelsaft bewirkt genau das Gegenteil, da ist ja auch das Pektin komplett weg.

Von Karin Buchart

Foto: Heinz Bayer