Die Wurzeln des Lebens

Herbst. Erntezeit. Norbert Kopf war auf Spurensuche. Herausgekommen ist schöne Fotokunst.

Vom Korn zum Brot. Das klingt ganz nach „Dahoam“ und vor allem klingt es danach, dass die Welt noch immer in Ordnung ist. Sie ist es – fast.
Denn was wir Konsumenten als knackige Semmel oder als frisches Weckerl kaufen, hat häufig China als Ursprung.

Am Feld. Fotos (alle): Norbert Kopf

Schon vor Jahren sorgte ein Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung für Aufregung. Darin hieß es, 18.071 Tonnen „Backwaren und andere Zubereitungen aus Getreide“ würden aus China nach Deutschland importiert. Tendenz steigend.

Gemeint damit wären gefrorene Teiglinge, die eine Selbstbedienungsbäckerei nur noch aufbacken müsse, um Semmerl, Weckerl und Brot zu bekommen. Mit der genannten Menge würden sich 282 Millionen Semmeln backen lassen. Ein Teigling wiege anfangs 65 Gramm. Nach dem Aufbacken wären es 52. In Österreich scheint das anders zu sein. Große Diskonter versichern, ihre Teiglinge kämen überwiegend von heimischen Bäckereien.

Das Korn

Die Ähre

Abseits all dieser Diskussionen hat sich der beseelte Fotograf und „Traumgärtner“ Norbert Kopf auf Spurensuche begeben. Seit zehn Jahren wirkt er gemeinsam mit dem Klosterbruder Beda und zahlreichen Helfern als ehrenamtlicher Klostergärtner im Franziskanerklostergarten in Salzburg. Heuer nahm Kopf an der Fotoklasse der internationalen Sommerakademie teil.

Er spürte den Wurzeln des Lebens nach. Im Besonderen dem Laufener Landweizen. Dazu besuchte er Simon Angerpointner in Taching am See, in der bayerischen Nachbarschaft. Was aus dem Weizen wurde, beobachtete Norbert Kopf dann in der Bäckerei von St. Peter, bei den „Sankt Bedaran“, wie sie in Salzburg liebevoll genannt werden.

Was ist das Geheimnis dieser raren Getreidesorte? Regina Daghofer berichtet darüber ausführlich auf der Internetseite www.salzburgerlandwirtschaft.at: Aus nur 40 Körnern einer Genbank wurde der Landweizen „wiederbelebt“.

Derzeit bauen fünf Bio-Bauern auf elf Hektar diese alte Getreidesorte wieder an. Mit Mut und viel Experimentierfreude leistet zum Beispiel Manfred Eisl, Esserbauer aus St. Georgen, seit sechs Jahren Aufbau- und Vernetzungsarbeit. „Wir waren auf der Suche nach möglichst ursprünglichem und regional angepasstem Getreide, das zu unserer Biolandwirtschaft passt. Gerade weil konventionell produzierter Weizen so in Verruf geraten ist, hat uns diese Sorte angesprochen“, wird Eisl zitiert.

Das Feuer

Wissenschaftliche Tests würden dem Laufener Landweizen neben vielem auch gesunde Inhaltsstoffen attestieren. Der hohe Glutengehalt sorge für gute Backeigenschaften. Darüber hinaus eigne sich dieses Getreide, das reich an Ferulasäure sei, etwa auch für die Bierherstellung. Das sei mit ein Grund, warum ihn die Salzburger Stieglbrauerei verwende.

Norbert Kopf begeisterte sich vor allem für die Anmutung und Ästhetik, die das Korn auf dem Weg zum Brot begleitet.

Von Heinz Bayer