Bester Wein mitten aus der Stadt

Wird Salzburg durch den Klimawandel zur Weinregion? Die heurige Wein-Lese dürfte jedenfalls sehr gut ausfallen – auch am Mönchsberg.

Die Weinwirtschaft ist wahrscheinlich die einzige Wirtschaft in den Alpen, die künftig an Erfolg zunimmt“, sagte Reinhold Messner, Bergsteigerlegende und Weinbauer, 2015 in einem SN-Interview. Bringt uns der Klimawandel so warme, trockene Sommer wie heuer, könnte Messner mit seiner Vermutung richtig liegen.

Nun ist Salzburg (noch) kein Weinland. Doch es gibt ein paar Liebhaber, die in und um die Mozartstadt Wein anbauen. Ganz neu ist das nicht: Am Mönchsberg zogen schon die Römer Reben. Und Erzbischof Paris Lodron. 2007 wurde nahe der Richterhöhe sein historischer Weingarten wiederbelebt – mit derselben Rebsorte wie vor 500 Jahren: frühroter Veltliner.

Betreut wird der Weingarten von den Pfadfindern, die ihn von der Stadt Salzburg gepachtet haben. Sie lassen sich von zwei Winzern beraten und begleiten. „Das wird heuer sicher das beste Jahr bislang, von Qualität und Quantität. Wir starten die Lese um zwei, drei Wochen früher“, freut sich „Pfaderer“ Hans-Georg Keplinger. Nachsatz: „Vorausgesetzt, es passiert bis dahin nicht noch was.“

Denn schon drei Tage Regen plus Wärme könnten den Ertrag um die Hälfte reduzieren. Aus den 400 bis 500 Flaschen pro Jahrgang, welche die 538 Rebstöcke liefern, dürften heuer bis zu 800 werden, schätzt Keplinger. Gekeltert wird der Weißwein mit dem Namen „Paris Lodron Zwinger“ in der Steiermark bei Winzer Martin Moser. Erhältlich ist er im Pfadfinderhaus, bei Döllerer, Sporer und Riegerweine. (Der Jahrgang 2017 ist bereits ausverkauft.)

Christian Sturm mit seinem Hund Flocki und dem „Mönchsberg Sparkling“, einen Rosé-Schaumwein. Bild: Heinz Bayer

Wein wächst am Mönchs- und am Rainberg

Nicht weit entfernt vom historischen Weingarten rechnet auch Christian Sturm heuer mit einer ausgezeichneten Lese. Der einstige Kunst- und Antiquitätenhändler kaufte 2011 ein altes Bauernhaus am Rainberg und ließ dort einen Weingarten mit 2000 Stöcken anlegen. Er betrachtet den Weinbau als Hobby.

Dunkel und üppig hängen die Trauben in den Rebstöcken am Rainberg. Foto: Suchanek

„Ich hätte auch Schaferl züchten können, aber die muss man schlachten“, scherzt Sturm. Bei den Rebsorten setzt er auf Direktträger wie Concord, weil diese pilz- und reblausresistent seien und er nicht spritzen müsse. Auch Sturm lässt wie die Pfadfinder auswärts produzieren. Sein „Mönchsberg Sparkling“, ein Rosé-Schaumwein, entsteht im Keller von Winzer Reinhard Muster in Gamlitz.

Dort werden die Trauben auf Maische vergoren, mit Kohlensäure versetzt und in Flaschen abgefüllt. Sogar in Südfrankreich gebe es Fans seines Sparklings, freut sich Sturm. Sein Tipp: „Sehr gut schmeckt er, wenn man Waldbeer-Sorbet damit aufgießt.“ Erhältlich ist der „Mönchsberg Sparkling“ bei Sporer, Azwanger und ab Hof.

Weinpionierin in Großgmain: Dort wird am Hof gekeltert

Der einzige Wein, der auch in Salzburg produziert wird, ist jener von Marianne Witzko. Die Weinakademikerin startete 2001 mit dem Weinbau auf dem Reiterhaindlhof in Großgmain. 2000 Rebstöcke zählt ihr Weinberg. Aus Sorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Rösler, Zweigelt und Sankt Laurent werden direkt am Hof ein Rot-, Weiß- und Roséwein gekeltert (Ab-Hofverkauf und Webshop).

Witzko bestätigt, dass es heuer bis dato ein „gutes Winzerjahr ist. Das Wetter war ideal, besser geht’s nicht.“ Qualität und Quantität könne man aber erst mit Sicherheit bestimmen, wenn der Wein in der Flasche sei. Doch wie gut er schmecke und wie viel ein Rebstock liefere, liege nicht allein am Wetter, betont die Expertin.

Der Winzer entscheide das mit, das fange schon beim Schnitt der Rebstöcke im Februar an. Dass Salzburg klimawandelbedingt einmal ein „Riesenweinbaugebiet“ werde, glaube sie nicht. „Von zehn Jahren müssen acht gute Jahre dabei sein, damit sich das wirtschaftlich auszahlt“, ist Witzko skeptisch.

Von Petra Suchanek