Asylwerberinnen knüpfen Bande zur neuen Heimat

Geflüchtete Frauen bringen sich mit Handarbeit in die Gesellschaft ein und tanken Mut.

Beim Kunstbazar „Salzachgalerien“ gab es jüngst einen besonderen Verkaufsstand: Die sechs Frauen, die dort selbst gemachtes Kunsthandwerk feilboten, stammen aus Syrien, dem Irak und Somalia. Sie sind aus ihrer Heimat geflohen – und wollen sich nun in Österreich mit ihrer Kreativität einbringen.

„Die Regierung soll sehen, dass wir an der Gesellschaft teilnehmen wollen“, betont die Syrerin Rita Mouses. Und ihre Schwester Nanor erklärt: „Ich habe schon in Syrien bei einem Floristen Dekosachen gemacht.“

Die beiden sind Teil einer von insgesamt vier Gruppen des Forschungsprojekt „PAGES“ des Studiengangs Soziale Arbeit an der Fachhochschule Salzburg. Bis Februar 2019 untersucht dieses, wie es um das Wohlbefinden von Flüchtlingen hierzulande bestellt ist – und wie sich Partizipationsmöglichkeiten auswirken.

„Den Frauen ist es wichtig, dass sie unserer Gesellschaft etwas zurückgeben können.“ Heike Rainer, FH Salzburg

Als Freiwillige gesucht wurden, waren Rita und Nanor Mouses sofort dabei: „Wir waren verwirrt, verirrt in einem fremden Land. Wir wussten nicht, welche Perspektive wir hatten.“ Ähnlich fühlten sich die weiteren Mitglieder ihrer Gruppe: die Syrerinnen Nazek Musa und Ranjes Alzein sowie Nida Al Zahawi aus dem Irak und Sunaari Aways aus Somalia. „Ich war gerade in einer Phase, wo ich Unterstützung gebraucht habe. Das Projekt kam zum richtigen Zeitpunkt“, ist Nida Al Zahawi froh.

Frauen spenden Erlös an Kinderschutzzentrum

Seit August 2017 treffen sich die sechs Frauen zwei Mal im Monat mit Gruppenleiterin Heike Rainer von der FH Salzburg, um Kunsthandwerk zu gestalten, Aktionen zu planen und sich auszutauschen. Da werden Taschen aus bunten Stoffen und alten Jeans genäht, Schals und Stirnbänder gestrickt, es wird Perlenschmuck entworfen und Dekoration gebastelt.

Die Hälfte des Verkaufserlöses bei den Salzachgalerien spenden sie an das Kinderschutzzentrum Salzburg, denn die Frauen wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Der Rest fließt in die Projektaktivitäten von PAGES.

Vergangenen Dezember verkaufte die Frauengruppe ihre Werkstücke schon erfolgreich bei der Schranne. „Wir waren am Ende des Tages sehr glücklich. Wir haben es toll gemacht und wir hatten die Chance, Leute kennen zu lernen“, erinnert sich Sunaari Aways.

Im Krankheitsfall auf Deutsch verständigen

Doch die Frauen gestalten nicht nur Kunsthandwerk, sie nehmen auch an Gesundheitsworkshops teil, erklärt Heike Rainer: „Sie erhalten Kenntnisse über unser Gesundheitssystem und lernen, wie man sich beim Arzt auf Deutsch ausdrückt. Ziel ist es, sie zu Multiplikatorinnen zu machen, damit sie ihr Wissen weitergeben und sich gegenseitig austauschen und helfen.“

Die Frauen jedenfalls sind begeistert. „Wir verstehen uns untereinander“, sind sich die sechs einig. Das gemeinsame Gestalten habe ihr Selbstbewusstsein gestärkt und ihnen gezeigt, dass sie als Frauen stark genug sind, der Gesellschaft gegenüberzutreten und von ihr respektiert und akzeptiert zu werden.

„Die Angst, als Frau aus einer anderen Kultur an Aktivitäten teilzunehmen, war am Anfang sehr groß. Da hat das Projekt sehr geholfen. Wir sind innerlich stärker geworden“, bestätigt Nida Al Zahawi. „Meiner Psyche, meiner Gesundheit, mir als Ganzes geht es besser“, freut sich Nanor Mouses.

Viele der Teilnehmer engagierten sich schon vor dem Projekt ehrenamtlich, sagt Rainer, weil sie einfach etwas tun wollten. Sie helfen in Repaircafés, Kindergärten oder in kirchlichen Projekten – obwohl ihre Zukunft in Österreich ungewiss ist. Auch ein PAGES-Teilnehmer wurde inzwischen abgeschoben, eine Teilnehmerin erhielt einen positiven Bescheid. Sie hat mittlerweile eine Wohnung und sogar Arbeit gefunden.

Von Petra Suchanek

Am Foto: Verkauften Selbstgemachtes bei den Salzachgalerien (hinten v.l.): Nanor Mouses, Heike Rainer (Gruppen-Ltg.), Nida Al Zahawi, Hayat Moosa (Dolmetscherin), Ranjes Alzein. Vorne v. li.: Rita Mouses, Sunaari Aways und Nazek Musa.  Bild: PAGES