Zugriff verweigert: Nix mehr mit Hirnwäsche

Ich finde, wir sollten uns öfter mal verweigern. Einfach nicht zwingen lassen, das zu machen, was wir nicht machen wollen.

Uns selber schiach finden zum Beispiel. Will doch eigentlich keiner! Und dennoch: Zeigen Sie mir eine Frau, die nicht sofort bereitwillig erklärt, was alles an ihr greislich ist. Die Haare zu fein, der Hintern zu groß, die Cellulite zu vorhanden.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Was auch keiner will: unzufrieden sein. Und trotzdem quillt fast jedem die Unzufriedenheit aus den Poren. Weil uns permanent und überall eingeredet wird, dass wir in jeder Hinsicht optimierungsbedürftig sind. An uns passt einfach nix. Der Körper nicht, das Gewicht nicht, die Fitness sowieso nicht – das ginge alles besser.

Außerdem könnte das Auto größer sein, die Wohnung auch, der Urlaub ist zu unluxuriös, das iPhone schon wieder veraltet, die Beförderung ausständig. Aber wenn wir die Diät machen, die in dem Frauenmagazin steht, und wenn wir den Lippenstift kaufen, der länger hält, und wenn wir diese Koffeintabletten schlucken, um leistungsfähiger zu werden, DANN! Dann wird alles gut und wir werden sehr glücklich.

Ich hab die Schnauze voll von diesem Narrativ. Als Frau soll ich schlank sein, aber nicht zu sehr, ich soll Karriere machen, aber die Kinder nicht vernachlässigen, ich soll mich emanzipiert wehren, aber nicht rumzicken. Und am allerwenigsten soll ich mich selber mögen. Nur ist mir inzwischen herzlich wurscht, was ich soll.

Und jetzt sag ich Ihnen was, das man gar nicht sagen darf in dieser Welt, in dieser den Konsummechanismen unterworfenen Gesellschaft: Ich find mich gut. Das tu ich wirklich. Ich bin nicht perfekt, bei Weitem nicht. Körperlich nicht, weil es hier und da schwabbelt und speckt, charakterlich nicht, weil zu direkt, zu goschert, zu bissig, und ab und zu mach ich was, das einfach nur blöd ist. Aber ich mag mich.

Und ist es nicht arg, dass ich mich dafür rechtfertigen, fast schon entschuldigen muss? Dass Sie jetzt vielleicht denken: arrogante Bitch, diese Fallwickl, also ICH an ihrer Stelle wär ja nicht so überzeugt von mir? So sind wir erzogen, so werden wir geformt. Wir unterwerfen uns diesem Diktat, geben unser Hirn zur Wäsche her.

Wir lassen nicht nur zu, dass andere willkürliche Schablonen für unsere Körper und unsere Leben entwerfen, wir versuchen auch noch eifrig, unsere Körper und unsere Leben da hineinzupressen. Dabei könnten wir stärker sein als das alles, wir könnten freier sein und sicher auch zufriedener. Denn wir könnten uns einfach weigern, das noch länger mitzumachen.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at