Eine Torte für den „Führer“

Am Wallersee fanden laut Zeugen bizarre Feiern zu Hitlers Geburtstag statt. Es gibt Querverbindungen zur FPÖ. Eine Anzeige an die Justiz kam nicht an.

Es seien versteckte Ecken am Wallersee, Campingplätze, Seeufer, Vereinsheime, wo ein spezieller Personenkreis obskuren Neigungen nachgehe. In diesen Biotopen huldige man der braunen Vergangenheit: Man feiere Hitlers Geburtstag am 20. April, zeige im Schnapsgefühl den deutschen Gruß oder lasse kleine Geschenke mit NS-Insignien kursieren: vom Eisstock mit Hakenkreuzintarsie bis zur Schiffsmalerei mit SS-Runen.

„Als Gauleiter begrüßt“

So beschreiben Gesprächspartner des „Fensters“, unter ihnen Ortsbewohner, Gemeindepolitiker und Camper, die geheime NS-Folklore am See. Viele wüssten davon, aber niemand spreche darüber. Auch in einer anonymen Anzeige an die Staatsanwaltschaft, die dem SF vorliegt, werden Sachverhalte geschildert. Das Schreiben ist bei der Behörde jedoch nicht bekannt. Möglicherweise würde gegen unbekannte Täter ermittelt, meinte Sprecher Robert Holzleitner.

Hakenkreuzfahne als Tischtuch

Ein Flachgauer, der unfreiwillig Zeuge einer solch bizarren Feier wurde, erzählt dies: „Ich kann Ihnen verbindlich sagen, dass dort unten gefeiert wird.  Aber diese  Leute haben einen solchen Stand, dass sich keiner was zu sagen traut.“  Man sei zu viert an einem Vormittag in einer Gaststätte am See gewesen, als man auf die Vorgänge  am Nebentisch aufmerksam wurde. „Dort saßen vier bis sechs Leute. Einen kannte ich. Einen haben sie als Gauleiter begrüßt, der war von auswärts. Sie hatten eine Hakenkreuzfahne  als Tischtuch dabei. Dann ging einer von der Gruppe mit einer Torte an uns vorbei. Wir konnten sehen, dass die   mit  SS-Zeichen verziert war.“ Man sei „total perplex“ gewesen, habe rasch ausgetrunken und das Weite gesucht.

SL 88 und die Folgen

Laut Anzeige wurde die Torte bei einer Flachgauer Bäckerei  produziert. Eine Beschäftigte habe sich   darüber „heftig mokiert“. Was die Frau   dem SF bestätigt. „Ich weiß, dass einmal was gemacht worden ist, dass so eine  Torte  bestellt wurde. Ob mit Hakenkreuz  drauf oder was anderem, möchte ich nicht beschwören. Man sollte damit nicht spaßen, aber ein paar Leute  sympathisieren damit“, so die Frau.
Dieser Freundeskreis treffe sich in einem Campingplatzrestaurant am See. Dort führen Querverbindungen zur FPÖ. Betreiber Josef B. war kurze Zeit der neue Ortsparteiobmann, sein Onkel, der Liegenschaftsbesitzer, sei Mitglied, so B. Der 26-Jährige weist die Vorwürfe entsetzt   zurück. „Ich habe noch nie etwas von solchen Feiern gehört. Ich sitze Jahr und Tag nicht in dem Gasthaus. Hätte  ich so einen Scheiß    gesehen, wären alle hochkant hinausgeflogen.“ Der Jung-Blaue sorgte heuer bereits mit seinem Wunschkennzeichen für Wirbel: Es endet mit „88“, was als Code für „Heil Hitler“ gilt. Er habe die Nummerntafel  schon seit 2012, es sei  ein  privates Datum, versichert B. Man prüfe gerade, ob die Behörde einen Umtausch bezahle: „Auf Camp 2, weil Camp 1 ist der Onkel.“ Die Partei habe B. den Rückzug nahegelegt, sagt ein freiheitlicher Gemeindepolitiker.

Deutscher Gruß mit Schnaps

Auch am anderen Seeufer hat ein  Dauercamper schauerliche Dinge erlebt. „Bei einer Hochzeit haben sie Schnaps getrunken. Dann ist die Gesellschaft zum See hinunter, der Bräutigam hat den Hitlergruß gezeigt, das war eindeutig.“ Einmal habe seine neunjährige Tochter gefragt, wer Adolf Hitler sei? Ein kleiner Junge aus einer ostdeutschen Camping-Runde habe erzählt, man feiere heute den Geburtstag dieses Mannes. Der Salzburger Camper hat das extreme Gerede oft kritisiert. „Am Ende haben sie mich vom Platz geschmissen.“

Sonja Wenger

 

Wunschkennzeichen und Nazi-Codes

Seit 2015 sind bestimmte Kennzeichen verboten. Dazu gehören bekannte Kürzel wie „NS“ oder „SS“, aber auch Zahlencodes, die Neonazis anstelle des Alphabets verwenden. Bekannt ist etwa „88“ für „Heil Hitler“. Ein in Salzburg lebender Deutscher, der dieses Kennzeichen fuhr und NS-Inhalte über WhatsApp verbreitete, wurde Ende 2017 wegen Wiederbetätigung zu drei Jahren bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Eine Logopädin aus dem 18. Wiener Gemeindebezirk musste unlängst ihre Tafel „LOGO 18“ – zu ihrer Verärgerung – abgeben. Man könne die Zahl auch als Adolf Hitler lesen, meinte das Amt. Bereits vergebene Tafeln wie jene des Flachgauer FPÖ-Mannes sind laut Behörde 15 Jahre gültig.