Falter: Ihr Flügelschlag ist sehr fragil

Der Lebensraum der Schmetterlinge schwindet. Wer im Herbst seinen Garten umgestaltet, sollte auch an sie denken.

Früher hatte Patrick Gros in seinem Garten bei Koppl Rasen und exotische Sträucher wie Forsythien, die schön blühen, wenig Arbeit machen und deshalb allseits beliebt sind – nicht so bei Schmetterlingen. Deshalb ließ Gros den Humus abtragen, brachte Sand und Kies auf, streute Wildblumensamen aus und pflanzte alte heimische Sträucher wie die Schlehe.

Der Goldene Scheckenfalter ist in Salzburg stark gefährdet, er bevorzugt im Herbst gemähte und nicht gedüngte Niedermoorstreuwiesen.  Bild: Patrick Gros

Sodann kamen die Schmetterlinge, rund 500 Arten zählte er bislang in seinem Garten. Gros kann sie unterscheiden, er ist Schmetterlingsexperte und als solcher im Haus der Natur tätig. Er steuerte auch den Salzburgteil zum Report „Ausgeflattert. Der stille Tod der österreichischen Schmetterlinge“ der Stiftung Blühendes Österreich und GLOBAL 2000 bei.

30 Prozent der Tagfalter sind bei uns ausgestorben

Darin hält Gros fest: 30 Prozent der in Salzburg nachgewiesenen Tagfalterarten sind in den Tallagen ausgestorben, die weiteren Arten deutlich seltener geworden. Inneralpin sieht es besser auch, doch auch hier droht den Schmetterlingen Ungemach.

Die Ursache ist leicht auszumachen, sie ist auch für das Verschwinden anderer Insekten verantwortlich: Die zunehmende Verbauung und Versiegelung des Bodens und vor allem die intensive Bewirtschaftung der Wiesen und Felder zerstören den Lebensraum der Falter. „Gedüngte Wiesen sind sehr nährstoffreich, das ist gut für manche Gräser, die extrem dicht wachsen und deshalb alles verdrängen. Wird dann noch drei bis fünf Mal im Jahr gemäht, gibt es keine Blüten. Die Vielfalt schwindet“, so Gros.

Wunderschön: Der Schwalbenschwanz, hier eine südamerikanische Art. Foto: Pixabay

Bei der Nahrungsquelle sind die meisten Schmetterlingsarten noch flexibel, doch ihre Raupen sind Spezialisten, sie fressen meist nur eine bestimmte Pflanze oder Pflanzengruppe. Das trifft auch auf Zitronenfalter und Tagpfauenauge zu, die noch relativ häufig vorkommen. Schmetterlinge sind keine Einzelgänger, sie flattern im Kollektiv.

Ihr Überleben hängt an drei Faktoren, die heute meist unterschritten würden, erklärt Gros. Sie brauchen erstens Wiesen mit Futterpflanzen, die groß genug sind, damit sie überleben können. Dann muss die Art und die Qualität der Pflanzen stimmen. Und letztlich spielt die Isolation eine Rolle. Schmetterlinge fliegen maximal drei bis fünf Kilometer weit. Ist in diesem Umkreis zu wenig Futter vorhanden, sterben sie. Es müssen nicht immer großflächige Wiesen sein, es reichen auch „Flecken“ in geringem Abstand, welche die Schmetterlinge anfliegen können.

Wilde Ecken stehen lassen und Heimisches pflanzen

Deshalb plädiert Gros dafür, nicht alles niederzumähen, Streifen an Feld- und Straßenrändern stehen zu lassen. Gibt es genug Gärten mit „wilden“ Ecken, kann eine Schmetterlingspopulation auch in der Stadt ein Zuhause finden. „Wenn das jeder machen würde, hätten die Tiere Trittsteine, um auf ihrem Weg Energie zu tanken“, sagt Gros.

Das Tagpfauenauge kommt hierzulande noch relativ häufig vor. Foto: Pixabay

Mensch und Schmetterling sind grundsätzlich kein schlechtes Gespann. Die Falter brauchen offene Flächen, die der Mensch durch Bewirtschaftung schafft. Nur ist es heute zu viel des Guten. „Früher konnte es sein, dass eine Wiese ein Jahr nicht gemäht wurde oder erst im Herbst“, sagt Gros. Lebte man vor 100, 200 Jahren, würde man merken, dass damals noch viel mehr rumflatterte.

Der Tod der Schmetterlinge erfolgt von vielen unbemerkt, weil nicht alle Exemplare auffällig und bunt sind. Von den knapp 2500 Arten in Salzburg sind die Hälfte Kleinschmetterlinge, von den Großen sind nur etwa 150 Arten Tagfalter.

Schon als Einzelner kann man den Tieren helfen. Um das Überleben der Arten zu sichern, brauche es aber größere Maßnahmen, so Gros. Seine Vision ist, dass die Bauern Förderungen erhielten, um naturnahe Flächen zu schaffen, anstatt im Übermaß zu produzieren. Davon würde letztlich auch der Tourismus profitieren.

Von Petra Suchanek