Die Testamente des Millionärs

Mordfall Krenn wird nun in Wien geprüft. Viele Geheimnisse liegen noch im Dunkeln.

Der Mordfall Roland Krenn geht in die nächste Runde. Der Gerichtsakt ist auf dem Weg nach Wien, wo der OGH und die Generalprokuratur sich mit den Rechtsmitteln der Verteidigung befassen werden. Sein Mandant sei kein Psychopath und Mörder, sagt Anwalt Franz Essl. Der Tod des 63-Jährigen sei Folge eines „schief gelaufenen schweren Raubs“ gewesen. Drei junge Leute wurden  wegen Mordes zu sieben bis 16 Jahren (nicht rechtskräftig) verurteilt.

Roland Krenn: Er wurde 2016 ermordet, zwei Frauen streiten um das Erbe. Bild: Polizei

 

 

Er bedachte Freundinnen

Möglicherweise bringt die Befassung der obersten Anklagebehörde eine Wende. Die Generalanwälte prüfen die korrekte Arbeit der Justiz und haben auch schon Urteile aufgehoben. So etwa im Prozess um die Millionenbetrügereien mit gefälschten Testamenten am Bezirksgericht Dornbirn, die in Salzburg verhandelt wurden. Auch im Fall des Salzburger Privatiers seien noch nicht alle Geheimnisse gelüftet, glauben Kenner. „Es geht um sehr viel Geld, es gibt zwei widerstreitende Testamente und viele Ungereimtheiten“, meint Anwalt Kurt Jelinek, der die verurteilte 21-Jährige vertritt.

Motiv Habgier

Im Zentrum  steht Habgier. Roland Krenn hat zu Lebzeiten offenbar vielen  Personen versprochen, sie zu Erben zu machen; Krenn besaß zahlreiche Liegenschaften, Autos, Motorräder, Wertgegenstände, er bezahlte Rechnungen mit einer American Express Gold Card. Tatsächlich gibt es mehrere  Testamente, darunter für (ehemalige) Partnerinnen sowie ein altes für die Schwester.
Doch dann lernte der Lebemann, der gern Alkohol trank, in einem Lokal den  25-jährigen Hauptangeklagten kennen. Der arbeitslose Musiker lebte von 780 Euro und konsumierte Kokain. Laut Anklage habe sich bald „eine innige Freundschaft“ entwickelt. Die möglicherweise weniger echt war als auf dem Papier steht.

„Parasitärer Lebensstil“

Denn die psychiatrische  Gerichtsgutachterin  attestierte dem 25-Jährigen einen „parasitären Lebensstil“ und eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung mit „pathologischem Lügen“. Als Krenn meinte, er wolle den jungen Mann adoptieren, ihn  zum Universalerben machen, war sein Schicksal besiegelt. Am 19. Juli 2016 betäubten der Musiker, seine Freundin und ein Wirt (30,  als Anstifter) Krenn  im Zuge eines Abendessens mit Alkohol und einem Schlafmittel, knebelten  ihn in seiner Villa, wo er erstickte.  Anschließend   raubten    sie Kameras, Schmuck, Münzen, Uhren, einen Teddybären mit eingenähtem Gold. Der eigentliche Plan, sich mit Krenns Vermögen „ein schönes Leben“ zu machen, ging   nicht auf.  Denn es liege ein Testament für ihn bei einem Notar, erzählte  der 25-Jährige einem Mithäftling. Ob es tatsächlich existiert, ist nicht bekannt.

Telefonat in der Mordnacht

Ungeklärt ist auch, warum der 25-Jährige in der Mordnacht mit dem Lebensgefährten von Krenns Schwester telefonierte. Anwalt Franz Essl sagt: „Vergessen Sie das, der hat mit Tod und Teufel telefoniert.“ Fakt ist, dass der Lebensgefährte nunmehr Zeuge auf einem umstrittenen Testament ist, das Krenns  Schwester begünstigt. Es soll am 20. März 2016  am Badeplatz Krenns entstanden sein. Die zweite Zeugin ist eine    Freundin der Schwester, der dritte Zeuge ist unbekannt und bis heute nicht identifiziert. Die Justiz anerkennt das Dokument und schmettert Anträge von Krenns letzter Freundin Ursula P.  (44) ab. Sie hat ein notariell beglaubigtes Testament, das wenig älter ist.

Die Kugelschreiber-Frage

Die Staatsanwaltschaft hat die Polizei  mehrfach ermitteln lassen – und erhält immer verworrenere Aussagen. Es geht um die Kugelschreiber, mit denen unterschrieben wurde. Der Lebensgefährte sagte  zunächst: „Krenn  setzte vor unseren Augen seine Unterschrift auf das Schriftstück. Anschließend reichte er mir den  Kugelschreiber, woraufhin ich unterschrieb. Ich gab dann den Kugelschreiber an  XY weiter, die ebenfalls unterschrieb mit dem Zusatz Zeuge.“ Laut dem Schriftsachverständigen Wolfgang Caspart wurden jedoch dezidiert „unterschiedlich lumineszierende“, also mehrere Kugelschreiber verwendet. Nun sagt der Zeuge: Krenn habe ihm „den Kugelschreiber“ überreicht. „Ich habe nicht behauptet, dass Krenn denselben Kugelschreiber für seine Unterschrift verwendete.“

Sonja Wenger